Direkt zum Inhalt

Sinneswahrnehmung: Synästhesie sorgt für Farbaura um Personen

Wenn Menschen von einem Farbschein berichten, den sie um andere, ihnen nahe stehende Personen sehen, könnte es sich um Synästhesie handeln, berichten Forscher des University College London. Hierbei sorgt die Stimulation eines Sinnes auch für eine Reaktion eines anderen, sodass beispielsweise Zahlen mit Farben verknüpft sind oder Geräusche mit Geruchseindrücken.

Jamie Ward und ihre Kollegen hatten eine 19-Jährige genauer untersucht, die bei den Namen ihr bekannter Personen lebhafte Farbeindrücke erlebt. Dabei verfärbt sich beim Lesen der Wörter ihr gesamtes Gesichtsfeld, während sie die jeweiligen Menschen mit einer farbigen "Aura" wahrnimmt. Als sie außerdem gefühlsstarke Begriffe einordnen sollte, lösten diese ebenfalls Farberlebnisse aus. Positive Emotionen beschreibende Wörter weckten dabei Farbeindrücke in rosa, orange, gelb und grün, während Wörter negativer Emotionen braune, graue oder schwarze Farben hervorriefen.

Ein ähnlicher Fall wurde bereits in den 1930er Jahren beschrieben, als ein siebenjähriger Junge Fremde in hellem Orange mit einer schwarzen Umrandung sah, die sich zu blau und schließlich rosa wandelte, je besser er die Personen kennenlernte. Farbränder um Personen werden schon seit Jahrhunderten außerdem häufig von Menschen berichtet, die behaupten, sie könnten damit eine Art "Energiefeld" ihres Gegenübers wahrnehmen. Wahrscheinlich handele es sich auch hier häufiger um synästhetische Eindrücke, vermuten Ward und ihre Kollegen.

Synästhesie tritt bei einem von 2000 Menschen auf und scheint erblich zu sein. Forscher vermuten, dass sie durch eine Quervernetzung der Verarbeitungszentren verschiedener Sinne entsteht.
20.10.2004

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 20.10.2004

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos