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Artenschutz

Stieglitz ist Vogel des Jahres 2016

Er bevorzugt Samen von Wildblumen als Nahrung, doch diese haben in der Agrarlandschaft kaum mehr Platz. Bieten Städte dem Stieglitz eine Zuflucht?
Distelfink

Ein rot-schwarz-weißes Gesicht, gelbe Flügeldecken – der Stieglitz (Carduelis carduelis), auch Distelfink genannt, gehört zu den hübschesten heimischen Singvögeln. Wie sein Zweitname bereits andeutet, ernährt er sich bevorzugt von den Samen verschiedener Blütenpflanzen, Gräser und Bäume, doch leidet er in der offenen Agrarlandschaft zunehmend unter Nahrungsmangel: Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern und der Naturschutzbund Deutschlands ernannten ihn daher symbolisch für viele andere davon betroffene Arten zum Vogel des Jahres 2016. Seit 1994 seien 90 Prozent der Brachflächen und artenreichen Randstreifen in der Kulturlandschaft verschwunden, so die beiden Organisationen in ihrer Stellungnahme. Insgesamt gilt die Art noch nicht als gefährdet; allein in Bayern leben mindestens 50 000 Brutpaare. Doch ihr Bestandstrend ist Besorgnis erregend: Die Zahl dieser Singvögel habe sich laut Zählungen des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten von 1990 bis 2013 um fast die Hälfte reduziert.

Wie bei vielen anderen Tierarten zu beobachten, weichen die Distelfinken daher verstärkt in den Siedlungsraum aus: Wiederum in Bayern leben fast zwei Drittel aller Stieglitze in Städten und Dörfern. Allerdings verringert sich dort das Futterangebot ebenfalls, da innerstädtische Brachen bebaut und Grünanlagen intensiv gepflegt werden. Dabei könnten schon wenige Maßnahmen den Vögeln helfen, so die beiden Naturschutzorganisationen: Heimische Wildkräuter oder Sonnenblumen im Garten liefern die nötigen Samen, sofern man die Pflanzen nach dem Verblühen nicht sofort abschneidet und entsorgt. Dann finden sich die Stieglitze oft in größeren Gruppen ein, um zu fressen – als Farbtupfer im Herbst und Winter.

41/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 41/2015

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