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DMT: Vor dem Tod sind wir high

Fachleute rätseln: Warum produziert unser Körper einen Stoff, der Halluzinationen auslöst? Womöglich erfüllt er dort eine wichtige Funktion – und schickt uns beim Sterben auf einen psychedelischen Trip.
Eine 3D-Darstellung eines Gehirns, das in leuchtenden Farben visualisiert ist. Die Struktur ist in der Mitte durch einen hellen Lichtstrahl geteilt, der die beiden Hemisphären trennt. Verschiedene Bereiche des Gehirns sind durch bunte, funkelnde Punkte hervorgehoben, die neuronale Aktivität symbolisieren. Der Hintergrund ist dunkel, wodurch die leuchtenden Farben des Gehirns besonders hervortreten. Das Bild soll die halluzinogene Wirkung der psychoaktiven Substanz DMT verdeutlichen, die möglicherweise für Nahtoderfahrungen verantwortlich ist.
Unser Körper stellt selbst Psychedelika her, etwa das Halluzinogen N,N-Dimethyltryptamin, kurz DMT. Studien zufolge könnte es unter anderem dazu dienen, das Gehirn vor Sauerstoffmangel zu schützen.

Jahr für Jahr pilgern Tausende Menschen in den Dschungel Südamerikas. Nicht unbedingt deshalb, weil sie die dortige Flora und Fauna so spannend finden. Sondern weil sie auf der Suche sind nach tieferer Wahrheit. Weil sie das Gefühl erleben wollen, die Grenzen des eigenen Ichs aufzulösen. Weil sie Zeit und Raum verlassen und in ein Spektakel aus kaleidoskopartigen Formen und kosmischen Landschaften eintauchen wollen. Einige nehmen auf ihrem Weg Kontakt zu Geistern oder Göttern auf. Andere verschmelzen gefühlt mit dem Universum.

Ayahuasca heißt das Elixier, das all das möglich macht: ein bräunlicher, dickflüssiger und eher übel riechender Trunk, der über Stunden oder Tage gekocht und dann im Rahmen einer rituellen Zeremonie eingenommen wird. Ein wichtiger Bestandteil von Ayahuasca ist N,N-Dimethyltryptamin, kurz DMT.

Dabei müsste man gar nicht um die halbe Welt reisen, um die Wirkung von DMT zu erleben. Denn unser Körper stellt die Substanz selbst her. Fachleute haben sie im menschlichen Blut gefunden, im Urin und im Liquor – jener Flüssigkeit, die Hirn und Rückenmark umspült. Im Gehirn von Ratten ist die Konzentration von DMT sogar so hoch wie die des Neurotransmitters Serotonin. Ob das auch für das menschliche Hirngewebe gilt, weiß man noch nicht.

Warum kommt eine psychedelische Droge von Natur aus in unserem Körper vor, ohne uns permanent »high« zu machen? Und welchen Zweck erfüllt sie da?

Der Hype um Psychedelika: Von LSD zu DMT

Der Hype um psychedelische Substanzen reicht zurück in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Am bekanntesten ist wohl LSD, eine synthetische Modedroge, mit der der Chemiker Albert Hofmann sich bei Laborexperimenten im Jahr 1943 aus Versehen auf eine psychedelische Reise schickte. Bereits in den 1950er-Jahren untersuchten Fachleute aber auch, ob der menschliche Körper in der Lage ist, Psychedelika selbst herzustellen – ganz ohne Labor.

In den 1970er-Jahren kam die Psychedelika-Forschung abrupt zum Erliegen: Der Controlled Substances Act, der in den USA Herstellung, Vertrieb, Besitz und Konsum von Drogen regulieren sollte, machte wissenschaftliche Studien auf dem Gebiet praktisch unmöglich.

In den vergangenen Jahren erlebten die Stoffe allerdings eine regelrechte Renaissance: Substanzen wie Ketamin, LSD und Psilocybin werden nicht nur für private Trips genutzt, sondern dienen zunehmend auch der Behandlung psychischer Erkrankungen. Als besonders interessant gilt ein Molekül, das der Körper selbst herstellt: DMT. »DMT hat das Feld am meisten vorangebracht«, sagt Jon Dean, der an der University of California in San Diego die Abteilung für DMT-Forschung leitet. Zwar hat man auch die strukturell verwandten Psychedelika Bufotenin und 5-Methoxy-N,N-dimethyltryptamin (5-MeO-DMT) im Menschen gefunden, doch die Studienlage ist hier nicht so klar wie bei DMT. Was all diese Stoffe verbindet: Ihre Struktur ähnelt stark jener des »Glücksbotenstoffs« Serotonin.

Eine Frage, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler umtreibt: Wenn unser Körper psychedelische Substanzen herstellt, könnten sie dann an Phänomenen beteiligt sein, bei denen uns die Realität ein wenig entgleitet, also an Psychosen, Träumen, Kreativität oder religiösen Erlebnissen?

Psychedelischer Trunk | Ein Schamane gibt einen Sud aus »Ayahuasca« in einen Becher. Das Gebräu, das aus der Liane Banisteriopsis caapi gewonnen wird, enthält das Halluzinogen DMT. Mitglieder der peruanischen Shipibo-Ethnie und diverser Amazonas-Ethnien setzen es zu medizinischen oder religiösen Zwecken ein.

Spielt DMT eine Rolle bei psychischen Erkrankungen?

Im Jahr 1961 untersuchte der spätere Nobelpreisträger Julius Axelrod die Lungen von Kaninchen und fand dort ein Enzym, das das Molekül Tryptamin in DMT umwandelt. Die Schlussfolgerung: Es könnte einen biologischen Zweck für DMT und seinen Stoffwechselweg geben. Schließlich existiert wohl kaum ein Mechanismus in der Natur ohne Grund.

Der Nachweis von DMT in der Lunge nährte aber noch eine andere Theorie. Charakteristisch für einen DMT-Trip sei das Empfinden, dass das, was man erlebt, »realer als real« wirke, erklärt der Psychiater Rick Strassman, der in den USA die ersten Studien mit DMT am Menschen durchgeführt hat. Dieses Gefühl ähnelt der Erfahrung von Schizophreniepatienten, die im Zuge ihrer Erkrankung mitunter den Kontakt zur Realität verlieren.

Eine Zeitlang vermutete man daher, Schizophrenie könne darauf zurückzuführen sein, dass Betroffene zu viel DMT produzieren – und dass das ihre Halluzinationen erklären würde. Weil endogenes DMT in der Lunge gefunden wurde, überlegte man gar, ob Schizophrenie eine Lungenkrankheit sein könnte, und machte den Witz, dass Betroffene zum Pneumologen gehen sollten, erzählt Rick Strassman.

Heute wisse man, dass sich das subjektive Erleben psychotischer Zustände deutlich von den durch DMT ausgelösten psychedelischen Erfahrungen unterscheidet, sagt Attila Szabo, der an der Universität Oslo die molekularen Mechanismen von Psychedelika erforscht. »Menschen mit Schizophrenie oder psychotischen Störungen haben etwas, das wir in der Psychiatrie Agnosie nennen«, erklärt er. »Sie wissen nicht, dass das, was sie halluzinieren, nicht wahr ist.« Und als man Blut, Urin und Hirnflüssigkeit sowohl von Schizophreniepatienten als auch von Gesunden untersuchte, zerschlug sich die DMT-Schizophrenie-Hypothese vollends. Bei beiden Gruppen fand man nämlich ähnliche Mengen des Moleküls!

Kreativität, Träume und Tod

Die meisten Menschen liefen zwar nicht ständig mit Halluzinationen durch die Welt, betont Steven Barker, emeritierter Professor der Louisiana State University, der fast fünf Jahrzehnte lang zu endogenen Psychedelika geforscht hat. Dennoch gebe es Eindrücke, die Halluzinationen erstaunlich nahekommen: Träume etwa, kreatives Denken – oder Nahtoderfahrungen.

Ob bei diesen Zuständen die Konzentration von DMT im Gehirn ansteigt, ist jedoch unklar. »Die Messung von DMT im menschlichen Gehirn ist im Moment nicht möglich«, sagt Barker. Deshalb arbeiten Fachleute daran, bildgebende Verfahren zu entwickeln, mit denen man DMT nachweisen kann, ohne ein Loch in die Schädeldecke zu bohren. Bald könnten wir also ein besseres Bild davon haben, wie es um die Konzentration des Psychedelikums in unserem Körper bestellt ist.

In den 1970er-Jahren wies Julius Axelrod gemeinsam mit seinem Kollegen Juan Saavedra nach, dass das Gehirn von Ratten DMT herstellt, sobald man Tryptamin hineinspritzt. Fast 50 Jahre später fand ein Team um Jon Dean und Jimo Borjigin von der University of Michigan im Rattenhirn Zellen mit einer Besonderheit: Sie enthalten zwei Enzyme, die an der Herstellung von DMT beteiligt sind, und zwar die aromatische L-Aminosäure-Decarboxylase (AADC) und die Indolethylamin-N-Methyltransferase (INMT). AADC spaltet ein Kohlenstoffdioxid-Molekül von der essenziellen Aminosäure Tryptophan ab, wodurch Tryptamin entsteht. Und das Enzym INMT macht daraus DMT, indem es an das Tryptamin zwei Methylgruppen hängt. Eine bahnbrechende Entdeckung, sagt Attila Szabo. Zum ersten Mal wurde gezeigt, dass das Rattenhirn selbst DMT herstellen und freisetzen kann – und zwar in einer Konzentration, die mit der des Neurotransmitters Serotonin vergleichbar ist!

Jon Dean und seine Kollegen fanden diese besonderen Zellen mit den beiden Enzymen sowohl in der Hirnrinde der Tiere als auch im Hippocampus, in der Zirbeldrüse und im Plexus choroideus. Letzterer produziert die Flüssigkeit, die das Gehirn umspült. Das Enzym INMT konnten sie sogar im menschlichen Gehirn nachweisen: in der Hirnrinde, in der Zirbeldrüse und im Plexus choroideus. Ob INMT und AADC beim Menschen ebenfalls in ein und derselben Zelle vorliegen, ist allerdings unklar. »Wir wissen derzeit nicht mit Sicherheit, wo DMT im menschlichen Organismus produziert wird«, sagt Jon Dean.

Ist DMT ein Neurotransmitter?

Schon 1974 postulierten Fachleute erstmals, dass DMT als Neurotransmitter gelten müsse. Solche Botenstoffe werden von Nervenzellen produziert und freigesetzt, binden an Rezeptoren und übertragen so Informationen zwischen Neuronen. Es gibt Hinweise darauf, dass DMT diese Kriterien erfüllt. Tatsächlich ähnelt die Struktur von DMT jener von Serotonin, und in der Großhirnrinde von Ratten kommen beide Substanzen in ähnlicher Konzentration vor. Allerdings beweist das Fachleuten zufolge nicht, dass sie ähnliche Aufgaben haben. Laut Experten bedarf es weiterer Untersuchungen, da die DMT-Forschung noch relativ jung ist.

Das Enzym INMT habe aber ein paar interessante regulatorische Eigenschaften, erklärt er. So sei es zum Beispiel pH-sensitiv – erkenne also, ob ein Milieu sauer oder basisch ist – und reagiere auf die Konzentration von DMT. Wenn es einen Überschuss an DMT im System registriere, könne INMT den Mechanismus abschalten, der für weiteren Nachschub sorgt. »Es scheint, als existiere im menschlichen Körper ein ganzes System, das die endogenen Psychedelika reguliert, ähnlich wie bei den endogenen Opioiden und den endogenen Cannabinoiden«, so der DMT-Forscher. Allerdings stellte sich 2023 heraus, dass das Enzym INMT bei Ratten nicht unbedingt für die Herstellung von DMT gebraucht wird: Die Tiere waren auch dann in der Lage, Tryptamin herzustellen, wenn sie kein INMT besaßen.

Das Rätsel der Nahtoderfahrungen

In seinem Buch »DMT: Das Molekül des Bewusstseins« stellt der Psychiater Rick Strassman die Theorie auf, dass große Mengen von DMT im Gehirn freigesetzt werden, wenn wir sterben. Damit erklärt er jene rätselhaften Wahrnehmungsphänomene, von denen Menschen bisweilen berichten, wenn sie dem Tod nur knapp entgangen sind: ein dunkler Tunnel mit Licht am Ende, das eigene Leben wie im Film vor Augen, das Gefühl, den Körper zu verlassen. Obwohl Strassmans Vorstellungen von den genauen physiologischen Vorgängen und den beteiligten Hirnarealen nicht vollends durch wissenschaftliche Studien bestätigt werden konnten, so gibt es doch einige Indizien für seine Nahtodtheorie.

So haben Fachleute Schilderungen von Nahtoderfahrungen mit Berichten von Personen verglichen, die einen DMT-Trip erlebt hatten. Und in der Tat ähnelten sich die Beschreibungen stark. »Die psychedelische Erfahrung ahmt gewissermaßen die Nahtoderfahrung nach«, sagt Steven Barker.

Und es gibt zahlreiche tierexperimentelle Belege dafür, dass der DMT-Pegel bei einem lebensbedrohlichen Ereignis ansteigt. So auch nach einem Herzstillstand: Hört das Herz einer Ratte auf zu schlagen, erhöht sich die Konzentration von DMT im visuellen Kortex um etwa das Dreifache, wie Jon Dean und seine Kollegen 2019 zeigten.

»Die vermehrte Ausschüttung von DMT könnte ein uralter Mechanismus sein, um das Gehirn bei Sauerstoffmangel zu schützen«Attila Szabo, Psychoneuroimmunologe

DMT schützt beim Sterben womöglich das Gehirn

Im Jahr 2016 kultivierten Attila Szabo und sein Team menschliche Hirnzellen im Reagenzglas und setzten sie dann einem hypoxischen Schock aus – sie entzogen ihnen einen Großteil des zum Überleben notwendigen Sauerstoffs. Wenig überraschend waren nach wenigen Stunden die meisten Neurone tot. »Behandelten wir die Zellen vorher mit DMT, überlebten etwa 60 bis 70 Prozent«, berichtet Szabo. Seine Schlussfolgerung: DMT hat womöglich eine neuroprotektive Wirkung. »Die vermehrte Ausschüttung von DMT könnte ein uralter Mechanismus sein, um das Gehirn bei Sauerstoffmangel zu schützen.«

Darauf deutet auch ein anderes Experiment von Szabo hin. Hierbei fügte er Ratten einen kurzzeitigen Hirninfarkt zu, indem er eine wichtige Hirnarterie verschloss. Einige Tiere erhielten währenddessen DMT, die anderen nicht. Danach zeigte sich: Bei den mit DMT behandelten Ratten war der geschädigte Hirnbereich kleiner, und die Tiere erholten sich besser von dem Schlaganfall. Möglicherweise, so Szabos Hypothese, übt DMT seine Schutzfunktion über einen antientzündlichen Mechanismus aus. Das Team wies nämlich nach, dass die Substanz die Produktion von entzündungshemmenden Molekülen in Immunzellen aktiviert.

»Kurz vor dem Tod sendet der Körper Signale aus, dass er im Sterben liegt«, erklärt Steven Barker. Die zentrale Botschaft: Das Gehirn muss geschützt werden! Der Sauerstoffmangel könnte das DMT-System aktivieren, das dann womöglich über das Ziel hinausschießt. Das Ergebnis könnten die rätselhaften Nahtoderfahrungen sein.

»Kurz vor dem Tod sendet der Körper Signale aus, dass er im Sterben liegt«Steven Barker, Psychedelika-Forscher

Neuroprotektion und Neuroplastizität

DMT, das wird immer klarer, ist mehr als ein Auslöser psychedelischer Reisen. Es erfüllt zudem wichtige Aufgaben im Körper. So schützt es Nervenzellen bei Sauerstoffmangel, bremst, wie Forscher um Attila Szabo herausfanden, entzündliche Prozesse im Gehirn und könnte sogar dabei helfen, neue Verbindungen zwischen Nervenzellen zu knüpfen – ein zentrales Merkmal neuronaler Plastizität.

Die Substanz kann sowohl die Blut-Hirn-Schranke als auch die Zellmembran von Neuronen überwinden. In diesen bindet sie an sogenannte 5-HT2A-Rezeptoren. 5-HT ist die Abkürzung für 5-Hydroxytryptamin – das ist der chemische Name für das »Glückshormon« Serotonin. Für den Neurotransmitter sind die 5-HT2A-Rezeptoren im Inneren der Neurone allerdings unerreichbar, da er nicht in die Zelle eindringen kann. Psychedelika wie DMT können das aber sehr wohl, wie das Team um David Olson von der University of California in Davis 2023 im Wissenschaftsmagazin »Science« schrieb. Damit war ein großes Rätsel gelöst, das viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler umgetrieben hatte. Lange Zeit wusste man nämlich nicht, weshalb nur einige der Substanzen, die sich prinzipiell an 5-HT2A-Rezeptoren heften können, Neuroplastizität fördern. Die Lösung: Nicht jeder der Stoffe überwindet die Zellmembran. Doch nur, wenn der Rezeptor in der Zelle aktiviert wird, starten Neurone ihre Reparaturprogramme und treiben das Wachstum ihrer Ausläufer voran. Und das könnte erklären, warum Psychedelika wie Ketamin, Psilocybin oder eben DMT bei bestimmten psychischen Erkrankungen wie Depressionen helfen können.

Vielleicht ist das auch der Grund, wieso der Körper selbst DMT produziert: Es könnte – so vermutet Barker – eine Rolle beim ständigen Reparieren des Gehirns spielen: bei Trauma, Stress, Alterungsprozessen, Hirnschäden oder neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer. Und möglicherweise treibt dieser Wachstums- und Vernetzungsschub unsere Kreativität und Vorstellungskraft an, so der Hirnforscher. Das könnte sogar erklären, warum wir, wenn es kurz vor dem Tod zu einer endogenen Überdosis kommt, unser ganzes Leben wie einen Film vor Augen sehen. »Das Gehirn wird mit einer gewaltigen Menge eines Neurotransmitters überflutet, der das Wachstum von Nervenzellen und die Bildung von Dendriten steuert«, so Barker. Außerdem gelangt DMT so vermutlich in Hirnareale, in denen es normalerweise kaum vorkommt. Das löst dann womöglich solche außergewöhnlichen Erfahrungen aus.

Wie kann man DMT nutzen?

Wenn DMT einen handfesten Nutzen im Gehirn hat, könnte man ihn sich nicht für die Therapie verschiedener Leiden zunutze machen? Ein denkbares Einsatzgebiet deutet sich in den Experimenten von Attila Szabo an: DMT könnte bei Infarkten helfen, Hirngewebe vor den Folgen des Sauerstoffmangels zu schützen. In Kanada testet eine Pharmafirma diesen Ansatz in einer klinischen Studie. Ein weiterer Anwendungsbereich ist die Behandlung psychischer Störungen. Andere Psychedelika werden hier bereits beim Menschen intensiv getestet. David Olson und seine Kollegen konnten zum Beispiel nachweisen, dass DMT bei Ratten depressives und ängstliches Verhalten reduziert. Zwar löste das Halluzinogen anfangs Angstreaktionen aus, doch langfristig wirkten die Tiere deutlich weniger ängstlich und waren aktiver – ein Effekt, der auch von klassischen Antidepressiva bekannt ist.

Studien an Menschen haben gezeigt, dass Ayahuasca bei der Behandlung von Drogenabhängigkeit, Angst- und Stimmungsstörungen helfen kann. Die meisten Untersuchungen dieser Art basieren jedoch auf kleinen Stichproben, und es mangelt an adäquaten Kontrollgruppen. Außerdem könnte die Wirkung von Ayahuasca auf andere chemische Komponenten zurückgehen, nicht allein auf DMT.

Wenn DMT in meinem Körper vorkommt, kann ich mich damit dann selbst auf einen Trip schicken?

Reines DMT testet man derzeit in klinischen Studien gegen therapieresistente Depressionen. Allerdings ist auch hier die Teilnehmerzahl klein und die Aussagekraft dementsprechend eingeschränkt.

Dennoch nimmt die DMT-Forschung nach jahrelanger Zwangspause wieder Fahrt auf. Das Team um David Olson versucht derzeit, den Stoff chemisch so zu verändern, dass er zwar noch therapeutisch wirksam ist, aber keinen psychedelischen Effekt mehr hat.

Zum Schluss bleibt eine Frage: Wenn DMT in meinem Körper vorkommt, kann ich seine Produktion dann steigern und mich damit selbst auf einen Trip schicken? Ob das möglich ist, sei nicht bekannt, sagt Jon Dean. Stress und Sauerstoffmangel fördern die Ausschüttung, vielleicht auch Atemübungen oder mehrtägige Dunkel-Retreats. Alternativ könnte man sterben – doch selbst die eindrucksvollste psychedelische Erfahrung dürfte das wohl kaum wert sein.

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  • Quellen

Dean, J. G. et al., Scientific Reports 10.1038/s41598–019–45812-w, 2019

Falchi-Carvalho, M. et al., Neuropsychopharmacology 10.1038/s41386–025–02091–6, 2025

Glynos, N. G. et al., Scientific Reports 10.1038/s41598–023–27538-y, 2023

Nordai, S. et al., Experimental Neurology 10.1016/j.expneurol.2020.113245, 2020

Vargas, M. V. et al., Science 10.1126/science.adf0435, 2023

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