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Unterwasserarchäologie: Taucher finden bislang ältestes See-Astrolabium

Vasco da Gama führte bei seiner Indienfahrt 1502 das seinerzeit modernste Navigationsequipment mit sich. Das belegt der Fund einer unscheinbaren Bronzescheibe.
Vorder- und Rückseite des AstrolabiumsLaden...

Unterwasserarchäologen haben das wahrscheinlich älteste bekannte See-Astrolabium der Welt gefunden. Es stammt aus dem Wrack der "Esmeralda", einem Schiff aus der Flotte von Vasco da Gama, das 1503 vor der Küste des Omans sank. Erst ein 3-D-Laserscan, den jetzt Forscher um Mark Williams von der University of Warwick durchführten, offenbarte die ursprüngliche Funktion der unscheinbaren Bronzescheibe: Bei dem Scan wurden regelmäßige Randmarkierungen im Abstand von fünf Grad sichtbar. Sie sind typisch für dieses Instrument.

Während die Ursprünge der Astrolabien selbst in der Antike liegen, wurden die stark vereinfachten See-Astrolabien erst Ende des 15. Jahrhunderts – also kurz bevor der portugiesische Entdecker sich zu seiner Fahrt nach Indien aufmachte – aus ihren astronomischen Pendants abgeleitet. Sie dienten dazu, die Höhe der Sonne über dem Horizont zu messen und dadurch den geografischen Breitengrad zu ermitteln. Die Geräte bestanden aus einer Scheibe mit Skala und einem in der Mitte fixierten Balken, der auf die Sonne oder einen Stern gerichtet wurde. Weil dieses Design zu windanfällig war, ersetzten Navigatoren in späterer Zeit die Scheibe durch einen Ring mit vier Speichen.

Das Instrument misst 17,5 Zentimeter im Durchmesser und trägt auf der einen Seite das Wappen Portugals und das von König Dom Manuel I. Da Vasco da Gama im Jahr 1502 aufbrach und Manuel I. 1495 gekrönt wurde, muss das Entstehungsjahr des Astrolabiums in dieser Zeitspanne liegen.

Weniger als 100 See-Astrolabien sind heutzutage erhalten. Das Exemplar aus der "Esmeralda" dürfte das mit Abstand älteste sein. Zum Vorschein kam es bereits im Jahr 2014, zusammen mit rund 3000 weiteren Artefakten. Fündig wurden Taucher um David Mearns von Blue Water Recovery, der mit seiner Firma berühmte historische Schiffswracks in aller Welt erforscht.

45/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 45/2017

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