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Wieder keine Aliens!

Staubige Lösung für stellares Rätsel

Was ist der Unterschied zwischen einer außerirdischen Raumstation und einer Staubwolke? Neue Daten von Tabbys Stern liefern wohl eine endgültige Antwort.
Künstlerische Darstellung eines Asteroidengürtels

Die jüngsten Verdunkelungen des rätselhaften Sterns KIC 8462852 haben weiteres Licht auf das seltsame Verhalten des einzigartigen Veränderlichen geworfen. Wie ein internationales Team um die Entdeckerin des Sternenrätsels, Tabetha Boyajian von der Louisiana State University, jetzt in den "Astrophysical Journal Letters" berichtet, verursacht kein undurchsichtiges Objekt die umstrittenen Helligkeitsschwankungen. Daten aus einer Serie von Helligkeitsschwankungen seit Mai 2017 zeigen, dass sich der Stern bei unterschiedlichen Wellenlängen nicht nur unterschiedlich stark verdunkelt – etwa als würde man KIC 8462852 kurzzeitig durch eine farbige Brille sehen –, sondern auch seine Polarisation ändert. Die Messungen bestätigen Analysen von Daten aus den Jahren 2015 und 2016; die wahrscheinlichste Ursache sind wohl kurzlebige Staubwolken um den Stern herum.

Damit ist die unterhaltsamste Hypothese für das seltsame Verhalten von Tabbys Stern wohl aus dem Rennen: Demnach hätten gigantische Bauwerke einer außerirdischen Zivilisation sich in unregelmäßigen Abständen vor den Stern geschoben und so die extrem irregulären Helligkeitsschwankungen erzeugt. Solche undurchsichtigen Objekte allerdings würden alle Wellenlängen gleich stark abschwächen – die Absorption bei kürzeren Wellenlängen ist jedoch stärker, und die Polarisation des Lichts verändert sich. Dass Außerirdische eventuelle Raumstationen um KIC 8462852 aus bunten Glasbausteinen mit passenden optische Eigenschaften konstruieren, halten Fachleute für unwahrscheinlich.

Der vermutliche Todesstoß für die Alienhypothese kommt von vier "Dips" – kurzen Helligkeitsabnahmen um bis zu drei Prozent – im Verlauf des Jahres 2017. Die Arbeitsgruppe maß die Absorption im violetten, orangefarbenen und nahinfraroten Wellenlängenbereich sowie die wellenlängenabhängige Polarisation, die Hinweise auf die Partikelgröße gibt. Das Ergebnis, so die Arbeitsgruppe, gebe wichtige neue Hinweise auf den Ursprung des Phänomens. So deute die starke Abhängigkeit von der Wellenlänge auf kleine Staubteilchen mit weniger als einem Mikrometer Durchmesser hin, die zwar in der Nähe des Sterns entstanden, aber wegen des Strahlungsdrucks nicht in seiner Nähe bleiben können. Die Staubwolken sind demnach recht jung. Allerdings stehe dieses Ergebnis im Widerspruch zu Messungen an längerfristigen Helligkeitsschwankungen, so dass möglicherweise verschiedene Prozesse für das seltsame Verhalten des Sterns verantwortlich sind.

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