Große Gefühle: Wie oft verlieben sich Menschen?

Alleinstehende Erwachsene waren im Schnitt zweimal in ihrem Leben leidenschaftlich verliebt. Das ist das Ergebnis einer im Februar 2026 veröffentlichten Umfrage unter mehr als 10 000 Menschen in den USA. 14 Prozent der Befragten gaben an, noch nie Hals über Kopf verliebt gewesen zu sein.
Die Ergebnisse unterstreichen, wie vielfältig die Liebeserfahrungen von Menschen sind, sagt die Psychologin und Studienautorin Amanda Gesselman vom Kinsey Institute der Indiana University: »Es gibt viel mehr Variationen, als wir denken.«
Forscher verfolgen verschiedene Ansätze, um Liebe zu verstehen. Ein beliebtes Modell ist die Dreieckstheorie der Liebe des Psychologen Robert Sternberg von der Cornell University. Ihm zufolge besteht vollkommene Liebe aus drei Elementen: Leidenschaft, Intimität und Bindung. Das Gleichgewicht dieser Faktoren ändert sich in der Regel im Lauf einer Beziehung, wobei leidenschaftliche Liebe am frühesten auftritt. »Es ist diese erste Anziehungskraft zu einem Partner, ein suchtartiges, starkes und unwiderstehliches Verlangen, zusammen zu sein«, beschreibt es Gesselman. Es verblasst meist mit der Zeit und wird oft durch kameradschaftliche Liebe ersetzt – eine beständigere, »warme und gemütliche Art von Liebe«.
Geschichten über Liebe sind allgegenwärtig, etwa in Filmen oder Büchern. Sie stellen oft die leidenschaftliche Erfahrung in den Mittelpunkt und tun so, als würde jeder sie empfinden, erklärt Gesselman. Dabei gibt es überraschend wenige Daten dazu, wie verbreitet dieses Gefühl in der Bevölkerung tatsächlich ist.
Nicht jeder erlebt leidenschaftliche Liebe – aber die Chancen dafür steigen mit dem Alter
Daher analysierte das Team um die Psychologin die Daten einer repräsentativen Stichprobe von alleinstehenden Erwachsenen in den Vereinigten Staaten. Die Personen im Alter zwischen 18 und 99 Jahren wurden gefragt, wie oft sie in ihrem bisherigen Leben leidenschaftlich verliebt gewesen waren.
Der Durchschnitt lag bei zweimal. Nicht jeder erlebt leidenschaftliche Liebe – aber die Chancen dafür steigen mit dem Alter. Mehr als ein Viertel der 18- bis 19-Jährigen gab an, noch nie so gefühlt zu haben. Bei den über 70-Jährigen waren es nur 7,6 Prozent. Heterosexuelle Männer berichteten im Schnitt häufiger von dem Gefühl leidenschaftlicher Liebe als heterosexuelle Frauen. Zwischen schwulen, lesbischen oder bisexuellen Männern und Frauen gab es keine solchen Unterschiede.
Die Ergebnisse deuten laut den Autoren darauf hin, dass leidenschaftliche Liebe eine weitverbreitete, aber seltene Erfahrung für den Einzelnen ist. Eine wichtige Frage sei jedoch noch ungeklärt, sagt Gesselman: Wie verändert sich die Bewertung dieser Erfahrung im Lauf einer Beziehung und eines Lebens? Menschen neigen dazu, vergangene romantische Erlebnisse mit der Zeit anders zu betrachten.
Eine weitere Einschränkung der Studie besteht darin, dass sie Menschen aller Altersgruppen umfasste. Diese hatten jedoch unterschiedlich viel Zeit im Leben, um Beziehungserfahrungen zu sammeln. Zudem wurden nur Singles befragt, die etwa 31 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den USA ausmachen. Die Ergebnisse einer ähnlichen Umfrage unter allen Erwachsenen könnten womöglich anders aussehen.
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