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News: Spenden lohnt sich

'Wer gibt, dem wird gegeben'. So steht es zwar in der Bibel, doch ist damit nicht gesagt, ob man noch zu Lebzeiten vom Geben oder Spenden profitiert. Dass sich Geben für den Geber auszahlt, kann man erwarten, wenn 'eine Hand die andere wäscht': Wenn Hilfe den Geber weniger kostet, als sie dem Nehmenden bringt, können beide gewinnen, solange Hilfe wechselseitig zwischen denselben Personen ausgetauscht wird. Für diesen so genannten 'reziproken Altruismus' gibt es viele Beispiele bei Menschen und Tieren.
Gewinnt man aber auch, wenn man jemandem hilft, von dem man keine Gegenhilfe erwarten kann? Kann man etwa durch Spenden an Not Leidende persönlich in Mark und Pfennig profitieren? "Tue Gutes und rede darüber" oder tue es nur dann, wenn es andere mitbekommen. Die Idee, dass selbstlose Hilfe den "Status" einer Person aufwertet, und dass ein höherer "Geberstatus" Vertrauen und Vorteile in vielen sozialen Situationen nach sich ziehen kann, wird in der Evolutionsbiologie schon seit Jahrzehnten diskutiert, wurde aber bis vor kurzem für unwahrscheinlich gehalten.

Martin Nowak von der University of Oxford und Karl Sigmund von der Universität Wien publizierten 1998 ein mathematisches Evolutionsmodell, welches belegt, dass es sich lohnen kann, einen höheren "Geberstatus" zu haben. Ist das nur "graue Theorie", oder verhalten sich Menschen tatsächlich so?

In der Science-Ausgabe vom 5. Mai 2000 berichten Claus Wedekind von der University of Edinburgh und Manfred Milinski vom Max-Planck-Institut für Limnologie in Plön über ein Experiment mit 80 Studenten und Studentinnen, das Nowak und Sigmunds theoretische Voraussagen bestätigt: Jeweils zehn Studenten saßen für eine Stunde zusammen in einem Raum und wurden einzeln gefragt, ob sie einem zufällig bestimmten anderen Gruppenmitglied 2,50 DM geben wollen. War die Antwort "Ja", wurde dem Geber dieser Betrag vom Konto abgezogen, und der Empfänger erhielt 5 DM (damit Hilfe mehr bringt, als sie kostet). Man spielte 60 solcher Geber-Nehmer-Episoden durch, so dass jede der zehn Personen insgesamt sechs Mal sowohl in der Geber- als auch in der Nehmerrolle an die Reihe kam.

Theoretisch konnte jemand, der nie gab, aber immer etwas erhielt, 30 DM "verdienen". Die Studenten wussten, dass sie nie auf dieselbe Person mit vertauschten Rollen treffen würden, also nicht auf direkte Rückerstattung der Hilfe hoffen konnten – Reziprozität war somit ausgeschlossen. Um ebenso auszuschließen, dass der tatsächliche persönliche Status der Studenten bei der Entscheidung, zu geben, eine Rolle spielte, trieben Milinski und Wedekind einen großen Aufwand, das Experiment zu anonymisieren: Die Studenten erhielten Pseudonyme und teilten ihre Entscheidungen über verdeckte Schalter mit. Der Geberstatus jedes Mitspielers wurde für alle sichtbar unter seinem Pseudonamen an einer Tafel aufgelistet und nach jedem Zug aktualisiert. So konnte etwa jemand unter seinem Pseudonamen vier Mal "Ja" und einmal "Nein" stehen haben (für vier Mal gegeben und einmal nicht gegeben haben).

Der potentielle Spender, der dieser Person nun zugewürfelt wurde, musste entscheiden, ob er ihr 2,50 DM von seinem Konto spendet. Alle wussten, dass auch nach dem Spiel die Anonymität – auch bei Spielleitern und bei der Auszahlung – gewahrt bleiben würde. Ergebnis: Die Studenten waren eher bereit, zu geben, wenn der potentielle Empfänger einen höheren Geberstatus hatte. Vor allem solche Spieler, die selten spendeten, gaben nur dann, wenn der potentielle Empfänger einen sehr hohen Geberstatus hatte.Menschen sind also eher bereit, anderen Menschen etwas zu geben, die einen hohen Spenderstatus haben – so kann Spenden tatsächlich auch für den Geber profitabel sein.

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