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Technologische Innovation: Smartphone-Navigation für Blinde

Blinder mit BlindenstockLaden...

Ein digitaler Blindenstock ist keine neue Idee, in der Praxis ist sie aber bisher kaum umgesetzt: Verschiedene innovative Konzepte verlangten bis dato oft die Anschaffung neuer, teurerer Geräte, um zu funktionieren. Kostengünstiger könnte eine neue Smartphone-App blinde und sehbehinderte Menschen durch Gebäude navigieren, meinen Forscher von der Universität in Palermo. Sie entwickelten ein Softwareprogramm für Handys, das blinde Nutzer entlang farbiger Linien auf dem Fußboden navigiert. Dabei schwenkt man das Smartphone beim Gehen vor dem Körper, via Kamera registriert es dabei die Linie und gibt Vibrationssignale, um den Nutzer auf Kurs zu halten.

Zusätzlich können auf dem Fußboden QR-Codes angebracht werden, die beispielsweise auf Hinweise über die angrenzenden Räume oder Wegkreuzungen verlinken. Das Smartphone scannt die Kodes und teilt die zuvor auf einem Server gespeicherten Informationen über die Sprachausgabe mit. Die App ist vor allem für die Orientierung in Gebäuden ausgelegt – hier funktionieren andere, GPS-basierte Orientierungssysteme nicht.

Die Forschergruppe um Pierluigi Gallo nennt ihre Entwicklung ARIANNA, ein Akronym ("pAth Recognition for Indoor Assisted NavigatioN with Augmented perception"), das der griechischen Mythologie entlehnt ist, der zufolge Prinzessin Ariadne (italienisch: Arianna) ihrem Geliebten Theseus ein Wollknäuel in die Hand gibt, damit dieser am gespannten Faden den Weg aus einem Labyrinth heraus findet, das er betritt, um den blutrünstigen Minotauros zu erledigen.

Nach Ansicht der Forscher könnte die Handyanwendung kostengünstig und praxisnah sein, weil viele blinde Menschen bereits ein Smartphone nutzen. Ausgestattet mit der richtigen Software verschafft es blinden und sehbehinderten Menschen größere Selbstständigkeit im Alltag: Apps helfen beispielsweise bei der farblichen Abstimmung der Kleidung, beim Erkennen von Geldscheinen oder beim Lesen von gedrucktem Text. Ab wann und zu welchem Preis die Blindenstock-App erhältlich sein könnte, ist unklar, bislang existiert nicht mehr als ein Protoptyp. Vor einem praktischen Einsatz müssen noch Schwachstellen ausgeräumt werden: So schützt ARIANNA im Gegensatz zum altgedienten Blindenstock nicht vor eventuell im Weg stehenden Hindernissen und ist außerdem nur in Verbindung mit der Markierungslinie auf dem Fußboden nutzbar, die zunächst in Form eines Klebestreifens angebracht werden muss.

3. KW 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 3. KW 2014

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