Direkt zum Inhalt

Spurensuche im Orion: Beteigeuzes Begleiter tritt aus dem Schatten

Seit mehr als einem Jahrhundert vermuten Astronomen, dass Beteigeuze einen Begleiter besitzt. Die bislang schärfste Aufnahme des lange gesuchten Sterns bestätigt eindrucksvoll die Vorhersagen, wirft aber auch neue Fragen zur künftigen Supernova des Roten Überriesen selbst auf.
Die Abbildung zeigt den Sternenhimmel mit dem hervorgehobenen Sternbild Orion, das durch blaue Linien verbunden ist. Zwei vergrößerte Einblendungen zeigen detaillierte Ansichten des Sterns Beteigeuze. Die erste Einblendung zeigt einen klaren, orange leuchtenden Stern, die zweite eine unscharfe, gelb-braune Struktur mit einem markierten Punkt. Sie veranschaulicht die Position und Details von Beteigeuzes Begleiter.
Der Rote Überriese Beteigeuze markiert die linke Schulter des Himmelsjägers Orion. Die Aufnahme im mittleren Ausschnitt entstand im Januar 2019 mit dem Instrument SPHERE am Very Large Telescope der ESO und zeigt den Riesenstern selbst. Das linke Bild wurde im Dezember 2024 aufgenommen. Darauf lässt sich der Begleiter erkennen.

Einer der bekanntesten Sterne am Nachthimmel hütete lange Zeit ein Geheimnis, das Astronomen mehr als ein Jahrhundert lang zu lüften versuchten. Periodische Schwankungen seiner Helligkeit ließen vermuten, dass er nicht allein durchs All zieht. Im Juli 2025 gelang schließlich die erste direkte Abbildung des Begleitsterns, und im Januar 2026 konnte dessen Bugwelle in der ausgedehnten Atmosphäre von Beteigeuze nachgewiesen werden. Mit Beobachtungsdaten aus dem Jahr 2024 gelang einem Team um den Astronomen Miguel Montargès vom Observatoire de Paris mit dem Very Large Telescope (VLT) der europäischen Südsternwarte ESO in Chile nun die bislang detailreichste Aufnahme von Beteigeuze B, wie es im Fachjournal »Astronomy & Astrophysics« berichtet.

Schon im 20. Jahrhundert gab es immer wieder Hinweise darauf, dass Beteigeuze Teil eines Doppelsternsystems sein könnte. Die Suche nach dem möglichen Begleiter gestaltete sich jedoch äußerst schwierig, da dieser von der enormen Helligkeit des Überriesen überstrahlt wird. Zwei im Jahr 2024 veröffentlichten Arbeiten postulierten, dass der Begleiter mit der Bezeichnung Beteigeuze B im Dezember 2024 seinen größten scheinbaren Abstand zu Beteigeuze erreichen würde – eine ideale Gelegenheit.

»Ich bin von meinem Stuhl aufgesprungen, als ich die prozessierten Bilder sah«Miguel Montargès, Astronom

Daraufhin richtete die Gruppe um Montargès das Instrument SPHERE am VLT auf den Stern. Das ist eigentlich für die Suche nach Exoplaneten konzipiert. Entsprechend skeptisch war der Astronom zunächst, ob sich damit auch der Nachweis erbringen ließe.

Ein entscheidender Faktor war die folgende monatelange computergestützte Nachbearbeitung. Dabei wurde das blendende Licht von Beteigeuze rechnerisch aus den Aufnahmen entfernt. Das Ergebnis zeigt deutlich eine helle Emissionsquelle, die mit den Vorhersagen für die Position von Beteigeuze B übereinstimmt (siehe »Erwischt«). »Ich bin von meinem Stuhl aufgesprungen, als ich die prozessierten Bilder sah«, berichtet Montargès gegenüber der ESO.

Erwischt |

Auf der Aufnahme des VLT vom Dezember 2024 ist deutlich eine helle Emissionsquelle zu erkennen (weißes Fadenkreuz), bei der es sich sehr wahrscheinlich um Beteigeuze B handelt. Der Begleitstern wurde direkt abgebildet, das heißt, sein eigenes Licht konnte nachgewiesen werden. Um ihn sichtbar zu machen, wurde Beteigeuze aus der Aufnahme herausgerechnet; der weiße Kreis markiert dessen Ausdehnung. Das Bild zeigt zudem, wie eng Beteigeuze B den Roten Überriesen umkreist.

Beteigeuze selbst ist ein weit entwickelter Roter Überriese und wird in – astronomisch gesehen – nicht allzu ferner Zukunft als Supernova explodieren. Die große Verdunkelung in den Jahren 2019 bis 2020 sorgte bereits für Spekulationen über ein unmittelbar bevorstehendes Ende.

Doch mit der Entdeckung von Beteigeuze B rückt eine andere Frage in den Fokus: Welchen Einfluss könnte der Begleitstern auf die künftige Supernova haben? Denn die VLT-Daten hielten auch eine Überraschung parat: Beteigeuze B ist mit der zwei- bis dreifachen Sonnenmasse deutlich massereicher als ursprünglich angenommen. Seine Gravitation und ein möglicher Materieaustausch könnten damit die weitere Entwicklung von Beteigeuze beeinflussen.

Obwohl das Team kaum noch Zweifel an der Entdeckung hat, ist für das kommende Jahr eine weitere Beobachtungskampagne geplant. Dann soll Beteigeuze B auf der anderen Seite des Hauptsterns nachgewiesen werden, um seine Umlaufbahn zweifelsfrei zu bestätigen.

WEITERLESEN MIT »SPEKTRUM +«

Im Abo erhalten Sie exklusiven Zugang zu allen Premiumartikeln von »spektrum.de« sowie »Spektrum - Die Woche« als PDF- und App-Ausgabe. Testen Sie 30 Tage uneingeschränkten Zugang zu »Spektrum+« gratis:

Jetzt testen

(Sie müssen Javascript erlauben, um nach der Anmeldung auf diesen Artikel zugreifen zu können)

  • Quellen

Montargès, M. et al., Astronomy & Astrophysics 10.1051/0004–6361/202661023, 2026

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.