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Finanzkrisen: Stabilitätspolitik macht Banken instabil

Es klingt plausibel: Wenn alle Banken stabil sind, ist auch das ganze System stabil - doch diese Annahme könnte verhängnisvoll falsch sein.
Mehrere Hochhäuser mit Glasfassaden vor blauem Himmel.Laden...

Prozesse, die nach weit verbreiteter Ansicht das Finanzsystem stabilisieren, können genau das Gegenteil bewirken. Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe um Marco Bardoscia von der Universität Zürich, die untersuchte, unter welchen Bedingungen komplexe Netzwerke wie eben das Bankensystem Schocks verarbeiten. Das Ergebnis ihrer in "Nature Communications" veröffentlichten Analyse: Gerade jene Maßnahmen, die einzelne Banken stabiler machen, gefährden das ganze System. Instrumente wie Marktintegration und Diversifizierung, die das Risiko auf viele Akteure verteilen, vermehrten demnach die Verbindung von Institutionen untereinander – und erzeugten damit Strukturen, die lokale Krisen zur Gefahr für das gesamte System werden lassen, so die Forscher.

Wie Bardoscia und seine Kollegen berichten, modellierten sie abstrakte Netzwerke, ohne die Beziehungen zwischen den Knotenpunkten – in der Realität Geschäfte zwischen einzelnen Banken – genauer zu definieren. Sie stellten jedoch fest, dass komplexe Netzwerke immer anfälliger für sich selbst verstärkende Krisen werden, je stärker sie in sich vernetzt sind. Diese Vernetzung allerdings gelte als Garant für die Stabilität einzelner Banken, und wenn alle Banken stabil sind, so die Logik, ist auch das System stabil. Nach der Analyse der Forscher stimmt aber gerade diese Überlegung nicht.

In bestimmten Netzstrukturen, in denen man einen Kernbereich und eine Peripherie unterscheidet, treten demnach miteinander verbundene Zyklen auf, die eine lokale Krise gefährlich hochschaukeln können. Das gelte gerade dann, wenn keine der beteiligten Banken hohen Risiken ausgesetzt ist, so die Forscher – denn gerade die große Streuung der Risiken auf das gesamte System, die einzelne Banken schützen soll, lässt die gefährlichen vernetzten Zyklen entstehen. Die Stabilität der Einzelbanken wiederum bewirke, dass sich Krisen über das ganze System ausbreiten können, bevor einzelne Banken pleitegehen. Nach ihrer Analyse werden Bankennetzwerke überraschend schnell instabil: Schon wenn drei Prozent aller möglicher Verbindungen realisiert sind, kann eine lokale Krise das ganze System zusammenbrechen lassen.

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