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Geophysik: Sonnensturm ließ Funkverkehr zusammenbrechen

Immer wieder schleudert die Sonne große Mengen geladener Partikel ins All. Im September 2017 traf solch ein Auswurf die Erde - und wurde zum Problem für Krisenhelfer in der Karibik.
Sonneneruption

Spätestens seit dem berühmten Carrington-Ereignis im Jahr 1859 hat die Menschheit Angst vor der Sonne: Damals schleuderte unser Zentralgestirn eine geballte Ladung solarer Materie gen Erde. Auf der Nordhalbkugel sorgte der Schwall energiereicher Teilchen für beeindruckende Polarlichter. Weniger schön: In vielen Telegrafenleitungen induzierten die Partikel von der Sonne enorm starke Ströme, was das noch junge Kommunikationsnetz erheblich beschädigte.

Heute hätte ein vergleichbarer Sonnensturm wohl noch drastischere Folgen. Bisher ist die Menschheit davon verschont geblieben, aber kleinere Ereignisse erinnern immer wieder daran, dass diese Gefahr nach wie vor präsent ist. Auf die jüngste Episode dieser Kategorie weisen nun Wissenschaftler im Fachmagazin »Space Weather« hin: Demnach ließ ein Sonnensturm im September 2017 das Funknetz über der Karibik zusammenbrechen – und das ausgerechnet in einer Woche, in der Hilfskräfte auf das Eintreffen mehrerer Hurrikane reagieren mussten.

So feuerte die Sonne zwischen dem 4. und dem 10. September 2017 gleich viermal große Mengen geladener Teilchen und Röntgenstrahlen in Richtung Erde. Die Ereignisse fielen den Forschern zufolge in die fünfstärkste Kategorie »X«. Eine dieser Eruption erreichte die Stärke X-9.3 und war damit der stärkste erdgerichtete Ausbruch seit dem Jahr 2005. In der Folge brachen im September 2017 Funknetze zusammen, über die insbesondere Amateure Hilfsmaßnahmen koordinierten, berichten die Experten. Auch ging der Kontakt zu einem Frachtflugzeug für mehr als eine Stunde verloren.

Betroffen waren vor allem Amateur-Funkgeräte, die über Raumwellen kommunizieren. Anders als direkte Funkübertragungen werden diese Signale in der Ionosphäre reflektiert und können so größere Strecken überwinden. Allerdings treffen auch die Röntgenstrahlen aus Sonneneruptionen die Ionosphäre und deponieren dort viel Energie. Dadurch werden viele der hochfrequenten Funkwellen von den dortigen Molekülen absorbiert. Im September 2017 vergingen nach Eintreffen der Sonneneruptionen Stunden, bis die Kommunikation auf diesem Weg wieder möglich war.

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