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Astronomie: Verstellt Starlink den Blick ins Universum?

Die vielen Satelliten am Himmel bereiten der Astronomie Sorge. Wie stark Massenkonstellationen wie Starlink den Blick ins Universum inzwischen trüben, zeigen Teleskopbilder.
Megakonstellation aus Satelliten (nicht maßstabsgetreue Illustration)

Mehr als 1900 Starlink-Satelliten befinden sich inzwischen in erdnahen Umlaufbahnen. Und das Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk hat die Erlaubnis, noch mehr als 11 000 weitere ins All zu bringen. Astronominnen und Astronomen befürchten allerdings, dass derartige Megakonstellationen die Arbeit der Observatorien auf der Erde beeinträchtigen. Forscher um Przemek Mróz von der Universität Warschau haben nun für die Zwicky Transient Facility (ZTF) am Palomar-Observatorium in San Diego geprüft, ob und wie stark das Satellitennetzwerk von SpaceX seit 2019 den Blick ins All trübt: So sei die Zahl der Störungen zwar deutlich gestiegen, aber die Aufnahmen selbst seien nur ganz geringfügig beeinträchtigt. Dennoch könnten den Astronomen bedeutende Beobachtungen entgehen.

Das ZTF nimmt alle zwei Tage den gesamten vom Beobachtungsort zugänglichen Nachthimmel im sichtbaren sowie im Infrarotbereich auf. Wie die Wissenschaftler um Mróz im Fachmagazin »The Astrophysical Journal Letters« berichten, durchsuchten sie nun Bilder, die das Teleskop zwischen November 2019 und September 2021 aufgezeichnet hat. Die Satelliten erscheinen auf den Scans als Streifen. Insgesamt 5301 solcher Streifen entdeckten die Forscher. Allerdings traten diese auf den gesamten Zeitraum gesehen nicht gleichmäßig auf. Die Menge der beeinträchtigten Bilder nahm mit der Zahl an Starlink-Satelliten zu, die SpaceX in die nahe Erdumlaufbahn geschossen hat. Fanden sich Ende 2019 nur auf 0,5 Prozent der Aufnahmen Streifen, waren es im August 2021 ungefähr 18 Prozent. Spätestens wenn SpaceX einen Großteil seiner Starlink-Satelliten ins All geschossen hat, dürfte jede Aufnahme beeinträchtigt sein, vermuten die Forscher.

Momentan haben die Satelliten vor allem auf solchen Bildern Spuren hinterlassen, die während der Dämmerung entstanden. Derartige Aufnahmen dienen dazu, Asteroiden unweit der Erde aufzuspüren. Koautor Thomas A. Prince vom Caltech in Pasadena zufolge bestehe zwar eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass die Forscher deshalb einen Asteroiden verpassen würden, »aber verglichen mit dem Einfluss durch das Wetter, etwa wenn der Himmel bewölkt ist, sind das eher kleine Effekte für das ZTF«.

Damit das so bleibt, schlagen die Forscher vor, mit Hilfe einer KI die Bewegungen der Satelliten berechnen zu lassen. So könne die ZTF sie bei seinen Scans vermeiden. Um die Leuchtkraft der Satelliten zu reduzieren, stattet SpaceX zudem seine Geräte seit 2020 mit einem Sonnenschutz aus. Zwar habe sich laut der Gruppe um Mróz dadurch die Helligkeit vermindert, jedoch noch nicht so sehr, wie es im August 2020 auf einer Fachkonferenz mit 250 Teilnehmern gefordert wurde.

Wenn es nach SpaceX ginge, soll Starlink irgendwann einmal noch viel mehr Satelliten umfassen als heute: ungefähr 42 000 Stück. Das Netzwerk will die entlegensten Winkel der Erde mit schnellem Internet versorgen. Dafür ist eine dichte Abdeckung mit Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn nötig.

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