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Bathymetrie: Suche nach MH370 bringt Tiefseeforschung voran

Vergeblich fahndeten Suchmannschaften bislang nach dem verschollenen Flug MH370. Die dabei erfassten Daten zeigen Teile des Indischen Ozeans so detailliert wie nie.
Die Karte zeigt, wie detailreich das erfasste Suchgebiet verglichen mit der Umgebung abgetastet wurdeLaden...

Wenn kein Wunder mehr geschickt, dürfte das Schicksal von Flug MH370 wohl nie mehr aufgeklärt werden. Im März 2014 verschwand das malaysische Flugzeug aus ungeklärten Gründen von den Radarschirmen, nachdem es abrupt seinen Kurs gewechselt hat. Wahrscheinlich nach stundenlangem Irrflug stürzte es schließlich irgendwo in den Weiten des südlichen Indischen Ozeans ins Meer – und wurde anschließend jahrelang erfolglos von Schiffen und Flugzeugen aus gesucht. Immerhin: Wie Geoscience Australia in einer vorläufigen Bilanz bekannt gab, wurde damit ein riesiges Gebiet so detailliert wie nie zuvor abgetastet und der Tiefseegrund bemerkenswert genau erfasst. Die Auflösung der Daten ist so groß, dass nicht nur Unterwasserberge, Tiefseegräben oder Ebenen abgebildet wurden, sondern auch Schiffswracks und sogar einzelne Fässer oder Walskelette. Insgesamt wurden 120 000 Quadratkilometer bathymetrisch abgetastet.

© Geoscience Australia
Meeresboden im Indischen Ozean

Mit den Daten ließe sich womöglich die Fischerei in der Region optimieren und mehr über die erdgeschichtliche Entwicklung der ehemaligen Gondwana-Kontinente herausfinden, so die Hoffnung der beteiligten Wissenschaftler. Die neuen Karten haben eine 15-mal höhere Auflösung als die vorherigen Varianten: Sie zeigen zahlreiche Tiefseevulkane in einem Grabenbruchsystem, Gebirgsmassive, die es im Umfang mit dem Mount Everest aufnehmen können, und ausgedehnte Plateaus. Interessierte können sich die Daten auf einer eigens eingerichteten Seite herunterladen. "Wir schätzen, dass nur etwa 10 bis 15 Prozent der Tiefsee mit ähnlich modernen Methoden erfasst wurden, die wir für die Suche nach MH370 eingesetzt haben", so Stuart Minchin von Geoscience Australia.

Einen Konflikt könnte es deshalb zwischen Ökologen und Fischern geben, denn die Karten zeigen Unterwasserberge, die für den Fang besonders lukrativ sein könnten: Sie wirbeln nährstoffreiches Tiefenwasser auf, was Planktonwachstum fördert und zahlreiche Fischschwärme anlocken dürfte. Gesuchte Arten wie Tunfisch, Antarktisdorsch, Granatbarsch oder Dickkopf-Stachelmakrele finden sich hier bevorzugt ein.

Gegenwärtig ruht die Suche nach dem Flugzeug, das mit 239 Menschen an Bord abgestürzt ist. Sollten sich jedoch neue belastbare Hinweise ergeben, will die australische Regierung erneut Expeditionen losschicken. Verschiedene Experten vermuten jedoch, dass die Maschine weiter nördlich, außerhalb des bisherigen Zielraums, im Meer versunken ist. Das legen Simulationen nahe, in die unter anderem Driftbewegungen von drei angeschwemmten Wrackteilen eingeflossen sind, die an Küsten im westlichen Indischen Ozean auftauchten.

30/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 30/2017

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