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News: Streifjagd

Querstreifen machen dick - nicht nur optisch: Das aparte Muster sichert Spinnen pralle Netze und somit ein wohlgerundetes Bäuchlein.
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Wer seiner Beute nicht hinterher rennt, sondern einfach nur da sitzt und darauf wartet, sollte sich gut verstecken – sonst schlägt der Leckerbissen einen anderen Weg ein, oder man wird selbst zur Zwischenmahlzeit. Ein unauffälliges Auftreten ist also gefragt: zurückhaltende Farben, keine außergewöhnlichen Formen, ein unaufdringliches Benehmen.

Wie so viele andere, hat auch Gasteracantha fornicata, eine australische Radnetzspinne, diesen Knigge der Lauerjägerkultur offenbar nicht gelesen. Schick schwarz-gelb gestreift und mit ausgeprägtem Spitzenbesatz thront sie in ihrem Netz – und macht trotzdem fette Beute.

Lockt der Sträflingslook womöglich das fliegende Futter herbei? Oder dient er nur als Umleitungsschild, das größer geratene Tiere einen Bogen um das Hindernis machen lässt? Denn je seltener Reparaturarbeiten fällig sind, desto umfangreicher fällt natürlich die Jagdausbeute aus. Vielleicht soll das Streifenkleid auch nur einen möglichen Räuber warnen, dass er hier einen harten, stachligen und somit ungenießbaren Happen vor sich hat. Oder Querstreifen sind in Spinnenmännchenaugen ganz besonders sexy.

Um die Streifen mal auf den Punkt zu bringen, rückte Mark Hauber von der Cornell University 21 Spinnen mit einem schwarzen Filzstift zu Leibe. Zurück im Netz verharrten die einen Zentimeter großen Tiere zunächst geschockt, dann kehrten sie jedoch ins Zentrum ihre seidigen Heimat zurück. Drei Individuen allerdings schienen sich mit ihrem neuen Aussehen nicht anfreunden zu können, sie verschwanden auf Nimmerwiedersehen wohl im angrenzenden Gebüsch – oder im Magen eines hungrigen Vogels.

Ihrer Farbenpracht beraubt, brachen harte Zeiten für die Verbliebenen an: Schon eine gute Stunde später sah es in ihrer Speisekammer deutlich magerer aus als zuvor. Und dabei waren ihre Netze genauso heil oder zerrissen wie die ihrer gestreiften Nachbarn – also machten nicht die Räuber, sondern die Beute nun eine große Kurve um die klebrige Falle.

Aber was macht das gelb-schwarze Streifenkleid nur so verführerisch für die kleinen Beutetiere? Vielleicht ähnelt es Blüten, in denen die Insekten ihrerseits Leckerbissen erwarten. Oder es reflektiert im UV-Bereich, das Fliegen zum Beispiel eine Waldlichtung signalisiert, wo sie sich deutlich wohler fühlen als im dichten Gebüsch. Jedenfalls postieren sich die Spinnen so, dass ihre Tracht stets gut sichtbar für umherirrende passende Mahlzeiten in spe ist – die dann auch tatsächlich in den Fängen des Netzes landen. Ob unsere ebenfalls streifenfreudige Wespenspinne (Argiope bruennichi) denselben Trick verwendet?

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