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Exotische Riesenviren: Stoffwechsel-Enzyme in Virengenom entdeckt

Eine bisher einzigartige Entdeckung verwischt die Grenze zwischen Viren und Zellen weiter. Ein neues Virus trägt das Werkzeug für die Gärung.
Riesenviren

Viren gelten bisher als nicht wirklich lebendig – unter anderem weil sie weder essen noch ausscheiden. Sie müssen ihren Stoffwechsel und damit jene Enzyme, die ihnen Energie und Baumaterialien bereitstellen, von Bakterien kapern. Doch eine neue Entdeckung stellt diese klare Unterscheidung in Frage. Wie Christopher R. Schvarcz und Grieg F. Steward von der University of Hawai‘i berichten, enthält das Erbgut des Virus TetV-1 vier Gene, die noch nie zuvor in Viren entdeckt wurden: Sie gehören nämlich zur Gärung, einem Teil des Stoffwechsels, der ohne Sauerstoff aus Zucker Energie gewinnt. So sind nicht nur zwei Enzyme kodiert, die Stoffwechselgene der Zelle aktivieren, sondern sogar zwei Proteine, die direkt Zuckerbausteine umsetzen. Die Entdeckung verwischt die scharfe Trennung zwischen Viren und zellulären Organismen weiter.

TetV-1 gehört zur Familie der Mimiviren, zu denen einige der größten bekannten Viren zählen; dieser Erreger ist zwar kleiner als die meisten seiner Verwandten, aber immer noch etwa doppelt so groß wie der Erreger der Grippe. Das Virus lebt im Meer und infiziert einzellige Algen. Außergewöhnlich machen es aber jene vier Proteine, die in Zellen zur Stoffwechselmaschinerie für die Gärung gehören und die deswegen in Viren nicht erwartet wurden. Unklar ist allerdings noch, was der Erreger mit den Molekülen macht. Womöglich zwingt TetV-1 seinen Wirt, mehr Energie zur Vermehrung der Viren zu erzeugen. Möglich ist aber auch, dass die Enzyme einen ganz anderen Zweck erfüllen, zum Beispiel, indem sie die Zelle durch osmotischen Druck platzen lassen oder die Zellwand zerstören, um die Viren freizusetzen.

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