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Hormone: Stresshormon hilft bei Phobien

Spinnenphobikers Albtraum
Das körpereigene Stresshormon Kortisol kann phobische Reaktionen reduzieren, berichten Wissenschaftler der Universität Zürich nach Verhaltensexperimenten mit Freiwilligen.

Die Forscher um Dominique de Quervain hatten Testteilnehmern mit einer sozialen Phobie vor einem frei zu haltenden Vortrag Kortison-Tabletten verabreicht. Die Angst der Behandelten beim Vortragen sank durch den Wirkstoff – eine Vorstufe des Stresshormons Kortisol – daraufhin deutlich. Zudem fanden die Forscher Hinweise dafür, dass Personen, die aufgrund der gefürchteten Situation mit einer hohen körpereigenen Kortisolausschüttung reagieren, auch weniger Angst entwickeln.

Ferner wurde bei einer Gruppe von 20 Personen mit Spinnenphobie wiederholt Kortisol verabreicht, bevor ihnen Fotos mit Spinnen präsentiert wurden. Verglichen mit einem Scheinpräparat führte die Kortisolbehandlung schrittweise zu einem Nachlassen der Angst. Die furchtlösende Wirkung war selbst zwei Tage nach der letzten Einnahme von Kortisol noch zu beobachten. Offenbar blockiert ein Kortisol-Überschuss die Abfrage von negativen Gedächtnisinhalten, spekulieren die Wissenschaftler.

Phobien wie die Spinnenphobie oder die soziale Phobie sind weit verbreitet. Gemeinsames Merkmal aller Phobien ist eine ausgeprägte und unverhältnismäßige Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen, wie etwa beim Betrachten einer Spinne oder – bei der sozialen Phobie – etwa beim Halten eines öffentlichen Vortrages.

Weitere Studien sind nun geplant, um die klinische Bedeutung der Befunde zu überprüfen und die Wirkung von Kortisol in Kombination mit Verhaltenstherapie zu untersuchen.

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