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News: Stadtluft heizt das Treibhaus nicht an

Der Treibhauseffekt ist eines der meist diskutierten Umweltthemen der letzten Jahre. Mit immer neuen Computer-Simulationen versuchen Forscher, das Klima der Zukunft zu modellieren und den Einfluss verschiedener Faktoren festzustellen. Viele Treibhausgase finden sich vor allem in der verschmutzten Luft über Städten. Doch obwohl der Verschmutzungsgrad in nächster Zeit wohl noch weiter ansteigen wird, scheint er die globale Klimaerwärmung nicht zu verstärken. Denn offenbar heben sich die Effekte einzelner Beteiligter gegenseitig auf.
Städte haben ihre eigenen Regeln. Das gilt nicht nur für das soziale Verhalten ihrer Bewohner, die Straßenführung oder die Ladenöffnungszeiten, sondern auch für ihre klimatischen Verhältnisse. Denn wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, muss die Umwelt einiges ertragen.

Ein besonders großes Problem in Städten ist die Verschmutzung der Luft. Abgase und Staubpartikel verändern ihre Eigenschaften, so dass Siedlungen ein besonderes lokales Klima aufweisen, das sich deutlich von dem ihres Umlandes unterscheidet. Dazu gehören heißere, trockenere Sommer und mildere Winter, sowie häufiger Nebel und natürlich die allseits bekannte Dunstglocke.

Doch inwiefern wirken sich die örtlich recht begrenzten Erscheinungen eigentlich auf das globale Klima aus? Verstärken sie beispielsweise den Treibhauseffekt? Bisher haben Wissenschaftler diesen Bestandteil der atmosphärischen Chemie in ihren Klimasimulationen häufig außen vor gelassen, da er kleinräumig und zudem sehr komplex ist.

Monika Mayer und ihre Kollegen vom Department of Earth and Atmospheric and Planetary Sciences des Massachusetts Institute of Technology sind der Frage jedoch mit einem neuen Computer-Modell nachgegangen. Sie verglichen die Zukunftsszenarien mit und ohne Einfluss der Luftverschmutzung über Städten. Und ihren Ergebnissen zufolge besteht offenbar zunächst kein Grund zur Sorge, denn sie stellten keinen Unterschied fest – zumindest für die nächsten hundert Jahre (Geophysical Research Letters vom 27. September 2000).

Die Wissenschaftler erklären ihre Erkenntnisse damit, dass sich zwei entscheidende Faktoren im Klimageschehen gegenseitig aufheben. So sagen ihre Modelle für Stadtregionen zwar höhere Ozonwerte voraus, während die durchschnittliche Ozonkonzentration in der Troposphäre sinkt. Gleichzeitig jedoch verlängert sich durch die wandelnde chemische Zusammensetzung dieser untersten Schicht unserer Lufthülle die Lebensdauer für Methan, ein Gas, das unter anderem aus Abgasen und Massentierhaltungen stammt. Gehen die Ozonwerte zurück, während die Methangehalte ansteigen, ändert das im Strahlungshaushalt der Erde kaum etwas, da sich die Effekte der beiden Treibhausgase teilweise gegenseitig aufheben.

"Die Leute haben schon länger vermutet, dass es in diese Richtung geht", berichtet Mayer. "Aber bisher konnten sie die Faktoren nicht quantifizieren." Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, wäre das sicher ein wichtiger Aspekt für zukünftige Simulationen. Denn schon heute stammen 30 bis 40 Prozent der Luftverschmutzung aus städtischen Verdichtungsräumen, und für die Zukunft rechnen Forscher damit, dass dieser Wert auf 70 Prozent ansteigt. Ein erleichtertes Aufatmen rechtfertigen die Ergebnisse aber sicherlich nicht – schließlich wirkt sich die Dunstglocke nicht nur auf das Klima aus.

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