Naturtherapie: Wie wirken Aufenthalte im Grünen auf die Seele?

Aufenthalte in der Natur sind gut für die Psyche – daran besteht wissenschaftlich kein Zweifel. Werden sie gezielt in die Psychotherapie integriert, spricht man auch von Natur- oder Ökotherapie. Doch wie genau kommt der Kontakt mit Wäldern, Seen und Bergen der psychischen Gesundheit zugute? Dieser Frage gingen die Psychologen Minwoo Kang und Terry Hanley von der University of Manchester in einer aktuellen Übersichtsstudie nach.
Die beiden Psychologen konzentrierten sich dabei auf spirituelle Erfahrungen, die Menschen in der Natur machen. Zum einen, weil die Verbindung von Spiritualität und psychischem Wohlbefinden gut belegt ist, zum anderen, da »transzendente« Erlebnisse in der Natur häufiger vorkommen.
Die Auswertung umfasste 14 bereits publizierte Studien, in denen das Thema jeweils qualitativ untersucht wurde, etwa durch die Zusammenfassung von Interviews, Aussagen in Fokusgruppen und schriftlichen Berichten über Momente während einer Ökotherapie, die Teilnehmende als spirituell bezeichnet hatten. Die untersuchten Verfahren reichten von klassischer Therapie beim Waldspaziergang bis zu Abenteuerprogrammen und künstlerischen Formaten.
Forscher identifizierten drei häufig berichtete Arten von Erlebnissen: Die Versuchspersonen wurden sich etwa des Kreislaufs von Leben und Sterben und natürlicher Prozesse bewusst, sie erlebten Ehrfurcht angesichts der Natur oder sprachen von einem Einswerden mit der Umwelt. Nicht selten sagten Probandinnen und Probanden jedoch auch, etwas Spirituelles empfunden zu haben, diese Gefühle aber nicht näher beschreiben zu können.
Bezogen auf die therapeutische Wirkung solcher Erfahrungen arbeiteten die Psychologen ebenfalls drei wiederkehrende Themen heraus: Demnach fällt es Menschen in der Natur häufig leichter, sich selbst samt Fehlern und Schwächen zu akzeptieren, und sie können sich einfacher von der Vergangenheit und erlebten Verletzungen lösen. Die spirituellen Erlebnisse führten außerdem häufig dazu, dass die Teilnehmenden wieder mehr Hoffnung verspürten und in der Lage waren, neue Entschlüsse zu fassen und Ziele zu formulieren.
Spirituelle Erfahrungen treten beim intensiven, bewussten Kontakt mit der Natur häufig spontan auf, so die Schlussfolgerung der Forscher. Im Rahmen von Outdoor-Therapien, »Waldbaden« & Co könnten sie einen wichtigen Beitrag zur Heilung leisten.
Einschränkend merken sie allerdings an, dass ihre Erkenntnisse auf Studien basieren, in denen sehr unterschiedliche Behandlungsansätze getestet wurden. Zudem sei es hochindividuell, was Menschen als spirituelles Erleben bezeichnen und was nicht. Hinzu kommt: Die qualitative Anlage der Studien erlaubt zwar einen vertieften Einblick in subjektive Erfahrungen, schränkt aber die Möglichkeit ein, allgemeingültige oder quantifizierbare Aussagen über deren therapeutischen Effekt zu treffen.
Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.