Sonne aktuell: Rückblick und Prognose: Riesenflecken im Fokus

Wie schon im Frühjahr, so zeigte uns die Sonne im ersten Sommermonat erneut zwei verschiedene Gesichter: Vielerorts waren die Flecken relativ klein und kurzlebig, und es gab nur vier nennenswerte Eruptionen (englisch: flares), je zwei am 21. und am 30. Juni 2026. Sie gehörten der zweitstärksten Klasse M an. Die abnehmende Häufigkeit solcher Ereignisse ist typisch für die insgesamt rückläufige Aktivität auf dem Weg zum Minimum.
Punktuell verhielt sich die Sonne jedoch wie zu Zeiten des Maximums. So erschienen in der letzten Juniwoche zwei große, komplexe Fleckengruppen. Damit verblieb die auf den gesamten Monat bezogene Relativzahl auf dem vorherigen Niveau: Die Fachgruppe Sonne der deutschlandweiten Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS) ermittelte für den Juni einen vorläufigen Wert von 102,1, geeicht nach der international gültigen Zählweise des Solar Influence Data Analysis Center (SIDC) in Belgien. Im Mai lag die Relativzahl bei 102,0, im April nur bei 85,7. Viel Abwechslung brachte die Sonnenbeobachtung in der letzten Juniwoche, als die Passage der beiden großen Fleckengruppen verfolgt werden konnte, wobei unseren Lesern schöne Fotos gelungen sind (siehe »Riesige Aktivitätsgebiete«).
Am 29. Juni 2026 nahm Michael Schmidt die Sonne mit ihren großen Flecken im Weißlicht auf (oben). Dafür nutzte er ein Teleobjektiv des Typs Sigma 600mm mit 1,4-Fach-Konverter und eine Kamera Leika SL3. Drei Tage zuvor gelang Roby Kieffer eine Aufnahme im Spektralbereich der H- und K-Linien des ionisierten Kalziums (Ca II), die im nahen UV liegen (unten). Hier verraten sich bevorzugt die hellen Fackelgebiete aktiver Regionen: magnetisch erhitztes Plasma in der obersten Schicht der Sonnenfotosphäre. Zum Einsatz kamen ein Sonnenrefraktor des Typs Lund LS 60T mit Ca-II-Filter und eine Astrokamera ZWO ASI 1600MM.
Auch im weiteren Verlauf des Jahres dürfen wir interessante Episoden der Sonnenaktivität erwarten, mit einigem Auf und Ab. Selbst ein Flare der stärksten Klasse X ist noch möglich, aber die ruhigen Phasen dauern allmählich länger. Dieser Abstieg der Sonnenaktivität wird noch einige Jahre andauern.
Der deutsche Astronom Gustav Spörer (1822–1895) und sein britischer Kollege Richard C. Carrington (1826–1875) entdeckten, dass die Fleckentätigkeit im Lauf eines Aktivitätszyklus einem charakteristischen Muster folgt: Zu Beginn des Zyklus treten kleine Flecken abseits des Sonnenäquators auf, also bei hohen nördlichen beziehungsweise südlichen heliografischen Breiten. Im weiteren Verlauf nähern sich die aktiven Zonen dem Sonnenäquator an. Dieses Verhalten wird auch als spörersches Breitenwanderungsgesetz bezeichnet. So sollten bereits in etwa drei Jahren in hohen Breiten die ersten kleinen Flecken des kommenden Zyklus erscheinen, während die letzten Flecken des aktuellen Zyklus äquatornah auftreten.
Bei der Unterscheidung der Flecken nach neuem und altem Zyklus hilft ein Blick auf die magnetisch codierten Bilder des Solar Dynamics Observatory (SDO) der NASA (sdo.gsfc.nasa.gov/data), denn die magnetische Polarität aller Gruppen wechselt mit jedem neuen Zyklus. Diesen Zusammenhang entdeckte der technisch versierte und einflussreiche US-amerikanische Astronom George Ellery Hale (1868–1938) vor rund einem Jahrhundert. Der Abstieg der Sonnenaktivität in das Minimum ist also interessanter, als man zunächst erwarten würde. Mit einem kleinen Teleskop und geeigneten Maßnahmen zum Schutz der Augen können Sie die Entwicklung auch selbst verfolgen. Die Fachgruppe Sonne der VdS hilft mit technischen Ratschlägen und wertet zugesandte Beobachtungen aus. Bleiben Sie also am Ball!
In den kommenden Monaten wird die Sonnenaktivität leicht abnehmen. Dargestellt ist der Verlauf der Relativzahl gemäß der seit dem 1. Juli 2015 international gültigen Zählweise des Solar Influences Data Analysis Center (SIDC).
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