Sonneneruption: Gibt es zum Wochenende Polarlichter?

Am 30. Juni 2026 kam es auf der Sonne zu einer starken Eruption, einem sogenannten Flare. Bei diesem Ausbruch, der zur stärksten Klasse X gehört, wurde eine große Menge an heißem Gas von der Sonne in den Weltraum abgestoßen, es kam demnach zu einem koronalen Materieauswurf, einer Coronal Mass Ejection (CME). Dabei entweichen Milliarden Tonnen an Gas von der Sonne, die sich mit mehreren Hundert Kilometern pro Sekunde durch den interplanetaren Raum bewegen.
Derzeit ist noch nicht gesichert, ob dieses elektrisch geladene Gas die Erde trifft oder eher nur am Rande streift. Derzeit geht die US-amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die das Geschehen auf der Sonne überwacht und Warnungen ausspricht, eher von einer mäßigen Anregung unseres Erdmagnetfelds aus. Nach den aktuellen Modellen des NOAA/Space Weather Prediction Center (SWPC) wird die Stoßfront eines CMEs die Erde am 3. Juli streifen. Für diesen Tag wird ein moderater geomagnetischer Sturm vorhergesagt, für den 4. Juli nur ein schwacher. Ob und in welchem Ausmaß Mitteleuropa betroffen wäre, bleibt allerdings offen und hängt stark von der exakten Einschlagsrichtung und dem lokalen Magnetfeldverlauf ab.
Sonneneruptionen werden je nach ihrer maximalen Intensität den Strahlungsklassen A, B, C, M und X zugeordnet. CMEs machen sich als Flares im elektromagnetischen Spektrum vom Radio- bis in den Röntgenbereich bemerkbar. Jede dieser Klassen ist mit den Ziffern 1 bis 10 nochmals unterteilt. Ein Flare mit der Bezeichnung X10 ist das stärkste Röntgenflare, der Ausbruch vom 30. Juni wurde als X1.1-Flare klassifiziert.
Trifft die von der Sonne ausgeworfene Materie auf das Erdmagnetfeld, so wird dieses zusammengedrückt und verformt. Zudem können in der Nähe der magnetischen Pole die geladenen Sonnenpartikel auf die obersten Schichten der Erdatmosphäre treffen und dort Sauerstoff und Stickstoff zum Leuchten im visuellen Bereich anregen – ein Polarlicht entsteht, das meist grün oder rot erstrahlt. Derzeit sind allerdings die Bedingungen, Polarlichter zu sichten, eher schlecht, denn dafür wird ein dunkler Himmel benötigt. Im Hochsommer wird es in unseren Breiten nur für wenige Stunden wirklich dunkel und in Norddeutschland herrscht derzeit Mitternachtsdämmerung. Daher müssen die angeregten Polarlichter weit in den Süden ausgreifen, um gut verfolgt werden zu können. In den klassischen Polarlichtregionen im hohen Norden wird es gar nicht richtig dunkel, jenseits des Polarkreises leuchtet die Mitternachtssonne vom Himmel.
Daher wäre es ein großes Glück, wenn sich in den kommenden Tagen tatsächlich Polarlichter sichten ließen. Derzeit befinden sich auf der Sonne zwei große Fleckengruppen, die mit einer geeigneten und intakten (!) Sonnenfinsternisbrille sogar mit dem bloßen Auge sichtbar sind. Die Eruption am 30. Juni ging von der oberen Gruppe mit der Nummer 4479 aus. Darunter befindet sich die Gruppe 4478, die bislang kaum eruptive Aktivität zeigt, was sich allerdings jederzeit ändern kann. In wenigen Tagen werden beide Gruppen durch die langsame Rotation der Sonne (etwa 28 Tage) aus unserem Blickfeld verschwinden.
An diesem Datum zierten gleich zwei große Sonnenfleckengruppen unser Tagesgestirn: oben die Gruppe AR 4479 und die Gruppe AR 4478 (AR steht für aktive Region). Von AR 4479 ging am 30. Juni 2026 eine kräftige Eruption, ein sogenannter Flare, aus. Die von ihm ausgeworfene Materie könnte die Erde zumindest streifen und für Polarlichter bei uns sorgen. Das Bild nahm Michael Schmidt vom Burgenland in Österreich auf.
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