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Verhaltensforschung: Stimmwunder in der Savanne

Ob Flöten, Quaken, Zirpen oder Trompeten - jede Tierart ist eindeutig an ihren charakteristischen Lautäußerungen zu identifizieren. Jede? Mitnichten, denn einige Vertreter der Afrikanischen Elefanten entpuppen sich überraschend als begabte Stimmenimitatoren.
<i>Loxodonta africana</i>
Geräusche täuschend echt nachzumachen, ist eine Kunst – auch im Tierreich. Unter den Säugetieren existieren nur wenige Spezies, die ihre Lautäußerungen als Reaktion auf aufgeschnappte Hörproben modifizieren können. So bedienen sich einige Meeressäuger zur Eigenwerbung in Sachen Fortpflanzung der Stimmenimitation: Männliche Buckelwale kopieren ihre komplexen Gesänge voneinander, sodass schließlich alle Individuen in einem Gebiet dieselbe Partitur ertönen lassen. Auch Singvögel ahmen sich gegenseitig nach, indem sie fremde Strophen oder gar ganze Lieder in ihr Repertoire einflechten.

Loxodonta africana | Der Afrikanische Elefant (Loxodonta africana) vermag Geräusche zu lernen und nachzuahmen, wie zwei Fallbeispiele belegen: Während das Weibchen Mlaika Lastwagen-Lärm imitiert, kopiert das Männchen Calimero die zirpenden Rufe der asiatischen Verwandten.
Nun reihen sich ebenfalls Afrikanische Elefanten (Loxodonta africana) in den kleinen Kreis der "sprachbegabten" Tiere ein, wie Joyce Poole vom Amboseli Trust for Elephants und ihre Kollegen bei zwei Angehörigen dieser Art entdeckten. Fall eins: Die zehnjährige erwachsene Elefantendame Mlaika lebt in einer Gruppe verwaister Artgenossen in Tsavo, Kenia. Nachts zieht sie sich in ein umzäuntes Gebiet zurück, das drei Kilometer von der Autobahn Nairobi-Mombasa entfernt liegt. Bei dieser kurzen Distanz erstaunt es nicht, dass der Straßenlärm manchmal zu der Herde der grauen Riesen herüber dringt.

Erstaunlich ist hingegen, was Mlaika einige Stunden nach Sonnenuntergang – in der afrikanischen Savanne die optimale Zeit für das Übermitteln von Geräuschen niedriger Frequenz – so von sich gibt: Sie dröhnt wie ein Lkw.

Wie die Analyse ihrer aufgezeichneten Laute enthüllte, unterschieden sich die eigenwilligen Rufe der Elefantendame sowohl in der Dauer als auch in der minimalen und maximalen Frequenz von denen ihrer normalen erwachsenen und jugendlichen Artgenossen sowie den Kälbern. Offenbar nutzte Mlaika allgemeine Kennzeichen der "Brummilaute" als Vorbild für ihre Stimmenimitation. Denn ihre Rufe glichen den Lastwagen-Geräuschen, welche die Forscher zeitgleich aufzeichneten, nicht mehr als jenen Lkw-Lauten, die zu anderen Zeitpunkten zu hören waren.

Fall zwei: Calimero, ein 23-jähriger männlicher Afrikanischer Elefant, verbrachte 18 Jahre seines Lebens zusammen mit zwei weiblichen Asiatischen Elefanten (Elephas maximus) im Baseler Zoo. Und diese Zeit hat offensichtlich auch seine Stimme geprägt. Denn er ahmt nunmehr fast ausschließlich die Zirpgeräusche nach, mit denen sich die Asiatischen Elefanten – nicht aber ihre afrikanischen Verwandten – gewöhnlich untereinander verständigen. Nur selten gibt er andere Rufe von sich.

Und auch Calimeros zwitschernde Laute unterschieden sich in der Länge nicht merklich von den Originaltönen seiner asiatischen Lebensgefährtinnen. In jeder Hinsicht wichen sie indes von den typischen Geräuschen ab, mit denen Erwachsene, Jungtiere und Kälber des Afrikanischen Elefanten kommunizieren.

Die Stimmenimitation – eine Fähigkeit von Primaten, Vögeln, Fledermäusen und Meeressäugern – wird vermutlich in komplexen sozialen Gruppen genutzt, um die Bande zwischen Individuen zu stärken und aufrecht zu erhalten, wenn sich die Mitglieder trennen und wieder vereinigen. Der Fall von Calimero folgt einem Muster, das häufig bei stimmlich lernbegabten Arten zu beobachten ist: Gehen die Tiere soziale Bindungen ein, so nähern sich ihre Rufe einander an.

"Das Stimmenlernen ermöglicht ein flexibles und offenes Kommunikationssystem", kommentieren die Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse, "in dem die Tiere artfremde Signale nachahmen, wie der Lastwagen imitierende Elefant beweist."

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