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News: Stammen die Vögel doch nicht von den Dinosauriern ab?

Heutige Vögel sind Warmblüter, was gewisse Ansprüche an die Leistungsfähigkeit ihrer Lungen stellt. Bei einem in China gefundenen Dinosaurierfossil sind durch glückliche Umstände Abdrücke weicher Organe enthalten, auch der Lunge. Sie ähnelt allerdings der Lunge unserer Krokodile und könnte keinesfalls genug Sauerstoff liefern, um die Körpertemperatur konstant zu halten.
Ein unscheinbarer Fleck in uraltem Schlick hat eine Gruppe von Forschern veranlaßt, der vorherrschenden Ansicht zu widersprechen, Dinosaurier seien Warmblüter und die Vorfahren der Vögel. Sie vertreten die Ansicht, daß Dinosaurier Lungen besaßen, die denen der Krokodile ähnlich waren und nicht genügend Sauerstoff aufnehmen konnten, um ihre Körper warm zu halten (Science vom 14. November 1997). Ihrer Meinung nach ist es ganz und gar unwahrscheinlich, daß diese Lungen sich im Laufe der Evolution zu Vogellungen entwickelt haben sollen.

Um zu testen, ob Dinosaurier tatsächlich Warmblüter waren, die ihre eigene Körperwärme erzeugen, hat ein Team unter der Leitung von John Ruben, Experte für Atemphysiologie an der Oregon State University, nach Merkmalen der Endothermie (Warmblütigkeit) in versteinerten Tieren gesucht. Was ihnen jedoch am meisten geholfen hätte, schien unerreichbar: ein Blick auf die Lunge eine Dinosauriers. So ließe sich feststellen, ob diese genügend Sauerstoff aufnehmen konnte, um ausreichend Energie für Warmblüter zu erzeugen.

Dann geschah das Unerwartete. Letztes Jahr sah Ruben Fotos verschiedener Exemplare des Sinosauropteryx, eines kleinen, fleischfressenden Dinosauriers aus der 120 Millionen Jahre alten Yixian-Formation im Nordosten Chinas. Uralter Seeschlick hatte die weichen Strukturen des Tieres erhalten, einschließlich einer deutlichen Silhouette der Lungen. Die Abdrücke zeigten eine Brusthöhle mit Lungen, Leber, Herz sowie eine Bauchhöhle mit Eingeweiden und andere Organen. Beide Höhlen waren durch ein luftdichtes Zwerchfell – genau wie bei Krokodilen – vollständig voneinander getrennt. Wenn sich die Zwerchfellmuskeln bei einem Krokodil zusammenziehen, verringert sich der Druck in der Brusthöhle, so daß Luft in die Blasebalg-förmigen Lungen strömen kann.

Ruben argumentiert, daß Dinosaurier keine Warmblüter sein konnten, weil ihre Lungen – die, neben anderen Einschränkungen, eine im Vergleich zu den Lungen von Vögeln begrenzte Oberfläche besaßen – nicht genug Sauerstoff aufnehmen konnten. Er glaubt weiterhin, daß sich die krokodilähnliche Lunge nicht zu einer Vogellunge entwickeln konnte, denn das Tier, das eine Zwischenstufe zwischen Dinosaurier und Vogel darstellt, hätte ansonsten ein tödliches Loch in seinem Zwerchfell gehabt.

Dinosaurierexperten loben zwar Rubens Ansatz, nur wenige sind jedoch bisher bereit, auch seine Schlußfolgerung zu teilen. Sie weisen darauf hin, daß die Eindrücke im Schlick vielleicht nicht die tatsächliche Anordnung der Organe widerspiegeln: „Beim Zusammendrücken der Organe müßte eine Deformation stattfinden”, sagt Lawrence Witmer, Evolutionsbiologe am Ohio University College of Osteopathic Medicine. Selbst wenn Rubens Analyse der Lungenstruktur sich als zutreffend herausstellen sollte, sagt der Paläontologe James Farlow von der Indiana-Purdue University, muß sie gegen einen ganzen Berg anderer Beweise abgewogen werden, welche die Theorie favorisieren, daß Dinosaurier doch die Vorfahren der Vögel sind.

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