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News: Strahlen verhindern 'Gefäßblockade'

Die Aufdehnung verengter Arterien durch Ballonkatheter hat sich in den vergangenen Jahren sowohl in der Kardiologie als auch bei der Behandlung sonstiger Stenosen durchgesetzt. Allerdings kommt es in der Folge bei bis zu 50 Prozent der Betroffenen zu einer neuerlichen Verengung der betroffenen Arterie. Ein Team am Boltzmann-Institut für Strahlentherapie am Wiener Donauspital (SMZ-Ost) will das durch eine kurze, lokale und ungefährliche Anwendung von Strahlenkathetern verhindern.
"Bei der Aufdehnung einer verengten Arterie mit einem aufblasbaren Ballon entsteht ein Trauma an der Gefäßwand (Intima-Schicht). In atherosklerotischen Plaques ('Verkalkungen') kommt es zu Rissen. Andere Faktoren für das Wiederauftreten einer Stenose sind eine überschießende Produktion von Wachstumsfaktoren in den Zellen der Gefäßwand und die Elastizität der Gefäßwand, welche die Arterie wieder zugehen lassen kann", erklärte der Leiter des Instituts, der Radioonkologe Univ.-Doz. Dr. Robert Hawliczek.

Was das für Patienten mit Arterien-Verengungen am Herzen bzw. an den Beinen bedeutet: Die Ballon-Dilatation (PTA bzw. PTCA beim Herz) muß wiederholt werden. Das Einfügen von Drahtnetz-Röhren in die aufgedehnten Abschnitte einer Arterie (Stents) sind auch nicht die Ideallösung.

Die Strahlen-Fachleute wollen dafür eine mögliche Lösung bieten. Hawliczek: "Mit einer lokalen kurzzeitigen Strahlentherapie kann man die Rate neuerlicher Gefäßverschlüsse von 50 Prozent auf 25 Prozent reduzieren." Das haben erste Studien gezeigt.

Bei der Behandlung erfolgt im Rahmen einer Ballon-Dilatation auch noch zusätzlich eine lokale Strahlenbehandlung der betroffenen Arterie. Ein ferngesteuerter Katheter mit einer Punktquelle von Iridium-192 wird schrittweise durch die ehemalige Engstelle bewegt. Durch die Strahlung unterbleibt in der Folge die Vermehrung (Proliferation) der Zellen in der Gefäßwand, die zum Wiederverschluß führen könnte. In Deutschalnd gelang es dadurch in Kombination mit Stents, die Rückfallsrate gar auf nur noch fünf Prozent zu senken.

Ein Problem: Iridium-192 ist ein Gamma-Strahler. Deshalb ist die Anwendung aufgrund des erforderlichen Strahlenschutzes kompliziert. Eine Alternative könnte Yttrium-90 sein. Die abgegebene Beta-Strahlung verliert mit der Entfernung sehr rasch an Strahlenintensität. Statt der automatischen Behandlung im "Bunker" braucht der Arzt nur eine normale Bleischürze.

Dafür wird die Dosierung der Strahlen schwieriger. Doch hier hat der am SMZ-Ost tätige Krankenhausphysiker Dr. Werner Schmidt gemeinsam mit dem Forschungszentrum Seibersdorf ein neues Geräte-System entwickelt.

Derzeit befindet sich am SMZ-Ost eine Studie in Vorbereitung, bei der 30 Patienten mit Stenosen im Unterschenkelbereich behandelt werden sollen. Zeigt sich an den Behandelten, daß man damit die Restenose-Rate im Vergleich zu anderen Patienten deutlich senken kann, wollen die Strahlentherapeuten das Verfahren auch an Kranken mit Verengungen der Herzkranzgefäße erproben.

Hawliczek: "Die größten Vorteile liegen darin, daß diese Strahlentherapie kurzfristig, vergleichsweise einfach und völlig ohne Nebenwirkungen ist." Sonst in dieser Hinsicht verfolgte Konzepte – Gentherapie oder besondere Stents – sind da schon schwieriger.

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