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News: Strophenspeicher

Stare gehören zu den Singvögeln, die ein äußerst vielseitiges musikalisches Repertoire beherrschen und dabei auch vor der Imitation anderer Vogelstimmen nicht zurückschrecken. Abgespeichert werden die unterschiedlichen Motive ihres Gesangs von kleinen Gruppen einzelner Nervenzellen.
<i>Sturnus vulgaris</i>
Es knarrt, knirscht, quietscht, schmatzt, schnalzt und pfeift. Jetzt klingt es wie das Flöten einer Amsel, dann wie das Ziepen einer Drossel, schließlich erinnert es an das Brummen eines Rasenmähers. Der Europäische Star (Sturnus vulgaris) ist ein sangesfreudiger Zeitgenosse, der die Abwechslung liebt. Sein Gesang besteht aus vielen, unterschiedlichen Motiven, die er immer wieder variiert und neu zusammensetzt. Dabei versteht er es, andere Vogelstimmen oder auch Geräusche – wie zum Beispiel das eines Rasenmähers – in sein Repertoire zu integrieren.

All diese Motive muss der Vogel in seinem Gehirn abspeichern und bei Bedarf abrufen. Der Speicherort ist der Wissenschaft bereits bekannt: Es handelt sich um das Hyperstriatum, jenen Teil des Vogelhirns, der Gesänge wahrnimmt und verarbeitet. Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass komplexe Netzwerke von Nervenzellen des Hyperstriatums die einzelnen Motive des Gesangs abspeichern.

Um diese Hypothese zu überprüfen, haben Timothy Gentner und Daniel Margoliash von der University of Chicago acht Staren – sechs Männchen und zwei Weibchen – zunächst unterschiedliche Gesänge beigebracht. Die Tiere sollten dabei mit ihrem Schnabel je nach gehörtem Gesang unterschiedliche Hebel betätigen; die richtige Wahl wurde mit einer Leckerei belohnt. Anschließend maßen die Forscher die Aktivität der Nervenzellen im Hyperstriatum ihrer Versuchstiere, während diese die erlernte Melodie, einen unbekannten Gesang oder vollkommen andere Geräusche zu hören bekamen.

Dabei konnten die beiden Wissenschaftler das erwartete Netzwerk feuernder Neuronen nicht aufspüren. Vielmehr wurden – je nach wiedererkanntem Gesangsmotiv – nur kleinere Gruppen von Nervenzellen, mitunter sogar nur vereinzelte Neuronen rege. Jede Strophe schien demnach im Gehirn der Vögel separat durch spezielle Nervenzellen abgespeichert zu sein.

Die Stare merken sich daher nicht den Gesang als Ganzes, sondern in Form einzelner Motive, repräsentiert durch einzelne Neuronen, spekulieren die Forscher. "[Diese Motive] sind die Bücher aus der Gedächtnisbibliothek des Stars", erläutert Margoliash. Aus Erfahrung und wohl auch aus persönlichen Vorlieben setzt der Vogel dann die Einzelteile seines Liedguts individuell zusammen – und es ertönt ein äußerst abwechslungsreiches Knarren, Knirschen, Quietschen, Schmatzen, Schnalzen und Pfeifen.

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