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Klimawandel: Tausende Schmelzwasserseen in der Antarktis entdeckt

Im Sommer der Südhalbkugel taut auch das Eis in der Ostantarktis. In welchem Ausmaß das geschieht, überraschte Wissenschaftler dann doch.
Schmelzwassersee in der OstantarktisLaden...

Die Ostantarktis galt bislang als der letzte wirklich große Eisschild der Erde, der noch kaum vom Klimawandel betroffen ist. Doch die Zeichen mehren sich, dass selbst hier die Erderwärmung zunehmend dem Eis zusetzt. Eine Auswertung von Satellitenbildern vom Januar 2017 zeigt beispielsweise, dass im damaligen Südsommer mehr als 65 000 Schmelzwasserseen die Gletscher überzogen – deutlich mehr, als die Wissenschaftler um Chris Stokes von der Durham University erwartet hatten, wie sie in »Scientific Reports« schreiben. »Ihre Anzahl und Häufung ist vergleichbar mit derjenigen, die wir auf Grönland und der Antarktischen Halbinsel beobachten. Die gelten aber prinzipiell als wärmere Regionen«, sagt Stokes. Dabei überraschte die Forscher weniger die Tatsache, dass sich Schmelzwasserseen bilden – im Sommer liegen die Temperaturen immer wieder über null Grad Celsius –, sondern die große Anzahl.

Viele dieser Seen konzentrieren sich in dem Bereich, wo das Gletschereis vom Festland auf das Meer übergeht und zum Schelfeis wird. Andere liegen hunderte Kilometer weiter landeinwärts und bis in 1000 Meter Höhe. Die Größe der Wasserkörper reicht von den Ausmaßen eines Swimmingpools bis hin zu einer Bedeckung von 70 Quadratkilometern. Stokes und Co befürchten, dass das Wasser durch Spalten und Risse im Eis fließen kann und zwei verschiedene Prozesse beeinflusst: An Land beschleunigt das Wasser als Schmiermittel den Gletscherfluss, und auf dem Schelfeis treibt es womöglich den Zerfall des Eises voran, indem es Spalten und Brüche vergrößert und vertieft.

Verschiedene Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass auch die Ostantarktis vermehrt Eis verliert. »Bis vor Kurzem nahmen wir an, dass die Ostantarktis zu kalt ist und weniger empfindlich als etwa Grönland«, so die an der Studie beteiligte Amber Leeson von der Lancaster University: »Langsam erkennen wir allerdings, dass die Entwicklung hier größere Parallelen mit der auf Grönland aufweist.«

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