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Biodiversität: Spitzenräuber ein Indikator für Artenvielfalt?

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Die langjährige Annahme, dass sich die Diversität eines biologischen Lebensraumes vom Zustand der vorhandenen großen Beutegreifer ableiten ließe, muss nach einer Studie von Mar Cabeza von der Helsinki Universität und Kollegen [1] revidiert beziehungsweise erheblich eingeschränkt werden. Es sei keineswegs zu verallgemeinern, dass beispielsweise eine Population von Wölfen oder Adlern nur in einem insgesamt gesunden Ökosystem bestehen könne.

Basierend auf Arbeiten von Fabrizio Sergio und Mitarbeitern der Biologischen Station Doñana, dem Naturwissenschaftlichen Museum Trento und dem Zentrum für Ökologie und Hydrologie in Cambridgeshire [2,3] hatten Wissenschaftler lange gedacht, dass diese Top-Prädatoren zuverlässig die Qualität eines Ökosystems reflektierten: Sie stünden an der Spitze der Nahrungspyramide und benötigten daher große Lebensräume sowie ein gesundes Beutespektrum unter sich.

Prädatoren seien jedoch flexibel in der Nutzung der Nahrungskette, gibt Cabeza zu bedenken. Seien keine Säugetiere als Beute vorhanden, wichen beispielsweise große Greifvögel auf Insekten aus, die es auch in stark degradierten Lebensräumen gebe. Die ursprüngliche Rechnung geht auch im Hinblick auf Madagaskar nicht auf: Im Land sind nur wenige größere Prädatoren heimisch, dennoch gilt es als einer der wertvollsten Biodiversitäts-Hotspots weltweit. Daher müsse jedes Ökosystem für sich betrachtet werden, losgelöst von Verallgemeinerungen über die Struktur der Nahrungspyramide.

In einer Stellungnahme pflichtet Sergio bei, dass Ergebnisse von Einzelstudien grundsätzlich vorsichtig zu verallgemeinern seien. Allerdings habe sich bislang keine andere Tiergruppe in mehr Fällen als sinnvoller Indikator erwiesen als die Prädatoren, und diese Erkenntnis sollte nicht gänzlich vernachlässigt werden. (lp)
08.08.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 08.08.2007

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