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Amazonien: Sojaäcker beschleunigen Regenwaldrodung

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Mechanisierte Landwirtschaft zum Anbau von Soja trägt in zunehmenden Maße zur Abholzung der brasilianischen Regenwälder am Amazonas bei.

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Abholzung in Mato Grosso | Das Anlegen von Sojaplantagen trägt zunehmend zur Abholzung im brasilianischen Regenwald bei (rote Flächen), während der Anteil von Viehweiden prozentual zurückgeht (gelb). Insgesamt fielen zwischen 2001 und 2004 rund 3,6 Millionen Hektar Regenwald der Landwirtschaft zum Opfer – überwiegend für Exportprodukte nach Europa und Nordamerika.
Während früher hauptsächlich Großgrundbesitzer sowie Kleinbauern den Wald mittels Feuer rodeten, um dort Viehweiden anzulegen, dringen nun vermehrt international kooperierende Agrarunternehmen maschinengestützt in den Regenwald vor, um dort in großem Maßstab Sojafelder anzulegen. Das ergab die Auswertung von Satellitenbildern und Stichproben vor Ort der Gruppe um Ruth DeFries von der Universität in Maryland. In den von ihnen untersuchten Jahren zwischen 2001 und 2004 ging mehr als ein Siebtel des Waldverlusts im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso auf das Konto des eiweißhaltigen Viehfutters, während es in den Jahrzehnten zuvor kaum eine derartige Rolle spielte.

Die für den Ackerbau entwaldeten Flächen waren dabei im Schnitt doppelt so groß wie die der neuen Viehweiden, und die Umwandlungsrate war eng an die Entwicklung der Marktpreise für Soja gebunden: In den Jahren mit niedrigem Weltmarktpreis lag sie deutlich niedriger als in der Saison 2003/04, als Höchstpreise für das Futtermittel bezahlt wurden. Insgesamt nahm die landwirtschaftlich genutzte Fläche im brasilianischen Amazonasraum zwischen 2001 und 2004 um 3,6 Millionen Hektar zu – vornehmlich entlang neuer Straßen und im Umfeld bereits bestehender Sojafelder.

Auf Grund der hohen Umwandlungsrate befürchten die Forscher nicht nur Verluste bei der Artenvielfalt, sondern zusätzlich einen noch höheren und schnelleren Kohlendioxid-Ausstoß als bei der Brandrodung für Viehweiden. Für Sojaäcker werden auch die Wurzeln der Bäume aus der Erde gerissen, damit die Flächen für Maschinen befahrbar sind. Die Biomasse jeder neuen Fläche wird letztlich in mehreren Schritten verbrannt und das darin gebundene Kohlendioxid freigesetzt. In den letzten Jahren ist die Abholzung wegen verschärfter Gesetze etwas zurückgegangen, sie könnte jedoch bei steigender Nachfrage nach Soja jederzeit wieder aufflammen. Große Abnehmer und Endkonsumenten wie McDonald's haben sich allerdings freiwillig dazu bereit erklärt, die nächsten beiden Jahre auf Soja von neu gerodeten Regenwaldflächen zu verzichten.
05.09.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05.09.2006

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