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Meeresbiologie: Sprinter auf dem Meeresgrund

Entschließt sich ein Octopus einmal, sein Versteck zu verlassen, kriecht er zumeist gemächlich auf seinen acht Armen voran. Droht Gefahr, entzieht er sich dem Angreifer im Schutz einer Tintenwolke flugs per Rückstoßprinzip. Manchmal empfiehlt sich für die Achtfüßler aber auch das Laufen auf zwei Armen.
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Kraken lieben es heimlich. Verborgen in Felsspalten, zwischen Algen und in allerlei anderen Verstecken lauern die meist am Meeresboden lebenden Weichtiere ihrer Beute auf. Blitzschnell schießt dann ein langer Arm hervor, umschließt das ahnungslos vorbeikommende Opfer und führt es zum Maul des gefräßigen Achtfüßlers.

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Octopus aculeatus | Octopus aculeatus benützt seine Arme zum Beutefang und zur Fortbewegung. Dieses Exemplar verspeist gerade eine Garnele.
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Entscheidend für diese Jagdtechnik ist es, stets unerkannt zu bleiben. Deswegen haben sich die verschiedenen Krakenarten einiges einfallen lassen, um sich der Aufmerksamkeit ihrer Nahrungstiere zu entziehen. So liebt es beispielsweise der in den Küstengewässern Indonesiens lebende Octopus marginatus, sich in Kokosnuss-Schalen zu verbergen, die er mit Hilfe seiner Saugnäpfe zusammen hält. Einen anderen Trick hat der kleine Octopus aculeatus auf Lager: Er hat sich fransige Hautfortsätze zugelegt, die ihn geradezu perfekt als Alge tarnen.

Doch was machen die Tiere, wenn sie einmal ihren Standort wechseln wollen, ohne dabei die Aufmerksamkeit von Beutetieren oder gar Verfolgern zu erregen? Eine Möglichkeit wäre es, sich nur ganz langsam zu bewegen. Aber es geht auch anders. Eine unauffällige und dennoch schnelle Fortbewegungstechnik haben O. marginatus und O. aculeatus entwickelt, wie Christine Huffard von der Universität von Kalifornien in Berkeley nun an Octopus-Exemplaren im Meerwassertank beobachtete: Die Kraken marschieren auf zwei Beinen dahin.

O. marginatus umwickelt sich für das zweibeinige Rennen mit sechs seiner acht Arme, während er die äußere Hälfte seiner beiden ventralen Tentakeln mit den Saugnäpfen nach unten abwechselnd unter seinem Körper hindurch rollt. Dadurch bewegt sich das Weichtier flott rückwärts über den Sandboden. Dank seiner Verkleidung mit den um den Körper gewickelten Fangarmen springt es dabei jedoch nicht besonders ins Auge – es sieht eher aus, wie eine in der Strömung über den Meeresboden kullernde Kokosnuss.

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Octopus aculeatus | Octopus aculeatus zeigt seine Saugnäpfe an den hinter dem Körper geringelten Armen.
O. aculeatus seinerseits kringelt sechs Fangarme in kunstvolle Windungen und Wellen und streckt sie dann in alle Richtungen von sich. Auch er läuft rückwärts auf seinen beiden ventralen Tentakeln, rollt sie jedoch für die Fortbewegung auf fast drei Viertel ihrer Länge ab. Bei seinem Sprint bleibt er perfekt getarnt, gleicht er doch einer über den Sand dahintreibenden Alge.

Bei der ungleichmäßigen Schrittfolge der beiden Octopus-Arten bleibt stets mindestens ein Arm für mehr als die Hälfte des Schrittes auf dem Boden – es handelt sich also eindeutig um zweibeiniges Gehen, das sich deutlich von dem Kriechen unterscheidet, wie man es sonst von Kraken kennt. Die bipedale Fortbewegung ist also keineswegs – wie bisher angenommen – zwangsläufig auf an Knochen befestigte Muskeln angewiesen. Beim Kraken bietet der Flüssigkeitsdruck den in unterschiedlichen Richtungen angeordneten Muskeln der Fangarme ausreichend Unterstützung für die Schreitbewegung.

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Octopus aculeatus | Seine fleischigen Hautanhängsel tarnen Octopus aculeatus als Alge.
Die beiden Octopus-Arten profitieren von ihrer für Kraken eher ungewöhnliche Fortbewegungsart doppelt: Auf zwei Beinen kommen sie schnell voran und können gleichzeitig mit den restlichen Tentakeln ihre Tarnung aufrecht erhalten.
25.03.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 25.03.2005

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