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News: Spinne fürs Herz

Beim Anblick einer fetten Spinne bleibt so manchem das Herz stehen. Doch gerade für das Herz können die ungeliebten Tiere auch nützlich sein. Das Gift einer Vogelspinne unterdrückt gefährliches Vorhofflimmern.
Tagein, tagaus schlägt es unermüdlich seinen Rhythmus. Mit einer Frequenz von etwa 70 Schlägen pro Minute pumpt unser Herz das Blut durch die Adern. Lebensbedrohlich wird es, wenn dieser Rhythmus versagt. Beim so genannten Vorhofflimmern gerät die Vorkammer aus dem Takt der Hauptkammer und schlägt unregelmäßig. Der gesamte Herzmuskel zuckt nur noch hilflos, der Blutkreislauf bricht zusammen. Bei etwa fünf Prozent der über 65-Jährigen treten solche gefährlichen Situationen auf. Meist findet das Herz seinen Rhythmus wieder, doch durch den unregelmäßigen Blutfluss bilden sich oft Blutgerinnsel, die im Gehirn wiederum einen Schlaganfall auslösen können.

Ionenkanäle spielen bei der Erregungsweiterleitung über den Herzmuskel eine wichtige Rolle. Auf der Suche nach chemischen Substanzen, die diese Kanäle beeinflussen, begab sich Frederick Sachs von der State University of New York in Buffalo zusammen mit Frank Bode und Michael Franz von der Georgetown University in Washington in das Reich der Tiere. Fündig wurden sie bei der Chile-Vogelspinne Grammostola spatulata. Ihr Gift enthält ein Peptid namens GsMtx-4, das bestimmte Ionenkanäle für Calcium, Natrium und Kalium blockiert. Die Wissenschaftler setzten das Gift bei Herzmuskeln von Kaninchen ein. Mit Erfolg: Das Vorhofflimmern setzte aus. Den Herzschlag der Hauptkammer unterdrückte GsMtx-4 dagegen auch bei zwanzigfacher Dosis nicht, sodass das Herz normal weiter schlagen konnte (Nature vom 4. Januar 2001).

"Zuerst glaubte ich nicht an seriöse Wissenschaft, weil das Ergebnis zu gut war", erinnert sich Sachs. Peptide wie das Spinnengift können jedoch nicht ohne weiteres als Medikament eingenommen werden, da die Verdauungsenzyme des Körpers sie sofort abbauen. Dennoch gibt sich Sachs optimistisch: "Unsere Ergebnisse zeigen den Weg für die Entwicklung einer neuen Klasse von Medikamenten."

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