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Vogelflug: So energiesparend fliegt sonst keiner

Davon kann die Luftfahrtindustrie nur träumen. Einmal in der Luft, müssen Andenkondore kaum mehr Aufwand treiben, um Strecke zu machen.
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Andenkondore (Vultur gryphus) sind weder die schwersten flugfähigen Vögel (das ist die Großtrappe mit 16 Kilogramm und damit einem Kilogramm mehr) noch besitzen sie die größte Flügelspannweite: Der Königsalbatros übertrifft sie mit seinen 360 Zentimetern noch um 40 Zentimeter. Womöglich sind die südamerikanischen Geier aber die effizientesten Segelflieger des Tierreichs, wie eine Studie von Emily Shepard von der University of Swansea und ihrem Team in »PNAS« nahelegt.

Bis zu fünf Stunden können die Tiere demnach in der Luft gleiten, ohne auch nur ein einziges Mal mit den Flügeln zu schlagen. Einer der mit Hilfe von Bewegungssensoren überwachten Vögel legte dabei eine Strecke von 172 Kilometern zurück. Durchschnittlich bewegten sie nur während eines Prozents der gesamten Flugzeit aktiv ihre Flügel, sonst nutzten sie aufsteigende Luftströmungen optimal aus. Die Sensoren zeichneten während der Studie beständig Flügelschlag sowie Drehungen und Wendungen der Kondore auf.

Dagegen sei der Start extrem energieaufwändig, weil die Tiere intensiv mit den Flügeln schlagen müssen, sagt die an der Studie beteiligte Hannah Williams vom Max-Planck-Institut für Verhaltensforschung. Die Entscheidung, wann und wo ein Tier landet und wann es die Strömung wechselt, sei daher von entscheidender Bedeutung, denn die Starts nach unnötigen Landungen erhöhen die Gesamtflugkosten erheblich. Vor allem auch die Abschnitte zwischen aufsteigender Thermik sind daher für die Kondore kritisch, weil sie hier nicht einfach nur gleiten können, sondern aktiv fliegen müssen.

Die Vögel müssten daher genau erkennen, wie sich die Thermik verhält, und aufsteigende Luftmassen abpassen, um möglichst effizient zu fliegen. Die Biologen wollen nun als Nächstes erforschen, wie die Kondore die Luftströmungen lokalisieren. Möglich wäre es beispielsweise, dass sie andere Vögel beobachten und aus deren Verhalten ihre Schlüsse ziehen oder dass sie dieses Verhalten erlernen, indem sie eigene Strömungskarten ihres Lebensraums »erstellen«.

Andenkondore leben entlang der gesamten Gebirgskette von Venezuela bis Chile. Regelmäßig fliegen sie dabei von ihren Nistplätzen im Hochgebirge an die Pazifikküste, um dort an den Kadavern gestrandeter Wale oder Robben zu fressen.

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