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Streit um Rezeptpflicht: Sieben Fakten über die Pille danach

Der Bundestag hat die Diskussion darüber, ob die Pille danach in Deutschland zukünftig ohne Rezept erhältlich sein soll, an den Ausschuss für Gesundheit und zur Mitberatung an den Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend überwiesen. Die wichtigsten Fakten zu dem Notfallverhütungsmittel und den Streit um die Rezeptpflicht.
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Was ist die Pille danach?

Bei der Pille danach (PiDaNa®) handelt es sich um ein hormonelles Verhütungsmittel für die Frau. Es wird zur Notfallverhütung nach dem Geschlechtsverkehr eingesetzt, wenn andere Methoden (wie die Antibaby-Pille oder Kondome) versagt haben oder vergessen wurden. Bislang ist die Pille danach in Deutschland nur nach ärztlicher Beratung mit einem Rezept erhältlich. Im Jahr 2013 wurde sie nach Angaben des Bundesministerium für Gesundheit etwa 200 000 Mal verschrieben.

Wie wirkt die Pille danach?

Der Wirkstoff der PiDaNa® ist das synthetisch hergestellte Hormon Levonorgestrel. Es gehört zu den Gestagenen, einer Gruppe weiblicher Geschlechtshormone. Es ist auch Bestandteil der präventiven Antibaby-Pille. Der genaue Wirkungsmechanismus des Präparats ist noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist jedoch, dass Levonorgestrel den Eisprung verhindert, indem es die Ausschüttung eines anderen, den Eisprung auslösenden Hormons hemmt. Die Pille danach wirkt daher am zuverlässigsten, wenn im weiblichen Zyklus der Eisprung noch nicht erfolgt ist. Eine bereits bestehende Schwangerschaft kann sie aber nicht beenden. Zudem wird ein Einfluss des Wirkstoffs auf die Beweglichkeit und die Funktionsfähigkeit der Spermien angenommen. Levonorgestrel bewirkt, dass das Sekret des Gebärmutterhalses zähflüssiger und weniger sauer wird. Die PiDaNa® sollte daher so schnell wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Am besten wirkt sie, wenn sie innerhalb von 24 Stunden angewendet wird. Je länger sich die Einnahme verzögert, desto größer wird das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft. Die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle kann Levonorgestrel vermutlich aber nicht verhindern. Nach der Einnahme kann es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopf- und Bauchschmerzen, Zwischenblutungen und Schwindel kommen.

Worum geht es bei dem Streit um die Rezeptpflicht?

In Deutschland wird seit einigen Jahren darüber diskutiert, die Rezeptpflicht der PiDaNa® aufzuheben. Bereits 2003 sprach sich der Sachverständigenausschuss für Arzneimittelsicherheit für eine Freigabe aus. Die Organisation Pro Familia forderte 2012 ebenfalls in einer bundesweiten Kampagne einen rezeptfreien Zugang zur Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, und auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürwortet dieses Vorhaben. Gegenwind kommt jedoch von Seiten der Mediziner: Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) lehnten 2012 in einem offenen Brief an den Deutschen Bundestag eine Freigabe der Pille danach ab. Am 13. Februar 2014 wurde im Bundestag erneut über die Rezeptpflicht des Präparats PiDaNa® beraten. Die SPD und die Grünen sprechen sich für den rezeptfreien Zugang aus – die CDU ist dagegen.

Was spricht für die Aufhebung der Rezeptpflicht?

Befürworter des rezeptfreien Zugangs zur Pille danach argumentieren, dass eine sehr schnelle ärztliche Versorgung besonders in ländlichen Regionen und an Wochenenden nicht immer gewährleistet sei. Die zeitnahe Einnahme nach der Verhütungspanne ist für die Wirksamkeit des Arzneimittels jedoch entscheidend. Zudem sei der Wirkstoff Levonorgestrel gut verträglich und eine ärztliche Untersuchung vor der Einnahme nicht nötig. Eine fundierte Beratung können ihrer Ansicht nach auch das Internet und der verkaufende Apotheker leisten. Besonders jungen Frauen, die in einer solchen Situation möglicherweise ungern einen Arzt aufsuchen, würde so der Zugang zu einer selbstbestimmten Verhinderung einer Schwangerschaft erleichtert. Letztendlich könnten so Schwangerschaftsabbrüche und ungewollte Schwangerschaften besser vermieden werden.

Was spricht gegen die Aufhebung der Rezeptpflicht?

Gegen den rezeptfreien Vertrieb der PiDaNa® spricht nach Ansicht der BVF und DGGG die begrenzte Sicherheit des Wirkstoffs Levonorgestel, seine Verwendung gilt ihrer Ansicht nach als überholt. Seit 2010 ist in Deutschland mit Ulipristalacetat ein weiterer Wirkstoff in Form des Präparats Ellaone® erhältlich. Dabei handelt es sich um einen Stoff, der das Sexualhormon Progesteron hemmt. Dadurch wird ebenfalls der Eisprung verhindert, und außerdem wird die Bildung für die Schwangerschaft wichtiger Proteine unterdrückt. Ulipristalacetat hat nach Auffassung des BVF und des DGGG eine deutlich höhere Wirksamkeit und kann auch wesentlich länger (bis zu fünf Tage nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr) eingenommen werden. Bei übergewichtigen Frauen wirkt es deutlich zuverlässiger als Levonorgestrel. Jedoch hat der Wirkstoff auch mehr Nebenwirkungen und ist daher europaweit nur verschreibungspflichtig erhältlich. Die Mediziner befürchten durch den leichteren Zugang der schlechter wirkenden PiDaNa® eine Zunahme von Abtreibungen und ungewollten Schwangerschaften. Zudem plädieren sie für eine qualifizierte und umfassende Beratung, die ihrer Ansicht nach nur vom Arzt und nicht vom Apotheker durch den Fensterspalt einer Nachtapotheke heraus erfolgen kann.

Wie ist die Regelung in anderen Ländern?

In beinahe allen europäischen Ländern und in der USA ist der Wirkstoff Levonorgestrel, also die PiDaNa®, rezeptfrei erhältlich. Die einzigen Ausnahmen bilden Deutschland, Polen und Italien. In Italien kann sich der Arzt aus Gewissensgründen auch weigern, die Pille danach zu verschreiben. In Frankreich dagegen ist die Pille danach bereits seit 15 Jahren frei verkäuflich und wird sogar bei Bedarf in weiterführenden Schulen an junge Mädchen ausgegeben.

Welche Konsequenzen wären zu erwarten?

In den Ländern, in denen die PiDaNa® rezeptfrei verkauft wird, hat das nach Angaben der befürwortenden Parteien keinen Einfluss auf die Verwendung präventiver Verhütungsmittel oder die Häufigkeit ungeschützten Geschlechtsverkehrs. Die Gegner führen dagegen an, dass nach Erfahrungen aus dem Ausland die Rate ungewollter Schwangerschaften nicht rückläufig sei. Im Gegenteil, die Anzahl von Teenager-Schwangerschaften sei deutlich höher als in Deutschland. Die betroffenen Frauen wären oftmals wegen einer korrekten Einnahme der rezeptfrei erhaltenen PiDaNa® unsicher.

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