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Arktis als Kriegsschauplatz: Es knirscht bereits im ewigen Eis

In Nordnorwegen trainiert die NATO aktuell ihre Abwehrbereitschaft gegen einen Angriff im Hohen Norden. Gefürchtetes Szenario: ein russischer Überraschungscoup auf Spitzbergen, denn in der arktischen Inselgruppe haben sowohl Russland als auch die NATO ihre vielleicht empfindlichste Stelle. Warum, verrät der Blick in die Geschichte.
Eine Person in Tarnkleidung kniet im Schnee und blickt durch ein Fernglas, das auf einem Stativ montiert ist. Im Hintergrund sind weitere Personen und Ausrüstungsgegenstände zu sehen. Die Szene spielt in einer verschneiten, abgelegenen Umgebung. Die Ausrüstung umfasst Taschen und technische Geräte, die auf dem Boden verteilt sind.
NATO-Soldat bei einer Übung im Norden Norwegens. Seit jeher belauern sich die Konfliktparteien im arktischen Raum. Aber wären die Europäer und die USA auch bereit, einen Angriff abzuwehren?

Nach Tagen, in denen ein Sturm aus West den Isfjord aufgewühlt hat, dümpeln heute nur mehr zentimeterhohe Wellen gegen die Ufer Spitzbergens. Um halb sechs Uhr morgens schlummert fast ganz Longyearbyen noch hinter zugezogenen Jalousien. Nur einer der Tour-Guides richtet in aller Frühe sein Equipment und wundert sich: schon wieder kein GPS-Signal. Es passt zu der Unruhe, die die Bewohner Longyearbyens die letzten Tage spüren konnten. Irgendetwas ist nicht wie sonst.

Immer öfter war der Hauptort der Inselgruppe in den russischen Medien, die Rede ist von angeblichen »Provokationen« gegen die Einwohner Barentsburgs, der russischen Siedlung gut 30 Kilometer südwestlich von hier. Norwegen würde Russlands Rechte beschneiden und den Spitzbergen-Vertrag von 1920 brechen. Man müsste längst handeln. »Notwehr« nennen es die Kommentatoren in den russischen Zeitungen.

Den kleinen Trupp Speznas kann der Tour-Guide von seiner Warte am Schiffsanleger gar nicht sehen. Die russischen Spezialeinheiten sind nachts in den Bergen mit Fallschirmen gelandet. Ohne dass es jemand bemerkt, queren sie die Rollbahn des Flughafens und dringen ins Terminal vor. Nicht ein Anruf gelangt nach draußen, dann hisst einer der Männer eine weiß-blau-rote Fahne.

Währenddessen klopft ein weiterer Trupp Schwerbewaffneter an das Haus des »Sysselmesteren«, wie der norwegische Repräsentant auf der Inselgruppe offiziell heißt. Lars Fause ist der aktuelle Amtsinhaber. Auch er ist überrascht, bleibt aber ruhig. Man sperrt ihn in seinem Büro ein. Seine Residenz, ein kleines Haus unterhalb des alten Kohleförderbandes, wird zum russischen Hauptquartier erklärt.

Im Hafen sieht der Erste Offizier des französischen Kreuzfahrtschiffes »Le Boréal« auf seinem Radar vier Flecken rasch näher kommen. Kurz darauf speien graue Schnellboote Dutzende Soldaten der 61. selbstständigen Marineinfanterie-Brigade an das Ufer. Orlan-10-Aufklärungsdrohnen surren über die Häuser, und vor dem Hafen hebt sich ein Jagd-U-Boot der Akula-Klasse aus dem grauen Wasser.

Ohne einen Schuss ist Longyearbyen, und damit Spitzbergen, in russische Hände gefallen.

Longyearbyen am Isfjord | Die Ortschaft wird von rund 2500 Menschen bewohnt und wäre einem Überraschungsangriff schutzlos ausgeliefert: Der Spitzbergen-Vertrag verbietet allen Nationen, dort militärische Einrichtungen zu errichten.

Ein Angriff auf die Glaubwürdigkeit

Bis vor Kurzem taugte ein solcher Handstreich gegen NATO-Gebiet allenfalls als Plot für einen Actionfilm. Doch seitdem Russland mit seinem Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 die Bereitschaft zur offenen Kriegsführung bewiesen hat, kalkulieren Militärfachleute ihre Bedrohungsszenarien neu. Umso mehr, da nun auch US-Präsident Donald Trump laut über Militäreinsätze in der Polarregion nachdenkt, um den Einflussbereich der Vereinigten Staaten auszudehnen. In diesem Fall bekanntlich über Grönland.

Die Fähigkeiten zu einem solchen Coup hat Russland jedenfalls längst im Repertoire. 2020 übten russische Spezialkräfte beispielsweise den Absprung aus großer Höhe über der Arktisinsel Nowaja Semlja. Ziel: einen Brückenkopf für das Eintreffen regulärer Einheiten zu errichten. Bei der Großübung Sapad 2025 trainierten russische und weißrussische Einheiten in der Barentssee unter anderem amphibische Landeoperationen an den Küsten des Nordmeers. Westliche Sicherheitsfachleute beobachten seit Jahren, wie Russland seine arktischen Streitkräfte immer weiter ausbaut und modernisiert.

Und auch die NATO erprobt aktuell den Kampf in Schnee und Eis: Seit dem 9. März 2026 läuft in Nordnorwegen die Übung »Cold Response«, an der zehn Tage lang rund 25 000 Soldatinnen und Soldaten aus 14 Ländern teilnehmen werden, darunter 4000 Teilnehmer aus den USA. Auch eine Abordnung aus Deutschland ist dabei. Turnusgemäß hätte die für alle zwei Jahre angesetzte Übung zwar ohnehin stattgefunden, angesichts des Streits zwischen den USA, Dänemark und der NATO um die Zukunft Grönlands wurde sie aber kurzerhand zum Teil von »Arctic Sentry« erklärt: jener Mission, mit der das Bündnis erhöhte Wachsamkeit und Abwehrbereitschaft im hohen Norden demonstrieren will.

Ebendiese Entschlossenheit könnte Russland mit einer Aktion wie eingangs beschrieben auf die Probe stellen: Wäre die NATO wirklich bereit, wegen einer Insel, die mehr Eisbären beherbergt als Menschen, einen offenen Konflikt mit Wladimir Putin auszufechten? Wäre es Donald Trump? Ein für alle offensichtliches Nein würde die Glaubwürdigkeit der NATO-Beistandsverpflichtung und damit das Abschreckungspotenzial des Bündnisses massiv aushöhlen.

Genau das sei ein langfristiges Ziel des Kreml, schrieb bereits 2018 der Sicherheitsexperte James Wither, damals Professor für Nationale Sicherheitsforschung am US-Verteidigungsministerium. Auf Spitzbergen, der »Achillesferse der NATO«, könnte dies Russland am ehesten gelingen.

Die »kalte Küste« war von Anfang an einladend

Tatsächlich ist die kleine Inselgruppe nicht erst ins Blickfeld geraten, seit Russland sein kaltes Herz wiederentdeckt hat. Von der Entdeckung des Archipels an trugen Staaten ihre Interessenkonflikte dort oben aus. Es ist eine Geschichte des Wer-zuerst-kommt-mahlt-zuerst, des Sich-in-Stellung-Bringens und eines gegenseitigen Übervorteilens.

Spitzbergen ist auch unter dem Namen Svalbard bekannt und umfasst zwei größere Eilande – die Hauptinsel Spitzbergen und Nordostland – sowie mehr als 400 kleinere, insgesamt rund 61 000 Quadratkilometer. Damit ist es gut doppelt so groß wie Belgien. Hier grenzen Grönlandsee, Barentssee und Europäisches Nordmeer aneinander. 240 Kilometer südlich der Hauptinsel liegt noch die Bäreninsel. Das ist ein wichtiges Detail für das Verständnis der strategischen Lage Spitzbergens. Denn durch die Lücke zwischen der Bäreninsel und dem Nordkap muss ein U-Boot schlüpfen, wenn es von Russland in den Atlantik möchte. Die flache Barentssee wird dann zum tieferen Nordatlantik.

Wann Menschen Spitzbergen erstmals auf dem Schirm hatten, ist unklar. Gerade Norwegen betont gerne, dass bereits Wikinger das Archipel erreicht haben könnten. Reisebeschreibungen aus der Zeit verweisen auf eine »kalte Küste«, norwegisch »Svalbard«. Diesen etwas dünnen Beleg hat Norwegen geschickt zu nutzen gewusst, um sich als Schutzmacht des Archipels zu etablieren.

Andererseits gibt es auch Hinweise, dass sich Jäger aus dem heutigen Russland schon sehr früh über die Barentssee nach Spitzbergen aufmachten. Angehörige der Pomoren, einer ethnischen Gruppe aus der Küstenregion des Weißen Meers, hatten es auf die Pelze von Polarfuchs, Eisbär und Robbe abgesehen und über Jahrhunderte weitgehend unter dem Radar auf Spitzbergen gelebt. Noch heute findet man russisch-orthodoxe Kreuze und Relikte ihrer Unterkünfte in der Tundra.

Ein Gemetzel um das Walrat beginnt

Am 19. Juni 1596 sichtete der Holländer Willem Barents »spitze Berge« an Steuerbord. Er hatte die Westküste Spitzbergens erreicht und der Inselgruppe ihren Namen verpasst. Seine Berichte weckten in der Heimat Fantasien und Begehrlichkeiten: Angeblich könne man dort über Walrücken von einer Seite der Buchten auf die andere gelangen. Walrosse würden das Wasser »kochen« lassen durch ihre schiere Zahl.

Fett aus Walen, aber auch aus Robben und Pinguinen beleuchtete im 17. Jahrhundert die Welt. Ein Riesengeschäft. Kein Wunder, dass bald ein Gerangel um den Walfang in den Gewässern Spitzbergens begann. Die Niederlande hatten schon Tausende Wale in den Buchten und Fjorden erlegt. Nach ihrer Vorstellung war das auch ihr gutes Recht, hatte doch ihr Landsmann diese Quelle entdeckt. Aber auch Franzosen, Engländer und die Hanse wollten ein Stück vom Rohstoffkuchen abhaben. Sie schickten ebenfalls Schiffe in den arktischen Sommer, um Wale zu töten. Bereits 1619 fand man einen Kompromiss und teilte die Buchten untereinander auf. Allerdings rissen die Streitigkeiten damit nicht ab. Man piesackte sich, zerstörte Ausrüstung, und immer öfter begleiteten Kriegsschiffe die Walfänger. Sogar eine Seeschlacht gab es: Drei französische Kriegsschiffe griffen im Jahr 1693 rund 40 holländische Walfangschiffe im Sorgfjord an.

Als die Wale aus den Küstengewässern verschwunden waren, verloren die europäischen Mächte das Interesse. Fortan sagten sich auf Spitzbergen nur mehr ein paar verstreute Jäger, Eisbären und Robben gute Nacht. Das änderte sich erst wieder Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts.

Kohle und Erkenntnisse

Mit den ersten Polarexpeditionen, deren Überreste man auch heute noch auf Spitzbergen sieht, begann damals die Karriere des Archipels als Forschungsstandort. Bis heute trotzt eine internationale Forschergemeinschaft in der Siedlung Ny-Ålesund dem harschen Polarklima.

Gerade weil der Hohe Norden so kritisch für das Wetter in Europa ist, geriet Spitzbergen – und auch Grönland – in die Wirren des Zweiten Weltkriegs. Nazi-Deutschland und die Alliierten beharkten sich auch jenseits des Polarkreises. Die Wehrmacht baute in verschiedenen Buchten geheime Wetterstationen, bemannte sie, die Alliierten hoben sie wieder aus. Ein Katz-und-Maus-Spiel der Kriegsparteien. Der Zweite Weltkrieg endete auf Spitzbergen erst am 4. September 1945, als sich die letzte Mannschaft der deutschen Station Haudegen dem Kapitän des norwegischen Robbenfangschiffs »Blaasel« ergab.

Öl-Boom im Nordmeer | Das Gemälde des niederländischen Künstlers Cornelis de Man (1621–1706) zeigt das geschäftige Treiben in Smeerenburg, wo Walfänger auf beinahe industrielle Weise das Fett ihrer Beute auskochten.

Zur Suche nach Erkenntnissen kam die Suche nach Bodenschätzen. Zuerst stieß man auf Kohle. 1899 gilt als das Jahr, in dem der kommerzielle Abbau begann. Der Norweger Søren Zachariassen verkaufte die Kohle der Arktis in Tromsø. 1906 gründete der US-Amerikaner John Munroe Longyear die Bergarbeiterstadt, die bis heute seinen Namen trägt.

Andere Unternehmen suchten nach Marmor oder Gips. Spitzbergen war Wildwest, denn offiziell gehörte die Inselgruppe nur sich selbst. Briten hatten genauso ein Interesse daran wie Amerikaner, Niederländer oder auch Deutsche.

Norwegen erklärt sich für zuständig

Doch da kramte Norwegen die alten Wikinger-Texte hervor und brachte sich mit dem Hinweis auf die »kalte Küste« in Stellung. Vor allem nach seiner Unabhängigkeit von Schweden im Jahr 1905 trat das nun eigenständige Norwegen als Moderator und Schutzmacht auf, benannte die Inselgruppe in Svalbard um und fädelte geschickt den Spitzbergen-Vertrag ein, der 1920 in Versailles zur Unterschrift bereitlag und 1925 in Kraft trat. Die Unterzeichnerstaaten einigten sich darauf, dass Norwegen die Verwaltung übernimmt und den Gouverneur stellt. Im Gegenzug sind alle Bewohner der Unterzeichnerstaaten berechtigt, auf Spitzbergen zu jagen und nach Bodenschätzen zu suchen. Damit man sich nicht in die Wolle kriegt, bestimmten die Länder, dass Spitzbergen bar jeden Militärs sein sollte.

Im Lauf der Jahrzehnte kamen immer mehr Länder zum Spitzbergen-Vertrag hinzu, Deutschland bereits 1925. Mittlerweile sind es 50 Staaten, darunter auch solche, die weit weg von der Polregion liegen, beispielsweise Venezuela oder Afghanistan.

Dennoch hat der Vertrag nicht vor Streit und Misstrauen geschützt. Mit Beginn des Kalten Kriegs wurde Spitzbergen auf einmal Frontstadt. Auch wenn offiziell kein Militär auf den Inseln stationiert war – unvorbereitet war man nicht. Angeblich sollten in Barentsburg mehr Geheimdienstmitarbeiter wohnen als Bergleute, in den Schächten würden Gewehre und Munition gelagert, hieß es. Eine auffallend hohe Zahl von – freilich unbewaffneten – Militärhubschraubern stand in den sowjetischen Hangars. Doch alles in allem war es mehr ein Belauern als ein Bekriegen.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks schliffen sich die Feindschaften ab. Zwischen den Bewohnern Barentsburgs und Longyearbyens gibt es Fußballspiele, man besucht sich, pflegt den Austausch. Und Touristen können sich in Barentsburg oder der verlassenen Siedlung Pyramiden zwischen Lenin-Büste und kommunistischen Parolen eine Prise wohligen Sowjetschauers holen.

Freie Fahrt in Richtung Arktis | Russland baut nicht nur Stützpunkte und Truppenteile im Hohen Norden aus, sondern investierte über die Jahre auch in seine Eisbrecherflotte. Die nuklear angetriebene »Jakutija« wurde im November 2022 vom Stapel gelassen.

Auf Spitzbergen ist der Kalte Krieg nicht mehr nur Erinnerung

Doch mittlerweile ist die Nachbarschaft wieder von Misstrauen überschattet. Hinzu kommen Zwischenfälle. Man kann sie als Provokationen sehen, als Austesten. So ist Anfang Januar 2022, nur Wochen vor dem russischen Überfall auf die Ukraine, eines von zwei Glasfaserkabeln durchtrennt worden, die Spitzbergen und die weltgrößte Satellitenstation »Svalbard satellittstasjon« mit dem norwegischen Festland verbinden.

Die Polizei ermittelte. Sicher ist, dass das Kabel durch menschliche Aktivität beschädigt wurde, vermutlich durch ein Schleppnetz oder einen Anker. Unsicher ist, wer es war und ob es aus Absicht geschah. In Verdacht steht ein russischer Trawler, der mehr als 140-mal über dem Kabel kreuzte. Der Kapitän bestreitet ein Verschulden.

Auf der anderen Seite mokiert sich Russland immer wieder über das Gebaren Norwegens. Mal ist es so etwas scheinbar Banales wie das Verbot von Hubschrauber-Rundflügen für Touristen, mal sind es die strengen Naturschutzauflagen der Norweger.

Russland prangert aber auch einen Vertragsbruch Norwegens an. Dabei geht es wie schon im Kalten Krieg um die Frage der Militarisierung. Denn Russlands Auffassung nach ist die Präsenz der norwegischen Küstenwache, die zur Marine gehört, nicht vom Spitzbergen-Vertrag gedeckt. Auch argumentieren die Russen, dass die Satellitenstation militärischen Zwecken diene. Das zu beurteilen, ist schwierig, zumal schon einfache Wetterdaten einen militärischen Zusatznutzen haben, wie nicht zuletzt der Zweite Weltkrieg gezeigt hat – und zumal Russland selbst anstrebt, auf Spitzbergen eine eigene Satellitenempfangsstation zu betreiben.

Russlands U-Boote brauchen eine offene Barentssee

Abseits der Möglichkeit, Spitzbergen als Vorwand zu benutzen, um einen Spaltkeil in die NATO zu treiben, verfolgt Russland mit seinem Engagement in der Region auch langfristige strategische Interessen: Für die russischen Nuklearstreitkräfte hat die Passage an der Bäreninsel zuletzt entscheidend an Bedeutung gewonnen. Ausschlaggebend dafür sind drei Entwicklungen: Durch den Sturz des syrischen Diktators Baschar al-Assad verlor die russische Marine ihre einzige Basis im Mittelmeer; durch die NATO-Mitgliedschaft von Finnland (2023) und Schweden (2024) wurde die Ostsee gewissermaßen zum »NATO-Binnengewässer«; und im Schwarzen Meer hat die Ukraine die russische Flotte in große Bedrängnis gebracht.

Umso empfindlicher registriere der Kreml mögliche Bedrohungen des eigenen Bewegungsspielraums in der Barentssee, schreibt der Verteidigungsexperte Henrik Larsen, der unter anderem an der ETH Zürich forschte, in einem aktuellen Überblick über die Spitzbergen-Situation. Bei Bedarf will Russland diese letzte verbliebene Tür in den Nordatlantik wohl schnell sichern können, um seine nukleare Zweitschlagskapazität zu bewahren.

Unbedingt abwehrbereit | Am Rand der NATO-Übung »Cold Response« demonstrierten Bundeskanzler Friedrich Merz, der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre und der Premierminister von Kanada Mark Carney (von links) Geschlossenheit bei der Verteidigung von NATO-Territorium gegen alle Angriffe – aus welcher Himmelsrichtung sie auch kommen mögen. Die Anwesenheit der Regierungschefs galt ebenso sehr als Signal an Wladimir Putin wie auch an US-Präsident Donald Trump.

Einen offenen Angriff auf Spitzbergen hält Larsen dennoch für wenig wahrscheinlich, angesichts des erheblichen Risikos, das damit verbunden sei. Viel eher dürfte der Kreml seine Strategie der hybriden Kriegsführung fortsetzen und dabei militärisch verwertbare Informationen für den Fall der Fälle sammeln.

Wie könnte es weitergehen mit Spitzbergen? Russland spricht in schöner Regelmäßigkeit von Unklarheiten im Spitzbergen-Vertrag und beschwert sich. Gleichzeitig setzt es auf symbolische Akte, um den russischen Anspruch auf Spitzbergen zu demonstrieren. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz eines Hubschraubers während einer Parade in Barentsburg, was nach norwegischem Recht illegal ist. Ein weiterer ist das Aufstellen eines Kreuzes in dem Naturschutzgebiet außerhalb von Pyramiden. Dazu kommen Pläne für ein neues Forschungszentrum, ebenfalls in Pyramiden, das gemeinsam mit China betrieben werden soll. Und schließlich der Ausbau des Militärs in der Arktis.

Im »Scandinavian Journal of Military Studies« verneinen Cecilie Juul Stensrud und Andreas Østhagen vom Fridtjof-Nansen-Institut in Norwegen, dass um Spitzbergen ein »hybrider Krieg« entbrannt ist; hybride »Operationen« seien aber bereits in begrenztem Umfang im Gang.

Ein Wesensmerkmal der hybriden Kriegsführung ist gerade, den Gegner möglichst rätseln zu lassen, wer hinter einer Attacke steckt und ob es sich überhaupt um eine solche handelt. Sicher kann man deshalb wohl nur eines sagen: Mit der Ruhe in der Arktis scheint es für längere Zeit vorbei zu sein.

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  • Quellen
Stensrud, C., Østhagen, A., Scandinavian Journal of Military Studies 10.31374/sjms.233, 2024

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