Sonne aktuell: Rückblick und Prognose: Viel Aktivität trotz rückläufigen Trends

Im Juli war die Sonne erstaunlich aktiv, zumindest hinsichtlich der Fleckenhäufigkeit. Eine Ausnahme bildete die dritte Woche des Sommermonats, in der relativ wenige Flecken zu sehen waren. Die RelativzahlR lag geringfügig unter dem Niveau der beiden Vormonate: Das Beobachternetz der Fachgruppe Sonne der deutschlandweiten Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS) ermittelte für den Juli einen vorläufigen Wert von R = 83,6, nach 102,1 im Juni sowie 102,0 im Mai dieses Jahres. Dem stand eine geringe Eruptionstätigkeit gegenüber. Es gab nur drei Ausbrüche (englisch: flares) der zweitstärksten Kategorie M: am 7., am 26. und am 30. Juli 2026.
Zu Monatsbeginn wartete die Sonne mit zwei sehr ansehnlichen Fleckengruppen auf (siehe »Ansehnlicher Auftakt«). In der zweiten Monatshälfte waren stets vier bis acht Fleckengruppen gleichzeitig auf der Sonnenscheibe zu sehen, viele davon mit kräftigen Penumbren. Dies erklärt zwar die immer noch stattliche Relativzahl, zeigt aber sogleich ihre begrenzte Aussagekraft auf, was den Zustand der Sonnenaktivität insgesamt angeht. So waren mehrere Fleckengruppen im inaktiven Endstadium ihrer Entwicklung angekommen, mit jeweils nur wenigen Einzelflecken.
Diese Übersichtsaufnahme zeigt die Sonne mit den beiden großen Fleckengruppen AR 4478 (unten) und AR 4479 (rechts oben). Sie gelang Heiko Ulbricht am 2. Juli 2026 mit einer Astrokamera des Typs ZWO ASI 183MM an einem Maksutow-Newton-Teleskop mit 15 Zentimetern Öffnung (f/6). Ferner nutzte er Baader-Solar-Fotofolie und einen Kontinuumfilter für den grünen Spektralbereich.
Am 20. Juli überraschte ein Fleck, der in weniger als 48 Stunden zu einer komplexen Gruppe heranwuchs, gleich in zweierlei Hinsicht. Einerseits war beachtlich, wie schnell die Gruppe eine bipolare Struktur mit Penumbren ausbildete, denn normalerweise dauert diese Entwicklung drei bis fünf Tage (siehe »Rasanter Start«). Andererseits geht ein solcher Blitzstart gewöhnlich mit starken Flares einher, die hier jedoch ausblieben. Die noch junge Gruppe kreuzte am 21. Juli den zentralen Bereich der Sonnenscheibe. Wäre zu dieser Zeit ein intensiver Flare ausgebrochen, hätten die anschließend ins Weltall geschleuderten magnetisierten Plasmawolken unsere Satelliten und Stromnetze schädigen können. Doch glücklicherweise kam es anders: Nur Ereignisse der drittstärksten Klasse C wurden in größerer Zahl registriert. Somit bietet dieser Fall einen weiteren Hinweis auf bereits geschwächte Magnetfelder, die den Abstieg in das Minimum begleiten.
Während des gesamten Monats lohnte sich der Blick auf Protuberanzen im Spektralbereich der roten Wasserstofflinie H-alpha (siehe »Filamente und aktive Chromosphäre«). Mit einem engbandigen Spezialfilter zeigten sich Protuberanzen in unterschiedlichen Ansichten: Über dem Sonnenrand leuchteten sie als Gaswolken mit feinen Verästelungen; vor der Sonnenscheibe erschienen sie als schmale, dunkle Filamente. Protuberanzen werden von relativ ruhigen Magnetfeldern gestützt, entstehen daher bevorzugt außerhalb der aktiven Regionen und lassen sich deshalb sogar in inaktiven Phasen der Sonne beobachten.
Am 29. Juli 2026 waren im Spektralbereich der H-alpha-Linie dunkle Filamente und hellere aktive Gebiete zu sehen. Für diese Aufnahme nutzte Michael Schmidt einen Sonnenrefraktor des Typs Sky-Watcher Heliostar mit 100 Millimetern Objektivdurchmesser sowie eine Astrokamera Player One Apollo M428 Max.
Auch im gewohnten weißen Licht sind weiterhin spannende Entwicklungen verfolgen. Mit einem kleinen Teleskop können Sie Fleckengruppen beobachten, indem Sie das Sonnenbild auf einen weißen Karton projizieren. Wir halten Sie auf dem Laufenden. Aber nehmen Sie – mit geeigneten Maßnahmen zum Schutz der Augen – unser Zentralgestirn gerne selbst in den Blick.
In den kommenden Monaten wird die Sonnenaktivität leicht abnehmen. Dargestellt ist der Verlauf der Relativzahl gemäß der seit dem 1. Juli 2015 international gültigen Zählweise des Solar Influences Data Analysis Center (SIDC).
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