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Epidemiologie: So hat sich HIV ausgebreitet

Forscher kartieren mittels Genomanalysen die Wanderung des Virus, seit es in den frühen 1970er Jahren die USA erreichte. Dabei zeigen sich geopolitische Muster. Der "Eiserne Vorhang" hielt es in der Frühphase vom "Ostblock" fern.
Menschen am Flughafen

HIV hat sich von Afrika aus über Haiti bis in die USA vorgearbeitet. So viel ist bekannt und verstanden. Welchen Weg das Virus Anfang der 1970er Jahre von dort nahm, haben Forscher bisher aber kaum erhellen können. Das ändert nun eine Studie, in der Gkikas Magiorkinis von den Universitäten Athen und Oxford gemeinsam mit Kollegen die Wanderung eines bestimmten HIV-Stamms anhand von Genomanalysen aus einem großen Datensatz über die letzten 50 Jahre untersucht hat. Daran zeigte sich, dass das Virus bei verschiedenen Gelegenheiten den Weg von Nordamerika nach Westeuropa zurückgelegt hat. Zentral- und Osteuropa hingegen blieben lange verschont. Geopolitische Einflüsse und Ereignisse wie die Errichtung und der Fall des "Eisernen Vorhangs" hätten sich auf die Verbreitung infektiöser Krankheiten ausgewirkt, schreiben die Forscher. Diese Erkenntnis überrascht zwar nicht unbedingt. Die Studie liefert aber selten detaillierte Erkenntnisse.

Die Forscher untersuchten knapp 9000 Genome von HIV-1-Viren des Subtyps B, dem in der "westlichen Welt" dominanten Stamm. Ein genauerer Blick in die Daten zeigt, dass die USA das Virus viel stärker verbreiteten als importierten. Europa habe die Infektionen förmlich aufgesaugt. In der Schweiz, Frankreich und Großbritannien kamen Ansteckungen häufiger mit außer- als mit innereuropäischen Ländern zu Stande. Darin spiegeln sich die globalen Machtverhältnisse, wirtschaftliche Beziehungen mit dem Ausland beziehungsweise die Kolonialgeschichte der Länder wider, so die Studie. Insgesamt liefere das Ausbreitungsmuster von HIV einen Abdruck der Reise-, Handels- und Migrationsrouten, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen entwickelten. Die Forscher empfehlen, diese Erkenntnisse in die Prävention der Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten einfließen zu lassen. Es sei wichtig zu verstehen, dass ähnlich wie in der Ökonomie einflussreiche Länder globale Effekte bei der Verbreitung von Seuchen verursachen können.

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