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Überfischung: Nebenbei geschützt

Tunfische leben nicht an einem festen Ort, sondern legen große Strecken im Meer zurück. Trotzdem scheinen sie von Schutzzonen mit Fischereiverbot zu profitieren.
Ein Gelbflossen-Thun schwimmt mit einem blauen Köder im Maul im Ozean
Die Fischereiverbotszone zahlt sich auch für die Fischindustrie aus: Fischer konnten um das Schutzgebiet Papahānaumokuākea bei Hawaii herum doppelt so viele Exemplare von Thunnus albacares fangen wie vor der Erweiterung des Schutzgebiets.

Die Tunfischbestände sind in den vergangenen Jahrzehnten weltweit um 90 Prozent zurückgegangen. Einige Arten wie der Südliche Blauflossen-Thunfisch (Thunnus maccoyii) gelten laut der Internationalen Roten Liste (IUCN) trotz weltweiter Schutzbemühungen immer noch als gefährdet, andere Populationen erholen sich langsam. Wie Forschende der University of Hawai'i nun erstmals zeigen, haben Schutzzonen zur Erholung der Bestände beigetragen – auch wenn Tunfische sich nicht an einem festen Ort aufhalten, sondern über weite Gebiete wandern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin »Science«.

In Schutzräumen mit Fischereiverbot können sich bedrohte Tierpopulationen wieder regenerieren. Dass sich dieser Schutz auch außerhalb der Zonen bemerkbar macht und auf solche Arten positiv auswirkt, die wie Tunfische nicht permanent innerhalb der Schutzzonen leben, überraschte die hawaiianische Forschungsgruppe. Das Papahānaumokuākea Marine National Monument – die weltweit größte Fischereiverbotszone – wurde 2006 um die hawaiianischen Inseln herum geschaffen und 2016 erweitert, um die biologischen und kulturellen Ressourcen zu schützen. Heute ist die Schutzzone viermal so groß wie Kalifornien. In angrenzenden Gewässern fingen Fischer nach der Erweiterung 54 Prozent mehr Gelbflossen-Thun (Thunnus albacares) und zwölf Prozent mehr Großaugen-Thun (Thunnus obesus) als zuvor. Die Fangquote für andere Fischarten nahm um acht Prozent zu.

»Wir zeigen zum ersten Mal, dass eine Fischereiverbotszone zur Erholung und zum Wachstum wandernder Speziesbestände wie dem Großaugen-Thun führen kann«, sagte Mitautor John Lynham, Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der University of Hawai'i am Mānoa's College of Social Sciences.

Die Größe der Schutzzone und die Tatsache, dass die Region zu den bevorzugten Gebieten einiger Tunfischarten zählt, hat laut den Forschenden zu diesem positiven Effekt beigetragen. »Die Hawaii-Inseln sind eine Kinderstube für den Gelbflossen-Thun, und es hat sich gezeigt, dass viele dieser Fische in der Region bleiben«, erklärt Mitautorin Jennifer Raynor, Professorin für Wald- und Wildtierökologie an der University of Wisconsin-Madison.

Neben der ökonomischen Bedeutung für die Tunfischfang-Industrie – mit einem jährlichen Umsatz von 40 Milliarden Dollar – sind der Gelbflossen- und der Großaugen-Thun auch ein wichtiger Teil der hawaiianischen Kultur. Sie werden traditionell zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Familientreffen oder Geburtstagen gegessen.

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