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Sonnenfinsternis 2006: Sofi-Nachlese: Post aus der Türkei

Sofi 2006
Wo steckt eigentlich Stephan? Und Uwe? Ach so, die beiden Astrokollegen gucken Sofi – beziehungsweise guckten. In sonnigen türkischen Gefilden. Wer will's ihnen verdenken nach den meist verregneten Erfahrungen von 1999. Aber damit wir Daheimgebliebenen uns nicht nur über anonyme Fernseh- und Internetbilder von der Pracht überzeugen dürfen, haben sie uns ihre Eindrücke geschickt. Neidisch? Tja – für die nächste derartige Gelegenheit brauchen wir etwas Geduld...

Partielle SoFi am 1. August 2008 | In Nordhessen durch eine Wolkenlücke hindurch fotografiert: Die partielle Sonnenfinsternis vom 1. August 2008.
"Es war das perfekte Wetter für eine Finsternis! 3500 Kilometer war ich diesmal gereist: Mit dem Auto von Stuttgart über München und den Brenner nach Ancona. Und dort auf die erste Fähre, die von Italien nach Cesme (Westtürkei) fuhr. Zweieinhalb Tage den italienischen Stiefel runter und durch den Peleponnes. Von Cesme aus war es dann noch einmal fast eine Tagesreise nach Adrasan, einem kleinen, idyllisch an einer einsamen Bucht gelegenen Dorf, etwa hundert Kilometer südlich von Antalya.

Korona der Extraklasse | Sofi ganz nah: Eine außergewöhnlich helle und weit ausgedehnte Korona beeindruckte die Beobachter.
Schon in den letzten Tagen vor der Finsternis konnten alle, die auf das Pferd Türkei gesetzt hatten, die Hiobsbotschaften auf Astrowetter.com lesen: 'Dramatischer Modellschock – Türkei unter Wolkenschleppe', hieß es da. 'Nur ruhig Blut', dachte ich, denn schließlich war der Himmel, unter dem ich gerade auf der Fähre dahintuckerte, stahlblau. Auch die Nacht vor der Finsternis, die ich bereits in Adrasan verbrachte, war vom Seeing her exzellent. Also bauten wir unsere Gerätschaften am nächsten Morgen in aller Ruhe auf. Endlich mal eine Finsternis, bei der keine Hektik wegen den unsicheren Wetterlage angesagt war oder wo man schon in aller Frühe auf den Beinen sein musste – quasi eine Finsternis für Faule! Zumal Antalya flugtechnisch sehr nahe an Europa liegt und viele Finsternisjäger anlockte.

Diamanten am Himmel | Diamanten am Himmel: Protuberanzen sorgen am Sonnenrand für rötliche Schmuckstücke.
Doch zurück zum Wetter: Der Tag begann, wie die Nacht zuvor geendet hatte – klar! Pünktlich um 12.36 Ortszeit knabberte der Mond das erste Stückchen aus der wie zur Feier des Tages mit drei Sonnenflecken verzierten Sonnenscheibe. Parallel dazu verdichtete sich das Wolkenpaket hinter der westlich von uns liegenden Gebirgskette. Je weiter der Mond die Sonnenscheibe verdunkelte, umso höher schienen sich die Wolken hinter der Gesteinsbarriere aufzutürmen, ja schienen manchmal wie in einem Topf kochender Milch überzuschäumen. Doch um es vorweg zu nehmen: Der Damm hielt! Lediglich einige kleinere Schleierwölkchen zogen unterhalb der Sonne vorbei, konnten dem Spektakel aber nie wirklich gefährlich werden. Fast vier Minuten Totalität mit einer außergewöhnlich hellen und weit ausgedehnten Korona, mindestens zwei schönen Diamantringen und einigen Protuberanzen konnten alle 'Adrasaner' auf ihrem Finsterniskonto verbuchen."


Schreibt Stephan Fichtner von Astronomie Heute. Und was haben Sie erlebt? Schicken Sie uns Ihre Aufnahmen mit einem kurzen Bericht an redaktion@spektrumdirekt.de. Wir werden sie dann demnächst in einer Bildergalerie vorstellen.

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