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Wale: Strandfossil entpuppt sich als kleine Sensation

Zwergglattwale sind anatomisch außergewöhnlich. Und sie gehören zu einer sonst ausgestorbenen Familie. Ein fossiles Ohrknöchelchen könnte die Beziehung aufklären.
Fossiles Ohrknöchelchen eines Zwergglattwals

Der Zwergglattwal (Caperea marginata) ist in mehrerlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Bartenwal: Er ist nicht nur der kleinste Vertreter dieser Meeressäuger, sondern unterscheidet sich auch anatomisch stark. Beispielsweise hält er sich seltener in der Nähe der Wasseroberfläche auf, weshalb Biologen auch wenig über sein Verhalten wissen. Dafür verfügt er über eine sehr gute visuelle Wahrnehmung, da seine Augen gut an schlechte Lichtverhältnisse angepasst sind. Und statt aus Rippen, wie wir sie kennen, besteht sein Brustkorb aus einer Serie von 34 sich überlappenden flachen Knochenblättern. Der Brustkorb gleicht damit eher einem geschlossenen Schild, der womöglich so stabil ist, damit er die kräftigen Muskeln der Fluke halten kann. Auf Grund dieser Unterschiede zu anderen Bartenwalen wie Blau- oder Finnwalen rechnen manche Biologen die Art deshalb zu der sonst ausgestorbenen Familie der Cetotheriidae. Die Analyse eines außergewöhnlichen Fossilfunds in Australien könnte die Entwicklungsgeschichte der Art jedenfalls neu schreiben, so Erich Fitzgerald von den Museums Victoria in »PeerJ«.

Es handelt sich dabei um ein sechs Millionen Jahre altes Ohrknöchelchen – den ältesten fossilen Nachweis für diese Walgattung. Gefunden wurde das Relikt in einer strandnahen Fossilienstätte namens Beaumaris, einem Vorort von Melbourne, dessen untere Lagen durch den Meeresspiegelanstieg gefährdet sind. Immer wieder entdecken hier selbst Amateursammler versteinerte Überreste, die für die Entwicklungsgeschichte von Pinguinen, Delfinen und Walen wichtig sind. Hier wurden zudem sogar Fossilien von Pelagornis ausgegraben, einem der größten Vögel, die je gelebt haben.

Zwergglattwal | Diese Art ist womöglich der letzte Überlebende einer urtümlichen Walfamilie.

Das fossile Ohrknöchelchen wurde bereits in den 1950er Jahren gefunden und als Überrest eines Wals identifiziert. Die genaue Zuordnung erfolgte allerdings erst jetzt durch Fitzgerald und sein Team. Der Fund bestätige die These, wonach die Zwergglattwale in den Ozeanen der Südhalbkugel entstanden sind; und dort haben sie noch heute ihren Verbreitungsschwerpunkt, so die Biologen. 2017 wurden jedoch zwei Fossilien aus Italien und Japan mit einem Alter von 500 000 bis zwei Millionen Jahren beschrieben, die ebenfalls Caperea marginata zugeschrieben werden – die ersten beiden Nachweise aus der Nordhalbkugel. Vielleicht verlagerten die Wale während globaler Kaltzeiten ihre Verbreitungsgebiete nordwärts. Diese Wale sind gut an kalte Bedingungen angepasst und meiden nach bisherigem Kenntnisstand die tropischen Gewässer. Warum sie jedoch in den nördlichen Meeresregionen ausstarben, ist bislang Spekulation. DNA-Analysen legen nahe, dass die Zwergglattwale vor ungefähr 22 bis 26 Millionen Jahren entstanden sind.

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