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News: Söhne haben ihren Preis

Wenn am Sonntag wieder einmal pflichtschuldigst die Mütter mit Blümchen daran erinnert werden, dass sie Tag für Tag rund um die Uhr für ihre Familie werkeln, dann sollten sich Söhne ganz besondere Mühe geben. Denn für die Frauen bedeutet der Stammhalter womöglich um einige Wochen verkürzte Lebenszeit.
"Es ist ein Junge!" – bis heute lässt diese Auskunft der Hebamme die Augen mancher frisch gebackener Eltern und Großeltern besonders leuchtend strahlen. So genießt ein knackiger Stammhalter in einigen Familien und Gesellschaften noch immer mehr Ansehen als ein kleines Mädchen. Und ironischerweise wird die Aufgabe, den männlichen Sprössling zu sichern, oft genug den Frauen angelastet – dabei liegt es ja allein am Vater, welches Geschlecht sein Nachwuchs hat.

Manche Mütter neigen denn auch tatsächlich dazu, den Sohnemann besonders zu verwöhnen, ihm seine Sachen hinterher zu räumen und jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Vielleicht ändern sie dieses Verhalten jedoch, wenn sie sich einmal näher mit der Studie Samuli Helles von der University of Turku und seinen Kollegen näher beschäftigen.

Die Forscher analysierten finnische Kirchenbücher von 1640 bis 1870 aus der Region der Saami, die sich vor allem von Rentierhaltung, Fischen und Jagd ernährten. Moderne Medizin war bis dort nicht vorgedrungen, sodass die verzeichneten Daten unter anderem einen recht unverfälschten Eindruck der natürlichen Sterblichkeit wiedergaben.

Söhne mögen hier für die Familie ein großer Stolz gewesen sein, für den die Mütter allerdings teuer bezahlten: Jeder geborene Junge verkürzte ihre Lebenszeit um durchschnittlich 34 Wochen. Eine Tochter hingegen wirkte eher lebensverlängernd, vor allem wenn als Grundlage die Zahl der bis zum Erwachsenenalter herangezogenen Sprösslinge betrachtet wird.

Wie kommt's, fragt man sich da. Helle und seine Mitarbeiter führen als Erstes rein physiologische Gründe an. Männliche Föten wachsen schneller und haben ein höheres Geburtsgewicht als Mädchen, beanspruchen den Körper der Mutter also während der Schwangerschaft bereits stärker. Und nach der Geburt eines Jungen dauert es länger, bis Frauen wieder schwanger werden, sagt die Statistik.

Ein weiterer Langzeiteffekt könnte in den erhöhten Testosterongehalten liegen, die beim Austragen eines männlichen Nachwuchses häufig auftreten. Das Hormon wirkt unterdrückend auf das Immunsystem, das deshalb womöglich schneller altert und die Gesundheit der Frauen in späteren Jahren nicht mehr aufrecht erhalten kann. Hinzu kommt noch die Überlegung, dass Töchter der Saami-Gesellschaft üblicherweise ihren Müttern bei den alltäglichen Aufgaben halfen und sich so die Haushaltsbelastung auf mehrere Schultern verteilte.

Übrigens: Auch eine Vaterschaft ist unbestritten durchaus anstrengend, zeitaufwendig und oft kein Honigschlecken – Masern, Mathenoten und der erste Liebeskummer fordern hier ebenso ihren Tribut. Nur ist es für das Lebensalter der Männer ganz egal, ob es sich dabei um Sohnemänner oder Töchter handelt.

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