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News: Streitschlichtung unter Klimaforschern

Steigt die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre, steigt auch die globale Temperatur. Doch Biomasse und Ozeane lindern diesen Effekt, indem sie einen Teil der Emissionen aufnehmen. Was unter dem Strich zu erwarten ist, darüber sind sich die zahlreichen Arbeitsgruppen höchst uneins. Doch eine genaue Betrachtung unterschiedlicher methodischer Ansätze zeigte jetzt, dass sie letztlich alle zu ganz ähnlichen Ergebnissen führen - Ergebnisse, die die Diskussionen versachlichen könnten, wenngleich die Zahlen pessimistisch stimmen.
Das Thema ist in aller Munde, wohl weil es kaum eines gibt, über das es sich trefflicher streiten ließe. Gemeint sind die Folgen der Kohlendioxidemissionen. Beinahe täglich sind Meldungen zu lesen, in denen über Ursachen, Wirkungen und Gegenmaßnahmen geschrieben wird. Dabei widersprechen sich die Forscher, die mit unterschiedlichen Methoden versuchen, die Kohlenstoffkreisläufe zu bilanzieren. Jetzt haben 23 Forscher einen Beitrag veröffentlicht, der eines zum Ziel hatte: die Streitschlichtung zwischen denen, die direkte Messungen in der Atmosphäre vornehmen, und denen, die die Kohlenstoffbindung vom vegetationsgeografischen Gesichtspunkt aus betrachten. Ein bedeutsames Ziel, denn im Mittelpunkt stehen die USA und ihre Rolle im globalen Kohlenstoffhaushalt.

Dementsprechend uneins waren die Wissenschaftler dann auch, bevor sie sich zusammentaten. So verlautbarten Forscher 1998 auf der Basis atmosphärischer Daten, dass die Vegetation vom südlichen Kanada bis nach Mexiko in jedem Jahr rund 1,4 Milliarden Tonnen CO2 bindet - ein Vielfaches dessen, was die Abschätzung auf Basis des pflanzlichen CO2-Bindungsvermögens ergab.

1,4 Milliarden Tonnen CO2-Fixierung, das ist eine beruhigende Zahl, schließlich entspricht sie ziemlich genau der Menge, die die USA in jedem Jahr in die Atmosphäre bläst. Doch die Studie traf auf heftige Kritik und war für zahlreiche Arbeitsgruppen Anlass, sich endlich zusammenzuraufen, um ihre Forschungsergebnisse systematisch zu überprüfen. Und so führten die Forscher unter der Leitung von Stephen Pacala von der Princeton University die Ergebnisse 27 verschiedener atmosphärischer Methoden mit detaillierten vegetationsgeografischen Analysen zusammen - und zwar einheitlich für den Zeitraum von 1980 bis 1989 in 48 Bundesstaaten.

Das Ergebnis dieser umfangreichen Studie überrascht vor allem durch die Erkenntnis, dass die unterschiedlichen Arbeitsgruppen viel näher beieinander liegen als bisher angenommen. Ja, wenn man sämtliche Methoden betrachtet und ihre möglichen Fehlergrenzen absteckt, dann bewegen sich die Ergebnisse aller Arbeitsgruppen letztlich im Rahmen methodischer Toleranzen.

Gemäß dieser Studie vermag die nordamerikanische Vegetation zwischen 330 und 660 Millionen Tonnen CO2 zu binden. Das ist mehr als in allen bisher veröffentlichten Ergebnisse auf der Basis pflanzenkundlicher Untersuchungen, aber weit weniger als in jenen 1998 publizierten Bilanzen.

Für einen Großteil dieser CO2-Bindung ist die zunehmende Vegetation Nordamerikas verantwortlich, und ihr wirksamerer Schutz vor Waldbränden. Flächen, die im 19. und 20. Jahrhundert umfangreichen Rodungen zum Opfer fielen, werden nun zum Teil von der natürlichen Vegetation zurück erobert. Kohlendioxid, das seinerzeit in die Atmosphäre gelangte, wird jetzt erneut gebunden. Doch in 50 oder 100 Jahren werden die Verhältnisse wieder ausgeglichen sein. Dieser Puffer wird verschwinden und in ein neues Gleichgewicht zwischen nachwachsender und absterbender Vegetation münden.

Schon jetzt produzieren die USA einen Überschuss von 800 Millionen und 1,1 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Diese CO2-Menge akkumuliert in der Atmosphäre, weil sie die Pufferkapazitäten überschreitet. Und während die Kohlenstoffsenken in Zukunft schwinden, steigen die Kohlendioxid-Emissionen nach wie vor an. Das Treibhausproblem wird drängender und drängender.

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