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News: Spätkeltische Grabenanlage am Leibnitzer Frauenberg entdeckt

Eine für Mitteleuropa einzigartige spätkeltische Grabenanlage mit wahrscheinlich kultischer Funktion ist am Frauenberg in der Südsteiermark zu Tage getreten: Unter einem spätantiken Gräberfeld, das laut Grabungsleiterin Ulla Steinklauber selbst schon zu den bedeutendsten des Südostalpenraum zählt, konnte bei den letzten Grabungskampagnen eine wesentlich ältere Anlage entdeckt werden, die der ausgehenden Keltenzeit (La Tene Zeit, ca 1. Jh. vor bis um Christi Geburt) entstammt.
Es handelt sich um einen grabenartigen, in den Fels eingetieften, auf eine Länge von 70 Meter freigelegten, rund drei Meter tiefen und zwei Meter breiten Graben, dessen Boden bis auf 30 cm Höhe mit Tier- und Menschenknochen, Keramik-, Glas- und Metallgegenständen gefüllt war. Die dort deponierten Knochenteile seien speziell ausgewählt worden, so Steinklauber: "Es handelt sich vorwiegend um Schulterblätter, Unterkiefer und vereinzelte Fußwurzelknochen vom Rind, Schwein, Kleinwiederkäuern, aber auch von Pferden und Bibern". Dazwischen wurden auch vereinzelte Menschenknochen, keltische Münzen und Tongefäßstücke gefunden.

"Die geringe Variation der Knochen macht die Interpretation des Knochenmaterials als Siedlungsabfall unwahrscheinlich", so Georg Tiegfengraber und Christoph Grill, die das seit 1996 kontinuierlich ausgegrabene Fundmaterial untersucht haben. Aufgrund der geringen Tiefe hätte die Wallanlage auch nicht zu Verteidigungszwecken dienen können. Im Aussehen dränge sich ein Vergleich mit keltischen Kultplätzen, bzw. Heiligtümern, die bisher nur in Frankreich (z.B. in Gournay) gefunden wurden, auf. Dort diente der Graben zur Aufnahme von Opfergaben, bzw. Opferabfällen, so die beiden Verfasser der ersten Studie.

Die Grabenanlage befindet sich am Gebiet einer Geländeterasse südlich unterhalb des Ortes, dessen Besiedlungsgeschichte bis in die Urnenfelderzeit zurückgeht. Mit der Etablierung der in der Ebene gelegenen römischen Stadtgründung Flavia Solva hat der Siedlungsplatz Frauenberg an Bedeutung verloren, wenn auch die auf dem Berg befindlichen Tempelreste auf einen antiken Wallfahrtsort schließen lassen. Erst mit Zusammenbruch des Römischen Reiches zog die Bevölkerung wieder auf den Frauenberg zurück.

"Die aktuellen Funde aus der La-Tene-Zeit werfen ein klares Licht auf die Zeit unmittelbar vor der römischen Besiedelung und zeigen, daß die Anlage für die keltische Bevölkerung wichtiger war, als wir bisher gedacht haben.", so Landeskonservator Bernhard Hebert.

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