Spurensuche im Orion: Beteigeuzes Begleiter tritt aus dem Schatten

Einer der bekanntesten Sterne am Nachthimmel hütete lange Zeit ein Geheimnis, das Astronomen mehr als ein Jahrhundert lang zu lüften versuchten. Periodische Schwankungen seiner Helligkeit ließen vermuten, dass er nicht allein durchs All zieht. Im Juli 2025 gelang schließlich die erste direkte Abbildung des Begleitsterns, und im Januar 2026 konnte dessen Bugwelle in der ausgedehnten Atmosphäre von Beteigeuze nachgewiesen werden. Mit Beobachtungsdaten aus dem Jahr 2024 gelang einem Team um den Astronomen Miguel Montargès vom Observatoire de Paris mit dem Very Large Telescope (VLT) der europäischen Südsternwarte ESO in Chile nun die bislang detailreichste Aufnahme von Beteigeuze B, wie es im Fachjournal »Astronomy & Astrophysics« berichtet.
Schon im 20. Jahrhundert gab es immer wieder Hinweise darauf, dass Beteigeuze Teil eines Doppelsternsystems sein könnte. Die Suche nach dem möglichen Begleiter gestaltete sich jedoch äußerst schwierig, da dieser von der enormen Helligkeit des Überriesen überstrahlt wird. Zwei im Jahr 2024 veröffentlichten Arbeiten postulierten, dass der Begleiter mit der Bezeichnung Beteigeuze B im Dezember 2024 seinen größten scheinbaren Abstand zu Beteigeuze erreichen würde – eine ideale Gelegenheit.
»Ich bin von meinem Stuhl aufgesprungen, als ich die prozessierten Bilder sah«Miguel Montargès, Astronom
Daraufhin richtete die Gruppe um Montargès das Instrument SPHERE am VLT auf den Stern. Das ist eigentlich für die Suche nach Exoplaneten konzipiert. Entsprechend skeptisch war der Astronom zunächst, ob sich damit auch der Nachweis erbringen ließe.
Ein entscheidender Faktor war die folgende monatelange computergestützte Nachbearbeitung. Dabei wurde das blendende Licht von Beteigeuze rechnerisch aus den Aufnahmen entfernt. Das Ergebnis zeigt deutlich eine helle Emissionsquelle, die mit den Vorhersagen für die Position von Beteigeuze B übereinstimmt (siehe »Erwischt«). »Ich bin von meinem Stuhl aufgesprungen, als ich die prozessierten Bilder sah«, berichtet Montargès gegenüber der ESO.
Auf der Aufnahme des VLT vom Dezember 2024 ist deutlich eine helle Emissionsquelle zu erkennen (weißes Fadenkreuz), bei der es sich sehr wahrscheinlich um Beteigeuze B handelt. Der Begleitstern wurde direkt abgebildet, das heißt, sein eigenes Licht konnte nachgewiesen werden. Um ihn sichtbar zu machen, wurde Beteigeuze aus der Aufnahme herausgerechnet; der weiße Kreis markiert dessen Ausdehnung. Das Bild zeigt zudem, wie eng Beteigeuze B den Roten Überriesen umkreist.
Beteigeuze selbst ist ein weit entwickelter Roter Überriese und wird in – astronomisch gesehen – nicht allzu ferner Zukunft als Supernova explodieren. Die große Verdunkelung in den Jahren 2019 bis 2020 sorgte bereits für Spekulationen über ein unmittelbar bevorstehendes Ende.
Doch mit der Entdeckung von Beteigeuze B rückt eine andere Frage in den Fokus: Welchen Einfluss könnte der Begleitstern auf die künftige Supernova haben? Denn die VLT-Daten hielten auch eine Überraschung parat: Beteigeuze B ist mit der zwei- bis dreifachen Sonnenmasse deutlich massereicher als ursprünglich angenommen. Seine Gravitation und ein möglicher Materieaustausch könnten damit die weitere Entwicklung von Beteigeuze beeinflussen.
Obwohl das Team kaum noch Zweifel an der Entdeckung hat, ist für das kommende Jahr eine weitere Beobachtungskampagne geplant. Dann soll Beteigeuze B auf der anderen Seite des Hauptsterns nachgewiesen werden, um seine Umlaufbahn zweifelsfrei zu bestätigen.
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