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News: Täuschend anders

Was unterschiedlich ausschaut, sollte auch unterschiedlich sein, doch bisweilen täuscht allein die Perspektive. So schien es im All bisher mehrere Radioquellen zu geben: Radio-Galaxien, Quasare oder Seyfert-Galaxien. Doch in Wahrheit sind sie wohl ein und dasselbe und drehen uns immer nur eine andere Seite zu.
Schaut man mit dem optischen Teleskop in die Weiten des Weltraums, fallen sie gar nicht auf: die Radio-Galaxien. Denn sie erstrahlen nur im Frequenzbereich der Radiowellen. Im Gegensatz dazu leuchten die Quasare - die quasi-stellar radio sources - auch im sichtbaren Lichtspektrum. Und was so unterschiedlich strahlt, ist - das liegt nahe - von unterschiedlicher Natur. Deshalb gibt es seit langem eben jene zwei Bezeichnungen: Radio-Galaxie und Quasar.

Zwei Bezeichnungen, die aber offenbar ein und dasselbe darstellen. Das vermuten Forscher zwar schon eine ganze Weile, nur beweisen konnten sie es nicht. In beiden Fällen geht die heftige Radiostrahlung von der Materie aus, die in ein Schwarzes Loch stürzt. Und der Theorie zufolge strömt diese Materie von einem Ring aus in das schwarze Zentrum. Je nach Orientierung dieser Strukturen kann der direkte Blick auf das Zentrum also von dem Materie-Ring behindert sein. Nur aus einer senkrechten Position ließe sich dann die kräftige Strahlung erkennen, die bisher einen Quasar ausmachte. Ist der Blick durch den Materiering behindert, so glauben die Forscher, eine Radio-Galaxie im Visier zu haben.

Da sich Quasare und Radio-Galaxien also womöglich nur durch ihre Orentierung unterscheiden, konzentrierten sich Klaus Meisenheimer und seinen Kollegen vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg für die Beobachtung der infraroten Strahlung. Das Besondere an diesen Wellenlängen ist, dass sie ungehindert durch Staub- und Gaswolken dringen. Wenn Quasare und Radio-Galaxien also lediglich zwei Bezeichnungen für ein und dasselbe Objekt sind, dann sollten sie sich - egal, wie sie orientiert sind - im Infrarot-Spektrum nicht voneinander unterscheiden.

Das Infrared Space Observatory (ISO) der European Space Agency (ESA), das von November 1995 bis Mai 1998 die Erde umkreiste, war das erste und einzige Teleskop, mit dem sich der Himmel in diesem Bereich des Spektrums beobachten ließ.

Und tatsächlich zeigen die Daten des ISO-Photopolarimeter (ISOPHOT) von jeweils zehn Radio-Galaxien und Quasaren, dass beide im Infrarot-Bereich wie ein Ei dem anderen gleichen. Schon vermuten die Astronomen, dass sich auch die Seyfert-Galaxien nur in ihrem Blickwinkel von den Quasaren beziehungsweise Radio-Galaxien unterscheiden. Bei Seyfert-Galaxien handelt es sich um Spiralgalaxien, mit einem hellen und kompakten Kern - einem Schwarzen Loch also. Sie sind oft helle Röntgenquellen, aber nur schwache Radioquellen.

Schon freuen sich die Forscher auf das Jahr 2007, wenn mit der Herschel-Sonde ein noch leistungsfähigeres Infrarot-Teleskop ins All geschossen wird. Die rundum erfolgreiche ISO-Mission hatte gezeigt, wie bedeutsam Infrarot-Beobachtungen sind. Vielleicht werfen ja auch die Ergebnisse der neuen Herschel-Sonde dann erfreulicherweise weniger Fragen auf als sie beantworten.

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