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Spanien: So arbeiteten die Goldschmiede der Eisenzeit

An diesem fein gearbeiteten GoldbandLaden...
Dieses flexible Goldband ist ein gutes BeispielLaden...
Dieses flexible Goldband ist ein gutes Beispiel ... | ... für die fortgeschrittene Technik der iberischen Kunsthandwerker. Das Objekt stammt aus einem anderen Fund.
Die kunstvollen Goldobjekte mit ihren fein gelöteten Verzierungen haben die Kunsthandwerker der spanischen Urbevölkerung berühmt gemacht. In einem 2400 Jahre alten Grab in Cabezo Lucero im Südosten Spaniens sind Forscher nun erstmals auf ein komplettes Werkzeugset eines der eisenzeitlichen Goldschmiede gestoßen – darunter Hämmer zur Bearbeitung des Rohmaterials sowie feine Pinzetten.

Hämmer und Meißel (a und b), sowie feine Pinzetten Laden...
Hämmer und Meißel (a und b), sowie feine Pinzetten (c) ... | ... dienten der Bearbeitung des Werkstücks.
Aufschlussreich sind vor allem zwei hohle Lötrohre aus Bronze. Wie Alicia Perea vom Centro de Ciencias Humanas y Sociales in Madrid und Barbara Armbruster von der Université Toulouse berichten, konnte der Künstler damit in eine Kerzenflamme blasen und die Hitze auf diese Weise gezielt auf das Werkstück lenken. Bisher hatte man angenommen, dass selbst komplexe Gegenstände am Stück im Ofen erhitzt wurden, um Einzelteile zu verbinden. Nun ist jedoch klar: Die Schmiede konnten mit Hilfe der Bronzeröhren punktgenau arbeiten, ohne bereits fertige Abschnitte versehentlich zu schmelzen – diese Technik wird bis heute angewandt.

Die bronzenen LötrohreLaden...
Die bronzenen Lötrohre ... | ... weisen an einem Ende eine wesentlich dünnere Öffnung auf, um den Luftstrom zu komprimieren.
Weil die Handwerker ihre wertvollen Werkzeuge meist vererbten, ist dies ein seltener und wertvoller Fund. Der Grund: Der Tote von Cabezo Lucero war gar kein Goldschmied. Vielmehr gehörte er zur iberischen Kriegerelite, die den Handel und die Verarbeitung der begehrten Edelmetallekontrollierte. Die Werkzeuge symbolisierten somit nicht seine künstlerischen Fähigkeiten, sondern seine Macht über die Zunft.

Julian Willuhn

Antiquity 85, S. 158-171, 2011

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