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Sonnenwendfeiern: Möglicher Vorgänger von Stonehenge entdeckt

Beim weltberühmten Steinrund in Südengland kamen fast 5000 Jahre alte Gruben zum Vorschein. Archäologen vermuten: Das Wenige, was sich fand, war einmal eine Anlage für Sonnenwendfeiern.
Eine künstlerische Darstellung einer weitläufigen, grünen Landschaft bei Sonnenuntergang. Im Vordergrund sind mehrere Zelte und kleine Gruppen von Menschen zu sehen, die sich auf einer Wiese versammeln. Im Hintergrund erstrecken sich sanfte Hügel und vereinzelte Baumgruppen. Der Himmel ist in warmen Orange- und Gelbtönen gehalten, was eine friedliche und idyllische Atmosphäre schafft.
In Bulford, nordöstlich von Stonehenge, könnten Menschen vor etwa 5000 Jahren die Sonnenwenden gefeiert haben.

Fünf Kilometer von Stonehenge entfernt haben Archäologen die Überreste einer etwa 5000 Jahre alten Anlage entdeckt, die offenbar auf die Sonnenwenden ausgerichtet war. Der Fundort in Bulford sei ungefähr 500 Jahre älter als die bekannte Steinkreis-Architektur von Stonehenge, in die ebenfalls solare Bezüge verbaut sind: Zu den Sonnenwenden lässt sich entlang der Hauptachse von Stonehenge der Sonnenaufgang beziehungsweise der Sonnenuntergang beobachten. Zu den neuen Erkenntnissen ist bislang noch keine begutachtete wissenschaftliche Publikation erschienen; sie sei aber geplant.

Die Fachleute um Phil Harding von der Grabungsfirma Wessex Archaeology teilten in einer Pressemitteilung mit, dass sie in Bulford insgesamt 48 Gruben freigelegt haben. Zwei davon unterscheiden sich jedoch von den übrigen: Ihre Wände waren nicht vertikal, sondern liefen zum Grubenboden hin spitz zu. Sie hatten nach Angaben des »New Scientist« einen oberen Durchmesser von 1,2 Meter, der sich nach unten auf einen halben Meter verjüngte. Zudem waren sie mit Kreideschutt gefüllt. Harding und sein Team deuten diese Gruben, die etwa 120 Meter auseinanderliegen, als Pfostenlöcher. Wie nun Berechnungen ergaben, fiel die Sichtachse zwischen den beiden rekonstruierten Holzpfählen zur Sommersonnenwende im Juni auf die aufgehende Sonne und zur Wintersonnenwende im Dezember auf die untergehende Sonne.

In den übrigen Gruben fanden sich Keramik, Tierknochen, Steinwerkzeuge und Holzkohlereste, die nach Auffassung der Fachleute allesamt von Festen zeugen würden, zu denen zahlreiche Menschen zusammengekommen waren. Eine Radiokohlenstoffdatierung platziert die Funde in die Zeit um 2950 v. Chr.

Als die Anlage von Bulford genutzt wurde, arbeiteten die Menschen der späten Jungsteinzeit bereits auch in Stonehenge. Dazu hoben sie einen runden Graben mit einem Durchmesser von mehr als 100 Metern aus und stellten vermutlich die sogenannten Blausteine auf. Um 2500 v. Chr. arrangierten sie die Anlage neu – und fügten solare Bezüge ein: Sie richteten tonnenschwere Monolithe aus dem Sandstein Sarsen auf und stellten die Blausteine um. Auf der Hauptachse dieser Konstruktion, die durch den Zugang zum Prozessionsweg, der »Avenue«, markiert ist, ließen sich dann die astronomischen Ereignisse zu den Sonnenwenden beobachten. Möglicherweise, so vermuten es Harding und seine Kollegen, gab es auch in der frühesten Phase von Stonehenge eine ähnliche Vorrichtung wie in Bulford, die durch die späteren Arbeiten vollständig abgeräumt wurde.

Messer |

Bei den Grabungen in Bulford kam auch dieses scheibenähnliche Steinmesser zum Vorschein.

Nach Ansicht der Fachleute von Wessex Archaeology könnte in Bulford ein schlichter Vorgänger von Stonehenge gestanden haben. Archäologen hatten an dem Ort zwischen 2015 und 2017 gegraben und die Ergebnisse im Anschluss ausgewertet. Passend zur bevorstehenden Sommersonnenwende am 21. Juni 2026 veröffentlichten sie nun ihre Ergebnisse, denen eine wissenschaftliche Publikation folgen soll.

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