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Psychotherapie: Sollte mein Therapeut mir ähnlich sein?

Psychotherapie wirkt besser, wenn man sich dem Behandler nahe fühlt – oberflächliche Gemeinsamkeiten spielen dafür aber wohl keine große Rolle.
Chronisches Erschöpfungssyndrom

Sollten Frauen lieber zu Psychotherapeutinnen gehen statt zu männlichen Kollegen, ältere Patienten besser zu Behandlern mit größerer Lebenserfahrung? Und macht es für den Erfolg des Verfahrens einen Unterschied, ob Therapeut und Klient einen ähnlichen sozioökonomischen Hintergrund haben? Das versuchte ein chilenisches Forscherteam in einer neuen Studie herauszufinden.

Die Psychologen um Alex Behn von der Päpstlichen Katholischen Universität in Santiago de Chile untersuchten 547 Klienten und 28 Therapeuten, die im Rahmen einer ambulanten Psychotherapie zusammengefunden hatten. Die Vermittlung erfolgte durch ein Gesundheitszentrum vor Ort – die Patienten wurden dabei nicht nach ihren Wünschen gefragt, sondern zufällig einem Behandler zugeteilt. Die Therapeuten arbeiteten mit verschiedenen Verfahren, darunter sowohl Verhaltenstherapie als auch psychodynamische und systemische Ansätze.

Ab der zweiten Sitzung füllten die Klienten jedes Mal einen Fragebogen aus, der die Qualität der Beziehung zwischen ihnen und dem Therapeuten erfassen sollte, mit Statements wie »Ich spüre, dass mein/e Therapeut/in mich schätzt« oder »Mein/e Therapeut/in und ich arbeiten auf Ziele hin, über die wir uns einig sind«.

Die Qualität der therapeutischen Beziehung nahm nach der zweiten Sitzung im Durchschnitt erst einmal ab. Mit der Zeit besserte sie sich aber wieder und überstieg ab dem sechsten oder siebten Treffen das Ausgangsniveau. Ob sich Klient und Therapeut in einem der untersuchten Merkmale ähnlich waren, spielte hierfür keine Rolle. Allerdings schien es vorteilhafter zu sein, wenn die Therapeuten sich in einer etwas jüngeren Altersgruppe befanden als die Klienten. Auch wenn die Behandler ökonomisch bessergestellt waren als ihre Schützlinge, kam das der therapeutischen Beziehung zugute.

Die psychische Gesundheit der Probanden wurde nur am Anfang erfasst, der Ausgang der Therapie floss also nicht in die Analyse ein. Wie Patienten die Allianz mit ihrem Therapeuten einschätzen, hat sich jedoch schon in zahllosen Studien als einer der wichtigsten Faktoren für den Behandlungserfolg entpuppt. Die Ähnlichkeit der demografischen Daten hat diesen Ergebnissen zufolge aber darauf keinen Einfluss. In früheren Studien wurde beispielsweise untersucht, ob es günstig ist, wenn Therapeut und Klient derselben Ethnie angehören – auch hier fanden sich damals keine Vorteile für die therapeutische Beziehung und den Behandlungserfolg.

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