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70-fach mehr als offiziell registriert: Tausende Tote in Puerto Rico nach Hurrikan Maria

64 Menschen starben laut Regierung durch den Hurrikan Maria im US-Außengebiet Puerto Rico. Eine Studie vor Ort dagegen ergab: Es gab wohl weit mehr als 4000 Todesopfer.
Hurrikan »Maria« im Thermobild

Mindestens 4645 Menschen starben, als der Hurrikan Maria am Morgen des 20. September 2017 auf Puerto Rico traf, mehr als das 70-Fache der offiziellen 64 Todesopfer. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Nishant Kishore von der Harvard T.H.Chan School of Public Health im »New England Journal of Medicine« anhand einer Studie an 3299 zufällig ausgewählten Haushalten des US-Außengebiets. Mit einem Fragebogen erfasste das Team die in einem Haushalt lebenden und im Jahr 2017 verstorbenen Personen, rechnete die so ermittelte Sterblichkeit auf die ganze Insel hoch und verglich die Daten mit offiziellen Sterbezahlen aus dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Demnach stieg die Sterblichkeit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 62 Prozent. Allein ein Drittel der Todesfälle sei auf fehlende medizinische Versorgung zurückzuführen, als das Gesundheitssystem zusammenbrach.

Die auf diesem Weg errechnete Zahl sei jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit zu niedrig, so die Autoren: So schlossen sie verlassene und zerstörte Häuser nicht in ihre Studie ein – wenn niemand da ist, kann auch niemand den Fragebogen ausfüllen. Vermisste Personen zählten sie außerdem als lebend. Doch auch die niedrigere Zahl ist weit höher als in der offiziellen Statistik aufgeführt – schon seit Ende 2017 vermuteten Fachleute, dass die Zahl der Todesopfer über 1000 lag. Ein Grund, dass die Regierung es nicht schaffte, die Toten zu zählen, ist wohl der gleiche, der auch zu der enormen Zunahme der Sterblichkeit führte: Als der Hurrikan Puerto Rico traf, verwüstete er die Insel fast vollständig, der Strom fiel ebenso aus wie die Wasserversorgung, einige Regionen waren lange unzugänglich.

Ein anderer, dass es anscheinend nicht erwünscht ist. Die Sterbedaten auf der Insel sind seit Dezember 2017 nicht mehr öffentlich zugänglich, auch die Arbeitsgruppe durfte auf die Zahlen nicht zugreifen. Der Bericht deutet darauf hin, dass die USA es selbst lange nach der Katastrophe nicht schafften, die Insel wieder auf die Beine zu bringen: Bis zum Ende des Jahres blieb die Sterblichkeit deutlich erhöht. Bis heute sind die Folgen des Sturms spürbar. Ein Teil der Befragten habe sogar noch immer weder Strom noch Wasser, berichtet das Team um Kishore – und am 1. Juni beginnt die neue Hurrikansaison.

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