Feuer bei Forschungszentrum GSI: Brand an Teilchenbeschleuniger wirft Großprojekt zurück

Kilometerweit war am Donnerstag, dem 5. Februar 2026, in der Nähe von Darmstadt eine Rauchwolke zu sehen. »Das ist ein schwarzer Tag für den Wissenschaftsstandort Hessen«, sagte der Forschungsminister Timon Gremmels. Fast 24 Stunden lang brannte es auf dem Gelände der Gesellschaft für Schwerionenforschung, kurz GSI. Glücklicherweise kam dabei niemand zu Schaden, doch das Feuer beschädigte einen Teilchenbeschleuniger – und wirft die Pläne der Forschungseinrichtung wieder einmal zurück.
Die GSI befindet sich in Wixhausen, einem Stadtteil von Darmstadt, und beherbergt mehrere Teilchenbeschleuniger. Dort werden schwere Ionen mit enormer Geschwindigkeit aufeinandergeschossen. Die Grundbausteine der Atomkerne werden so extremen Bedingungen ausgesetzt, aus denen teilweise neue Elemente hervorgehen – sechs Stück wurden bislang an der GSI entdeckt (Bohrium, Meitnerium, Hassium, Darmstadtium, Roentgenium und Copernicium). Ferner entwickelten Fachleute dort in den 1990er-Jahren die Schwerionentherapie, die inzwischen bei der Behandlung von Hirntumoren eingesetzt wird.
Seit 2017 wird in Wixhausen zudem das milliardenschwere Forschungsprojekt FAIR aufgebaut, die »Facility for Antiproton and Ion Research«. Dieses soll einen weiteren großen Ringbeschleuniger mit 1,1 Kilometern Durchmesser sowie neue Messstationen enthalten, die viele verschiedene Forschungsfragen beantworten sollen: Welche Zustände herrschen in Neutronensternen? Welche Geheimnisse bergen Atomkerne? Wie lassen sich Ionenstrahlen bei der Krebstherapie einsetzen?
Seit dem Baubeginn von FAIR verzögert sich die Fertigstellung immer weiter. Neben den üblichen Problemen beim Bau eines internationalen Großprojekts kamen noch die Coronapandemie und schließlich der Krieg in der Ukraine hinzu. Da Russland ursprünglich als Forschungspartner eingeplant war und einige Ressourcen wie Magnete von dortigen Firmen kommen sollten, hat der Krieg auch Auswirkungen auf FAIR.
Die Forschung am UNILAC steht still
Und jetzt noch der Großbrand. Betroffen war offenbar ein inzwischen einsturzgefährdetes Bürogebäude auf dem GSI-Gelände, abseits der Baustelle von FAIR. Doch das Feuer verursachte wohl auch Schäden am nebenan befindlichen Linearbeschleuniger UNILAC, der seit 1975 betrieben wird. Dort ist der Experimentierbetrieb nun unmöglich. In diesem 120 Meter langen Gerät werden die Schwerionen zunächst auf rund ein Fünftel der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, bevor sie in Experimentierhallen oder andere Collider geführt werden. So sollen die Teilchen auch in die FAIR-Anlage gelangen.
Der UNILAC war mehrere Monate abgeschaltet und sollte eigentlich im September 2026 wieder in Betrieb gehen. Das erscheint jetzt unwahrscheinlich. Auch der Start des Probebetriebs der FAIR-Anlage, der im Dezember dieses Jahres geplant war, wird sich durch das Unglück verzögern, gab die GSI bekannt. Aktuell arbeiten die Verantwortlichen auf Hochtouren, um das gesamte Ausmaß des Brands abschätzen und somit mehr über die verursachten Schäden und Verzögerungen sagen zu können.
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