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Toxikologie: Spinnen und Chilischoten kämpfen mit den gleichen Waffen

Vogelspinnen und Chilischoten wehren sich auf ähnliche Weise gegen Fraßfeinde. Im Gift der Vogelspinnenart Psalmopoeus cambridgei aus Westindien haben Forscher Moleküle entdeckt, die Wirkstoffen aus der Chili-Pflanze ähneln. Bei Mäusen lösten die Gifte ein scharfes Brennen und Entzündungen aus – und zwar über den gleichen Mechanismus, der manche Chilischoten auf der Zunge brennen lässt.

Das Spinnengift reize drei Peptide die gleichen als Hitzesensoren bekannten Sinneszellen, die auch das Gift Capsaicin anregt. Diese Substanz ist für die Schärfe des Chilis verantwortlich ist. Die Wirkstoffe von Spinnengift und Chili docken zudem an die gleichen "TRPV1"-Rezeptoren auf der Zelloberfläche an, berichten die Forscher um David Julius von Universität von Kalifornien in San Francisco.

Bisherige Forschungen hatten sich auf jene Gifte konzentriert, mit denen Vogelspinnen ihre Opfer töten. Diese wirken, indem sie Sinneszellen der Opfer blockieren. Das nun entdeckte Schmerzgift blockiert die Zellen nicht, sondern regt sie an. Möglicherweise entstanden Toxine, die Schmerz- und Hitzerezeptoren ansprechen, bei einer Vielzahl von Spinnen, spekulieren die Forscher, denn auch das Gift einer zweiten Spinnenspezies aktivierte den TRPV1-Rezeptor.
10.11.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 10.11.2006

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