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Astronomie in 3-D: Sternenexplosion zum Ausdrucken und Anfassen

Eine Explosionswolke in tausenden Lichtjahren Entfernung wird viel anschaulicher, wenn man sie in die Hand nehmen kann. Das geht nun dank moderner Technik.
3-D-Modell der Eta-Carinae-Wolke

Ein gigantischer Masseauswurf hat das dem Untergang geweihte Doppelsternsystem Eta Carinae Mitte des 19. Jahrhunderts kurz zum zweithellsten Stern am Himmel werden lassen. Seitdem blähen sich die Gas- und Staubtrümmerbruchstücke des Ausbruchs zu einer noch immer expandierenden, höchst ansehnlichen Wolke, die Sternfreunde als Homunkulusnebel am Südhimmel kennen. Viel anschaulicher noch als durch das Fernrohr wird die Massewolke nun mit Hilfe eines internationalen Astronomenteams, dem Very Large Teleskop, einigen intensiven Rechnerstunden und einem 3-D-Drucker. Zusammen sorgen sie dafür, dass jeder Interessierte die Materiewolke nun als 3-D-Modell ausdrucken und anfassen kann.

Die Daten für das Modells stammen aus zwei Beobachtungsnächten, in denen die Astronomen die Eta-Carinae-Wolke mit dem Very Large Telescope der Südsternwarte im nahinfraroten, sichtbaren und ultravioletten Wellenlängenbereich detailliert in hoher Auflösung vermessen haben. Man erkennt am nachgebauten und dreidimensional gedruckten Homunkulusnebel nun zum Beispiel ganz plastisch, welchen Einfluss die Doppelsternnatur des Systems auf die Form der expandierenden Trümmerwolke hat, erklären die Forscher. Die Druckdaten finden sich frei verfügbar zum Herunterladen und Ausprobieren. "Jeder mit Zugang zu einem 3-D-Drucker kann nun seine eigene Version herstellen. Das ist ein tolles Visualisierungswerkzeug für alle Astronomie-Interessierten, vielleicht besonders auch für blinde Menschen", fasst Teammitglied Theodore Gull zusammen.

3-D-Modell und Homunkulusnebel | Am im 3-D-gedruckten Modell des Homunkulusnebels erkennt man gut Vorsprünge, Dellen, Rillen und Einbuchtungen der asymmetrischen "echten" Ausbruchwolke. Zwei vorspringende Bereiche (Protrusion) liegen neben einem Staubgürtel (dust belt) in der Nähe des Nebelzentrums (siehe eingeklinktes Bild, aufgenommen im sichtbaren Wellenlängenbereich). Dieser ist nicht im Modell eingearbeitet.

Eta Carinae ist in vielerlei Hinsicht ein hochspannendes Objekt – in der Gas- und Staubwolke des Homunkulusnebels umkreisen ein Stern von etwa 30 Sonnenmassen und ein Riese von 90 Sonnenmassen einen gemeinsamen Schwerpunkt. Das alte Binärsystem steht nun am Ende seines Lebens, das mit einer sicher spektakulären Supernova-Explosion kommen wird – oder vielleicht schon gekommen ist: Das Licht des System braucht 7500 Jahre, bis es die Erde erreicht und die hiesigen Astronomen über "aktuelle" Entwicklungen informiert.

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