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News: Stammzellen zeigen gute Nerven

So langsam wird es unübersichtlich, welche Stammzellen im Labor nun zu welchen Zelltypen ausdifferenzierten und aus welchen Organismen sie stammten. Einen weiteren Punkt in der Liste liefert nun ein Team, zu dem auch Oliver Brüstle gehörte, dessen Forschungsprojekt die heftige Diskussion um den Import menschlicher embryonaler Stammzellen in Deutschland ausgelöst hat. Er hat nun zusammen mit Kollegen in den USA das neuronale Potenzial solcher humaner embryonaler Stammzellen erforscht.
Für die einen verkörpern sie Hoffnung, für die anderen den puren Horror: Stammzellen. In unserem Körper sind sie zunächst das Ausgangsmaterial, später dann schon etwas eingeschränkte Ersatzteillieferanten für Gewebe und Organe. Ein Klon, der in einer entkernten Eizelle DNA eines Spenders enthält und bis zum Blastocystenstadium heranwächst, könnte vielleicht als Grundlage für Ersatzgewebe dienen. In Deutschland wird Forschung in diesem Bereich zur Zeit heftig debattiert. Eines der letzten Ergebnisse ist die Stellungnahme des Ethikrates, der sich mehrheitlich für eine Importerlaubnis embryonaler Stammzellen ausgesprochen hat.

In Zusammenarbeit mit Forschern der University of Wisconsin haben nun Marius Wernig und Oliver Brüstle von der Universität Bonn eine weitere Fähigkeit menschlicher embryonaler Stammzellen demonstriert. Denn die undifferenzierten Alleskönner entwickelten sich unter geeigneten Laborbedingungen sogar zu vorläufigen Nervenzellen. Anschließend injizierten die Forscher die wachsenden Neurone in die Gehirne frisch geborener Mäuse. Hier interessierten sich die humanen Zellen wenig für Artgrenzen und entwickelten sich dort zu zwei spezifischen Arten von im Gehirn vorkommenden Zellen: Nervenzellen und Astrozyten, welche die Neurone mit Nährstoffen versorgen. Beide bilden die verschiedenen Gehirnregionen und die Wirbelsäule.

Und genau diese Bereiche bildeten die injizierten Nervenzellen auch im Mäusehirn aus. "Diese transplantierten Zellen hatten keine Erfahrung im Gehirn, und wir wollten sehen, ob sie die Entwicklung des Maushirns widerspiegeln", erklärt Su-Chun Zhang von der Arbeitsgruppe. Zur Freude der Forscher passierte genau dies. Gleichzeitig zerstreuten sich die Befürchtungen, dass sich Tumoren bilden könnten. Denn wenn zwischen den Vorläuferzellen noch undifferenzierte Zellen stecken, könnten diese entarten. Doch Zhang und sein Team transferierten teilweise eine halbe Million Zellen, ohne dass sich Krebszellen daraus entwickelten. "Die Abwesenheit von Tumoren zeigt, dass unsere Reinigungsmethode der Vorläuferzellen sehr gut ist", erklärt Zhang.

Von einer Anwendung dieser Methode beim Menschen ist man aber noch weit entfernt. Es wird wohl noch Jahre dauern, bis Demenzpatienten, die an der Alzheimer- oder Parkinson-Krankheit leiden, von den Stammzellen profitieren können. Zuerst wird sich die Methode in Tiermodellen beweisen müssen.

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