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News: Super: Das Internationale Teleskoptreffen Vogelsberg 2007

Ein klarer Nachthimmel ohne Streulicht, zahlreiche Teleskope unterschiedlichster Bauart und Größe, die Gesellschaft vieler Gleichgesinnter sowie die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen: Für mehr als 600 Sternfreunde waren das die Ingredienzen für eine gelungene „Star Party“. Das 16. Internationale Teleskoptreffen Vogelsberg erwies sich als Volltreffer – nicht nur wegen des Wetters, sondern auch wegen des neuen Veranstaltungsortes im Campingpark Am Gederner See.
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Den Teilnehmern, die aus ganz Deutschland und einigen Nachbarländern zum ITV angereist waren, stand ein großes Areal etwas abseits des eigentlichen Campingbetriebes zur Verfügung. Der Platzwart hatte für optimale Bedingungen gesorgt: Die Beleuchtung in diesem Teil des Campingparks blieb ausgeschaltet, die Fenster des Sanitärgebäudes waren verdunkelt und er hatte einen angrenzenden Weg sperren lassen, damit keine vorbeifahrenden Autos mit ihren Scheinwerfern das Beobachtungsvergnügen trüben konnten.

Pünktlich zum offiziellen Beginn des ITV am Himmelfahrtstag stellte auch der Wettergott optimales Beobachtungswetter zur Verfügung: Der tagelange Regen hörte auf, die Wolken verzogen sich und die Sonne sandte ihre warmen und trocknenden Strahlen auf die Camper. Flugs waren die ersten Teleskope aufgebaut, mit Sonnenschutzfiltern ausgestattet und auf das Tagesgestirn ausgerichtet. „Protuberanzen bei ein Uhr und sechs Uhr“, schallte es über den Platz. Die Besitzer eines speziellen, mit H-Alpha-Filtern ausgestatteten Teleskops spielten gleich ihren Vorteil gegenüber den im Optischen beobachtenden Kollegen aus.

Ein erster Rundgang über das insgesamt 3,5 Hektar große Areal, das den Sternfreunden zur Verfügung stand, bot die Gelegenheit, die unterschiedlichsten Teleskope in Augenschein zu nehmen – viele von ihnen Selbstbauten. Auch einige Händler hatten sich eingefunden und priesen eine breite Palette an Fernrohren und Zubehörteilen an. Mancher Sternfreund ließ sich hier fachkundig beraten und erweiterte sein Instrumentarium zu einem günstigen Preis.

In der Dämmerung bot der Himmel bereits die nächsten Beobachtungsobjekte an: Wer sichtete als Erster die schmale Sichel des knapp 24 Stunden alten Mondes? Wem gelang es, Merkur zu erspähen? Unübersehbar hingegen glänzte die Venus als Abendstern über dem Wasser des Gederner Sees.

Je dunkler es wurde, desto stärker richtete sich die Aufmerksamkeit auf lichtschwächere Objekte. Sterne fünfter Größe waren mit bloßem Auge leicht auszumachen, mit etwas Mühe schaffte man 5,5 mag. Der Himmel über Gedern hält normalerweise noch bessere Sichtbedingungen bereit, doch die starke Feuchtigkeit in der Luft nach dem tagelangen Regen erlaubte diesmal nicht mehr. Doch mit einem der Teleskope vor dem Auge war alles kein Problem. Vor allem die aus dem Norden angereisten Sternfreunde waren begeistert: „Schon lange keine so klare und dunkle Nacht mehr gehabt.“ Nur die Süddeutschen schränkten ein: „Aus Kärnten bin ich Besseres gewohnt.“

Naturgemäß bildeten sich vor den größten Teleskopen die längsten Schlangen. Jeder wollte mal durch Raffael Benners 30-Zoll-Dobson schauen. Wann hat man schon mal Gelegenheit, mit einem 75-cm-Spiegel den Himmel zu beobachten? Der Blick auf Saturn überzeugte mich noch nicht – aber da war es auch noch nicht richtig dunkel. Es wäre unfair, diesen Anblick des Ringplaneten im 30-Zöller mit einer späteren Beobachtung in einem kleineren, kommerziellen Instrument zu vergleichen. Um Mitternacht herum ließ mich Walther Meckstroth, der aus dem Ruhrgebiet anreiste, durch sein 25-Zoll-Dobson schauen. Der Anblick von M 51 haute mich fast von der Leiter: Klar und deutlich konnte ich die Spiralarme sehen sowie die Sternenbrücke zu der Begleitgalaxie NGC 5195. Allein dieser Anblick ist die Fahrt zum ITV wert gewesen.

Das Wetter blieb den rund 600 anwesenden Amateurastronomen fast bis zum Ende des ITV treu. Nur in der letzten Nacht, von Samstag auf Sonntag, zogen Wolken auf. Doch niemand grämte sich darüber, denn alle hatten ihre Erfolgserlebnisse gehabt.

Auch der Veranstalter des ITV, Martin Birkmaier von Intercon GmbH, zeigte sich äußerst zufrieden mit dem Verlauf des viertägigen Treffens und der Qualität des neuen Veranstaltungsortes. „Hier stimmt alles: die Infrastruktur, die Lage des Platzes, die Kooperation mit dem Platzwart und der Stadt Gedern. Hier gibt es keine Abzocke, sondern eine hervorragende Zusammenarbeit.“ Folgerichtig wird auch das 17. ITV im Campingpark Am Gederner See stattfinden, und zwar vom 1. bis 4. Mai 2008. Wer mag, kann bereits am 26. April anreisen.

Wer nicht am 16. ITV dabei sein konnte, dem mögen die Bilder in obenstehender Bildergalerie einen optischen Eindruck der gelungenen „Star Party“ im Vogelsberg bieten.

UR

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